Nachruf

Walter Levin ist tot – Großer Geiger und Teamspieler

Alexander Dick

Von Alexander Dick

So, 06. August 2017 um 15:25 Uhr

Klassik

Walter Levin, Gründer des LaSalle String Quartet und in der Region eine prägende Gestalt der Badenweiler Römerbad-Musiktage, ist tot. Ein Nachruf auf einen großen Geiger und Teamspieler.

Das Streichquartett ist wohl einer der komplexesten musikalischen Organismen. Als "Ehe zu viert" wird es bezeichnet, als ein Kollektiv großer Individualisten. Einer von ihnen war Walter Levin – einer auf den dieses scheinbare Paradoxon vollkommen zutraf. Als Gründer und Primarius des LaSalle Quartets schrieb er Kammermusikgeschichte. Lebte dieses Miteinander als Primus inter pares vor, definierte diese hohe Ensemblekunst. Die Probe zu verlassen, soll er gesagt haben, sei keine Kunst. "Die Kunst ist es, zusammenzuhalten."

Und das vermochte er. Weil er beides war – großer Geiger und Teamspieler. Am 6. Dezember 1924 in Berlin geboren, emigrierte er 1938 nach Palästina, studierte in Tel Aviv , an der weltberühmten Juillard School in New York und gründete 1946 das LaSalle String Quartet, jenes großartige Streichquartett, das mit seinem glasklaren Klang, seinem analytischen Zugang zur Musik, kurzum seiner Perfektion Geschichte schrieb. Und mit seinem unermüdlichen Einsatz für die musikalische Moderne.

Auch in der Region war es Legende, als eines der musikalischen Herzstücke von Klaus Lauers Badenweiler Römerbad-Musiktagen, wo das LaSalle String Quartet 1975 erstmals auftrat. 1988 löste sich das Ensemble auf – früh schon überließ Levin, selbst zeitweise in Basel wohnend, den musikalischen Nachlass der Basler Paul-Sacher-Stiftung. Was vielleicht noch mehr bleiben wird, sind Walter Levins Bemühungen um den musikalischen Nachwuchs. Er war Meister und Lehrmeister, seine Meisterkurse sind Legende, und die, die durch seine Schule gegangen sind, können kaum in Worte fassen, was sie ihm zu verdanken haben. Die, die ihn noch als Primarius erleben durften, ebenso. Am Wochenende ist Walter Levin, wie die Badische Zeitung aus seinem engsten Umfeld erfuhr, an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Die Beethovenschen Frage aus dessen Streichquartett Opus op. 135 wird bleiben: Muss(te) es sein?