Die Einheit in Farbe und Form

Fabian Ober

Von Fabian Ober

Sa, 26. Oktober 2013

Klassik

Freiburg: Konzert des John-Sheppard-Ensembles.

"Arbeiten wie die Profis" – so lautete einmal der Slogan eines namhaften Elektrowerkzeugherstellers. Damit könnte auch Bernhard Schmidt bei den Mitgliedern des John-Sheppard-Ensembles Freiburg geworben haben. Denn: Dem Ensemble und seinem Leiter gelang ein stilsicherer Konzertabend, der nur durch Probenarbeit auf Profi-Niveau erreicht werden konnte. Unterm Titel "Very Brit(t)ish" erklangen in der Maria-Magdalena-Kirche in Freiburg-Rieselfeld A-cappella-Chorwerke von Benjamin Britten, John Sheppard und Charles Villiers Stanford – eine anspruchsvolle Stilmischung. Gerät der Beginn der "Hymn to St. Cecilia" von Britten noch undurchsichtig, so verblasst dieser Eindruck schnell bei den entrückten Soloeinlagen und den charakterlichen Wechseln in diesem Loblied auf die Patronin der Kirchenmusik.

In Sheppards "Western Wynde Mass" besticht das Ensemble durch seine größte Stärke: die klangliche Homogenität. Man bemerkt bei Chor und Leiter die positive Identifikation mit dem Namensgeber, eine ungeheure Stilvertrautheit und die Bereitschaft, eine klangliche Einheit in Farbe und Form zu bilden. Als einstimmiger Choral beginnend, schraubt sich das "Gloria" in höchste polyphone Sphären. Die Phrasierung bleibt im Fluss, die Melismen sind ohne Stocken ausformuliert. Transparenz steht an erster Stelle.

Völlig der Welt entrückt

In Stanfords Motetten liegt der Fokus auf der Expressivität: Warm und intim baut sich die erste Motette kanonisch auf, immer wieder wie ein Kaminfeuer auflodernd – die voluminösen Männerstimmen liefern hier die Basis. In den beiden anderen Motetten wird’s leider in den Höhen des Soprans, gerade bei Sprüngen, so manches Mal ein wenig zu scharf und ungenau. Diese Schärfe macht sich aber hervorragend in Brittens neoklassizistisch anmutender Vertonung mittelalterlicher Gedichte namens "Sacred and Profane". Völlig weltentrückt füllt die Musik die hohen puristischen Betonwände der Kirche mit einer mystischen Stimmung. Besonders der fünfte Teil "Yif ic of luve can" mit den sich der Welt entsagenden Harmonien und der atonal durchschneidenden Sopranmelodie lässt einem dann den Atem stocken. Ein gelungener Höhepunkt des Konzertabends, der eben ganz klar zeigt: Zu arbeiten wie die Profis, lohnt sich.