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08. Januar 2014

Ohne Flitter und Klimbim

"Leipziger Weihnacht" mit dem John-Sheppard-Ensemble.

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten – so könnte man das Programm "Leipziger Weihnacht" des John-Sheppard-Ensembles am Dreikönigstag (miss)verstehen. Doch was viele Konsumwütige nicht mehr wissen: Weihnachten ist nicht nur Heiligabend und Geschenke, sondern geht je nach Konfession um einiges drüber hinaus. Und das nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich.

Und so gibt’s an diesem Abend in der Christuskirche in Freiburg keine unnötigen Glitzereffekte und keinen überbordenden Kitsch, ohne den man die "moderne" Weihnacht gar nicht mehr kennt. Ensembleleiter Bernhard Schmidt legt besonderen Wert darauf, dass genau dieses Ursprüngliche fühlbar wird: Die Freude an der Geburt von Jesus Christus, dem Erlöser. Drei Werke aus Bachs Leipziger Zeit standen dafür auf dem Programm. Den Beginn machte die Mottete "Singet dem Herrn" BWV 225, von der man nicht so recht weiß, zu welchem Anlass sie geschrieben wurde – möglicherweise zum Neujahrsfest. Eine vor Freude geradezu berstende Musik erfüllt den Kirchenraum: Chor und Orchester, beide beeindruckend intonationssicher, brauchen zwar etwas Anlauf, um das Überschwängliche wirklich authentisch zu transportieren. Als es aber spätestens im dritten Satz soweit ist, wird die zügellose Freude zum Greifen spürbar – gerade in den dort nie atemlos geratenen Melismen.

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Schillernde Transparenz im Chor

Die Kantate "Gloria in excelsis Deo" BWV 191 wartet mit Bekanntem auf: Entstanden ist diese nämlich aus Teilen der berühmten h-Moll-Messe. Auch hier zeigt sich Schmidts Handschrift, die schon in den vorigen Projekten hörbar war: Im Chor ist schillernde Transparenz vorhanden, eine Ganzheitlichkeit im Klang. Den zweiten Satz gestalten zwei Solisten im Duett: Angelika Lenter mit dunkel eingefärbtem Sopran voll introvertierter Sensibilität und Dino Lüthy mit einem vollmundigen, doch beweglichen Tenor ergänzen sich dabei hervorragend.

So gelungen bleibt’s auch im Magnificat BWV 243a. Mannigfaltige Farben bestimmen das Werk und die teilnehmenden Trompeten und Pauken bringen noch eine Prise mehr Feierlichkeit hinzu. Zwischen leichtfüßigem Lobpreis im ersten Satz und dem finalen, so intensiven Jubilieren im Tutti kommt man kaum zum atmen, so dicht sind die Sätze aneinander gefügt. Dazwischen gibt’s solistische Glanzlichter in den Arien: Rob Cuppens agiert mit niemals forciertem Countertenor und Karsten Müller mit gewohnt warmem, doch schlankem Basston. Das Gesamtpaket wirkt unheimlich gut vorbereitet und durchdacht: So soll Weihnachten ohne Flitter und Klimbim klingen. Das John-Sheppard-Ensemble steuert damit einen gelungenen Beitrag zu Freiburgs bunter Chorlandschaft bei, den man nicht missen möchte.

Autor: Fabian Ober