KRITIK IN KÜRZE

Fabian Ober

Von Fabian Ober

Di, 26. Juli 2016

Klassik

Junge Kammerphilharmonie in der Musikhochschule

Welche Qualen, welche Leidenschaft! So lassen sich Tschaikowskys Orchesterfantasie "Der Sturm" als auch das Semesterkonzert der Jungen Kammerphilharmonie Freiburg (Leitung: Andreas Winnen) in der Musikhochschule treffend charakterisieren. Interpretatorische Glanzleistung und Ernüchterung können nämlich nah beieinanderliegen: Das Bild des ruhigen Meeres etwa gerät unsauber, klingt eher nach dickflüssiger Mehlsuppe, denn nach erhabener See. Der dramatische Einbruch des Sturms hingegen: äußerst stimmig, da rau und losgelöst. Und der schwelgerische Ton der folgenden Liebesszenen, dieser cremige Sound, ist schlichtweg begeisternd.
Wie sich traumwandlerisch sicheres Zusammenspiel aufgrund jahrelanger Erfahrung anhört, wird in Mozarts "Konzert für zwei Klaviere und Orchester" (KV 365) offenbar: Die Solistinnen Karolin und Friederike Stegmann, als Zwillingsduo in der Szene unterwegs, gestalten einen jovialen, transparenten Mozart: unaufdringlich (manchmal wünscht man sich mehr Kontraste), doch stets mit rundem Klangprofil, zusammengehalten von einer wirklich feinen Dialogkultur – auch mit dem Orchester. Bei Beethovens Fünfter indes ist immer der Ansatz der Interpretation interessant: Winnen wählt mit seinem Ensemble einen straff organisierten, doch stets das Dramatische betonenden Zugang zum musikalischen Schicksalskampf: Die Coda des ersten Satzes etwa strotzt vor dichter Intensität, das Bassthema des dritten Satzes schnarrt furios, das C-Dur am Schluss strahlt bezwingend. Das Effektvolle überzeugt – wenn der introvertierte Ton zukünftig vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt, wird’s noch besser.