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18. November 2015

Burghof

Eine restlos überzeugende Partnerschaft

Der Cellist Raphaël Merlin und der Pianist Giles Vonsattel gaben im Burghof einen Duoabend.

  1. Der Cellist Raphael Merlin und der Pianist Gilles Vonsattel im Burghof Foto: Roswitha Frey

Tief in die Romantik tauchten der Cellist Raphaël Merlin und der Pianist Gilles Vonsattel bei ihrem Duoabend im Lörracher Burghof ein. Mit Schumann, Schubert und Brahms hatten die beiden Musiker drei zentrale Komponisten der Romantik im Repertoire. Und wie sie diese interpretierten, mit einer derartigen Sensibilität, differenziert ausgeleuchteten Gestaltung und exzellent aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel, geriet zum Ereignis.

Schon in Schumanns Fantasiestücken op.73 ließ der französische Cellist, der auch Mitglied des international gefragten Quatuor Ebène ist, durch sein hochsensitives Spiel aufhorchen. Feinfühlig erfasste er die Charaktere und Stimmungen der drei Stücke: lyrisch, zart und fließend im Gesang des ersten Stücks, anmutig-leicht und beweglich im zweiten Stück, stürmisch und energievoll im dritten. Merlin führt den Bogen mit scheinbar schwereloser Agilität, sein Spiel atmet Natürlichkeit und Leichtigkeit. Und in Vonsattel hat er einen Klavierpartner, der diese Klanglichkeit und Interpretationshaltung sensibel im Anschlag und technisch makellos mitträgt.

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Geradezu eine Idealinterpretation erfuhr Schuberts Arpeggione-Sonate, die man in dieser Cellofassung wohl selten so romantisch erfüllt im lyrischen Ton und mit so müheloser Virtuosität hört. Ursprünglich für den Arpeggione, eine Art Hybrid aus Gitarre und Cello, komponiert, hat sich das Stück heute weitgehend in der Celloversion durchgesetzt. Raphael Merlin bringt alles mit, was es für diese Schubert-Sonate braucht: einen herrlich gesanglichen, ausnehmend schönen Ton für die großen Bögen, ganz auf kantable Linien und atmende Phrasierung ausgerichtet, eine Bogenführung voller Leichtigkeit und Wendigkeit, eine vorzügliche Technik für die virtuosen und teilweise auch gezupften Passagen. Den von Melancholie durchgezogenen ersten Satz spielen Merlin und Vonsattel in kammermusikalischer Intimität und restlos überzeugender Duo-Partnerschaft, auch in den intensiv gesteigerten Spannungsmomenten. Das Adagio wird sehr schön lyrisch und empfindungsvoll ausgehorcht, in einem innigen Cellogesang, aber auch von pianistischer Seite mit dynamisch nuanciertem und fein abgetöntem Klang. Da die Arpeggione-Sonate auch ein Virtuosenstück ist, kann vor allem der Cellist, aber auch der nicht minder herausragende Pianist, etwa im Rondo-Finale seine Virtuosität wirkungsvoll vorführen. Und wie er das tut, mit einer Selbstverständlichkeit und uneitlen Natürlichkeit, begeistert nachhaltig.

Auf diesen exemplarischen Schubert folgte eine ebenso vorzügliche Interpretation von Brahms’ Cellosonate Nr. 2 F-Dur op. 99, in der wiederum deutlich wurde, wie ideal Merlin und Vonsattel harmonieren. Leidenschaftlich, energisch in den prägnanten Gesten des Cellos und aufwühlend im pianistischen Zugriff stiegen die beiden in den dramatischen, unruhig-bewegten Kopfsatz ein. Das Adagio Affettuoso wurde zum Herzstück, emotional gesteigert im weit ausholenden, intensiven Cellogesang, berührend in der Tiefe des Ausdrucks und auch sehr präzise im Cello-Pizzicato. Auch die heftigen Ausbrüche ins Fortissimo im Scherzo gestalteten Merlin und Vonsattel überzeugend. Ihr Spiel war hier von stürmischer Vehemenz, gerade auch im Klavierpart. Und Merlin beeindruckte einmal mehr mit herrlich fließenden Cellokantilenen. Ein mit lockerem Schwung und Elan gespieltes Rondo-Finale beschloss diese aufregende Brahms-Interpretation, die gleichermaßen höchste Klangsensibilität und Dramatik hatte.

Eine wichtige Persönlichkeit der Romantik fehlte noch in diesem Programm. So spielten Merlin und Vonsattel als Zugabe Mendelssohn-Bartholdys "Lied ohne Worte", auch als Reaktion auf die "erschreckenden Ereignisse in Paris", für die man keine Worte finde. Dafür berührte dieses Lied ohne Worte, mit so viel Innigkeit und Emphase gespielt, umso tiefer.

Autor: Roswitha Frey