Bewegter, bewegender Klang

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 07. Mai 2018

Klassik

Das Sinfonieorchester Tri Rhenum begeistert in Schopfheim mit de Falla, Britten und Schumann.

Gern mal andere Wege im Repertoire geht das Sinfonieorchester Tri Rhenum, eines der ambitioniertesten Orchester der Region, das sich aus schweizerischen und südbadischen Musikerinnen und Musikern zusammensetzt. Auch bei seinem jüngsten Auftritt im Saal der Waldorfschule Schopfheim hatte das 70-köpfige Orchester unter der Leitung von Julian Gibbons ein sehr attraktives Programm mitgebracht.

Als höchst reizvoll erwiesen sich schon eingangs die sieben spanischen Volkslieder von Manuel de Falla, die in einer Orchestrierung für Trompete und Orchester von Luciano Berio erklangen. Solist Steven Dubé übernahm mit seiner Trompetenstimme gleichsam die Gesangsstimme in diesen Canciones populares españolas, die ursprünglich für Mezzosopran und Klavier komponiert sind. Der aus den USA stammende Trompeter, der in Basel als Musiklehrer unterrichtet, gefiel in diesen spanischen Liedern mit weichem, lyrischem Ton, vor allem in den ruhigeren Stücken wie dem Wiegenlied Nana, das er sehr sanft mit Dämpfer spielte, oder der sehnsuchtsvollen elegischen Asturiana. In den rhythmisch farbigen und temperamentvolleren Sätzen wie der Seguidilla, dem schnellen Jota oder dem Schlussstück Polo beeindruckte der Trompetensolist mit leichtem, geschmeidigem, brillant anspringendem Klang. Sehr fein abgestimmt war das Zusammenspiel des Orchesters mit dem Trompeter, sodass das Charakteristische dieser spanischen Melodien, der atmosphärische Zauber dieser Lieder auch in der ungewöhnlichen Bearbeitung für Trompete und Orchester wirkungsvoll zur Entfaltung kamen.

Ein Benjamin Britten, wie man ihn nicht so kennt, war in den "Matinées Musicales" zu hören. Der britische Komponist hat diese auf Stücken von Rossini basierenden Sätze für ein Ballett in New York geschrieben. Dem Dirigenten Julian Gibbons, der selbst gebürtiger Brite ist, und seinem bestens aufgestellten Tri Rhenum Orchester, lagen diese hinreißenden Stücke spürbar nahe und am Herzen. Bläser und Streicher spielten diese Stücke schlank, federnd, durchsichtig im Orchesterklang, heiter-elegant. Wunderschön klang das Nocturne, stimmungsvoll und zart in den Klangwirkungen, fein ausgehorcht im Klangbild. Voller Verve legten sich die Orchestermusiker in den "Waltz". Auch das Stück "Pantomime" und das Finale "Moto perpetuo" hatten unter Gibbons dynamischer Leitung enormen Schwung, präzise rhythmische Gestaltung und heitere Gelöstheit.

Starken Eindruck machte auch, wie das Tri Rhenum Orchester sich nach der Pause Schumanns vierter Sinfonie in d-Moll widmete. Sehr bewegt und leidenschaftlich, mit großem Bogen in den ineinander übergehenden Sätzen, und mächtig aufblühendem Klang, gingen die Musikerinnen und Musiker diese Sinfonie an. Sehr engagiert und voller romantischer Emphase setzte das Orchester die Stimmungswechsel um, die drängenden Gedanken, auch die Gefühlszerrissenheit, die sich in dieser Sinfonie Ausdruck verschafft. Hochgespannt und geschärft im Klang, rhythmisch sehr sicher arbeitete Dirigent Gibbons mit seinem Orchester die Kontraste, die schwermütigen Passagen, die heftigen Ausbrüche, die geheimnisvolle Nachtstimmung in der Romanze heraus. Das alles meisterte das Sinfonieorchester mit bewegtem und bewegendem Klang bis zum schwungvollen Schluss-Presto. Großer Beifall im nicht allzu üppig besetzten Saal.