Uraufführung

Ludger Vollmers Oper „Crusades“ feiert im Freiburger Theater Premiere

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Di, 10. Januar 2017

Klassik

VOR DER PREMIERE: Die Oper "Crusades" von Ludger Vollmer wird im Großen Haus des Freiburger Theaters uraufgeführt.

Mit "Jerusalem" von Giuseppe Verdi hat die Freiburger Opernsaison begonnen, mit "Zaide/Adama" von Wolfgang Amadeus Mozart und der zeitgenössischen israelischen Komponistin Chaya Czernowin endet sie (Premiere am 16. Juni). In der letzten Opernspielzeit der Intendantin Barbara Mundel spielen Religion und Interkulturalität eine große Rolle. "Der Missbrauch von Religion für machtpolitische Auseinandersetzungen zieht sich als unselige Denk- und Verhaltensweise durch die Menschheitsgeschichte – und wird als dringliches Thema auch künstlerisch in vielfachen Variationen immer wieder verarbeitet und reflektiert", sagt Operndirektorin Dominica Volkert.

Am Samstag feiert nun Ludger Vollmers große Oper "Crusades" ihre Uraufführung am Freiburger Theater, das das Werk bereits im Jahr 2012 in Auftrag gegeben hatte. Damals hatte Vollmer schon eine Projektskizze fertig, die nach einem Forschungsaufenthalt in Jerusalem entstanden war. Rund 30 verschiedene Textfassungen hat die Librettistin Tina Hartmann seither angefertigt. Immer wieder traf man sich und feilte an den Details der politischen Oper. Man wollte klar Stellung beziehen, aber keine Religion verunglimpfen. Ganz am Ende ging der katholische Christ Ludger Vollmer ein letztes Mal mit dem muslimischen Regisseur Neco Celik das Libretto durch, um sich "vor Betriebsblindheit zu schützen". Celik interessiert sich bei der Oper für den "Verrat an Gott. Seien sie Christen, Juden oder Muslime – radikale Menschen neigen immer öfters dazu, im Namen Gottes zu urteilen und damit Leid und Tod über die Menschen bringen. Es ist ein brandaktueller Stoff für die Oper. Unsere Botschaft ist: Versöhnung und unmissverständliche Vernunft."

Die Oper "Crusades" (Kreuzzüge) beginnt im Mittelalter mit einem Schachspiel zwischen Papst Urban II. und Bernhard von Clairvaux, den Chefideologen der ersten sogenannten heiligen Kriege. Die Figuren wandeln sich in muslimische Extremisten der Gegenwart. Vor diesem historischen Rahmen, aus dem immer wieder Bezugspersonen auftauchen, erzählen die Opernmacher einen im studentischen Milieu einer europäischen Großstadt angesiedelten Thriller (inklusive Liebesgeschichte), der in einem im letzten Moment abgewendeten Anschlag auf die Grabeskirche in Jerusalem endet. Der zweifelnde Selbstmordattentäter Omar wird von seinem radikalen Anstifter Maciel erschossen. "Neben dem heiligen Franziskus haben wir aus dem Mittelalter noch Walter von der Vogelweide, der an wichtigen Schnittstellen wie den Aktanfängen auftaucht", erklärt Vollmer. "Die Oper beginnt mit seinem Palästinalied. Einerseits ist das Lied hellsichtig, weil es besagt, dass es nur einen Gott gebe, der in den Religionen verschiedene Namen trage. Andererseits diente das Palästinalied auch als Propaganda für die Kreuzzüge. Deshalb habe ich es im Epilog ergänzt um drei Verse aus Walters ‚Ich saß auf einem Steine‘, in denen Recht und Sicherheit angemahnt werden. Erst dann kann sich der Mensch entfalten."

Für sein vieraktiges Werk verwendet Vollmer, dessen Oper "Gegen die Wand" nach dem Film von Fatih Akin 2014 in Freiburg zu sehen war, eine große Sinfonieorchesterbesetzung, die mit arabischen Instrumenten wie der Oud (Laute) oder der Darbuka (Bechertrommel), aber auch mit dem jüdischen Schofar (Widderhorn) besondere Farben erhält. Der Komponist trennt aber nicht zwischen der abendländischen und der orientalischen Musik. "Ich arbeite melodisch. Jede Figur hat eine bestimmte Skala, mit deren Material Melodien gebildet werden. Es gibt auch Skalen für Gefühle wie Liebe, Hass oder Empathie. Meine Musik geht immer von der Hauptstimme aus. Die Bewegung der Melodie wird von den anderen Stimmen nachgezeichnet, was zu einer großen Dramatisierung führen kann."

Neben den Tuttipassagen gebe es aber auch viele kleinere Szenen, in denen sich auf einem Streicherteppich Soli für Oud oder Vibraphon entfalten, erklärt Dirigent Daniel Carter. "Die vielen Tempowechsel und die Balance sind für mich die größte Herausforderung." In seiner Inszenierung möchte der Berliner Regisseur Neco Celik die Fantasie der Zuhörer anregen. "Die Stadt ist in Form einer Fläche oder eines Platzes zu erkennen. Sie steht für jeden Ort der Welt. Es ist alles stilisiert." Hier tauchen auch die Figuren der christlichen Vergangenheit auf, die die Ideologie des islamischen Dschihad schon vorbereiteten oder damals Friedenskämpfer waren wie die Kinder des Kinderkreuzzugs von 1212, die im Kinderchor eine Stimme finden. Am Ende steht nichts weniger als eine Utopie. Und die Erkenntnis, dass jeder sogenannte Heilige Krieg eine Schändung des Namens Gottes ist.

Die Uraufführung der Oper "Crusades" findet am Samstag, 14. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Theaters Freiburg statt. Weitere Aufführungen: 19., 26., 28. Januar, 3., 5., 15., 17., 19., 26. Februar,
17. März, 13. Mai. Karten: BZ-Kartenservice Tel. 0761/4968888 sowie unter bz-ticket.de