Der Vater des "Danke"-Lieds

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Mo, 06. Februar 2017

Klassik

Zum Tod von Landeskantor Martin Gotthard Schneider.

"Danke für diesen guten Morgen" – dieses Lied ging um die Welt. Der in mehr als 25 Sprachen übersetzte "Danke"-Hit, der es in die Charts schaffte, hat seinen Schöpfer international bekannt gemacht. Wobei Text und Musik einen gemeinsamen Vater haben: den Freiburger Theologen und Kirchenmusiker Martin Gotthard Schneider. Der vergaß nicht, wie viel Kritik ihm seitens der (theologischen) Zunftgenossen entgegenschlug, als er 1961 bei einem Wettbewerb für "Danke" den Siegespreis davongetragen hatte. Mit einem Lied, das Glaubensinhalte mit U-Musik und Swing verbindet. "Danke" oder auch "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt": Man kennt diese Lieder. Sie stehen im Evangelischen Gesangbuch.

Musik und Verkündigung – bei Schneider, der 1930 in Konstanz geboren worden war, gingen sie zusammen, befruchteten sie sich gegenseitig. Ebenso wie das Komponieren und Interpretieren. Schon der Pennäler hatte eine Goethe-Kantate für die Abiturfeier komponiert. Weitere Stationen: Studium der evangelischen Theologie und Kirchenmusik in Heidelberg, Tübingen und Basel. Schneider wollte mit Menschen arbeiten. War Religionslehrer am Freiburger Kepler-Gymnasium. 1970 gewann die Musik die Oberhand. Schneider lehrte an der Freiburger Musikhochschule, war Kantor der Paulus- und Ludwigsgemeinde, Bezirkskantor und für Südbaden zuständiger Landeskantor. Professorentitel, Bundesverdienstkreuz. Seine Liederbücher, seine Offenen Singen – man denke ans Oberwiehremer Adventssingen: Untrennbar sind sie mit seinem Namen verknüpft.

Wie insbesondere die Heinrich-Schütz-Kantorei. Schneider gründete diesen Chor 1961. Nach Theodor Egels Bachchor war es der zweite Freiburger Konzertchor. Rasch avancierte die Formation zu einer gewichtigen Stimme der hochkarätigen Freiburger Chorszene. Mit Werken des Namenspatrons, dazu Bach, Händel, Mendelssohn, Brahms, Strawinsky, Honegger, Schnittke. Ein ganz spezielles Erlebnis war immer wieder Schneider mit Mozart – Stichwort: Leichtigkeit.

Legendär sind Schneiders Orgelimprovisationen. Choral und Witz schlossen sich da nicht aus. Er, der durchaus streitbar sein konnte, war souverän in der Lage, an den Freiburger Münsterorgeln ein Konzert mit kernigem Repertoire zu geben. 2009 musste er die Leitung der Schütz-Kantorei gleichwohl aus Gesundheitsgründen abgeben. Es wurde still um ihn. Die letzte Lebensphase verbrachte Martin Gotthard Schneider in seiner Geburtsstadt Konstanz, wo er jetzt mit 86 Jahren gestorben ist. Wir haben ihm zu danken. Für sein langes engagiertes Wirken. Für seine Verkündigung. Und vor allem für seine Musik.