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02. Juli 2016

Klassisch, aber leicht

Das Mainzer Kammerorchester spielt beim Musiksommer Haydn, Chopin, Mozart und Gluck.

  1. Ein Teil des Mainzer Kammerorchesters bei seinem Konzert Foto: Sandra Decoux-Kone

ETTENHEIM. Das zweite von vier Konzerten im Rahmen des Ettenheimer Musiksommers hat Kammermusik vom Feinsten dargeboten. Der Ettenheimer Musiksommer feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum.

Das Mainzer Kammerorchester spielte im Bürgersaal des Rathauses Werke von Michael Haydn (1737 – 1806), Frédéric Chopin (1810 – 1849), Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787) und Joseph Haydn (1732 – 1809), mithin ein klassisches Programm der leichteren Stücke. Das Mainzer Kammerorchester wird von Volker Müller geleitet, der das Ensemble je nach Bedarf des Programms zusammenstellt. Er übernahm auch die Moderation und zog die Verbindungen zwischen Mozart und den Haydn-Brüdern. Das Kammerorchester bildeten fünf Streicher, zwei Hornisten und eine Flötistin, sie kommen ohne Dirigent aus.

Das Notturno F-Dur von Michael Haydn am Beginn des Programms bietet leicht durchschaubare Musik, es ist nicht allzu viel Überraschung im Stück, doch das Spiel ist beherzt und engagiert dynamisch, sauber und fein im Adagio, das Presto wirkt intensiv und impertinent mit zwei kontrastierenden Motiven wie Frage und Antwort bei forschem Tempo und Drive. So einfach das musikalische Thema von Giacomo Rossini ist, das sich Frédéric Chopin zur Bearbeitung für Flöte und Streicher ausgesucht hat, so vielfältig und hochvirtuos sind die dazugehörigen Variationen. Renate Kehr, langjähriges Mitglied des Ensembles, übernimmt den Solo-Part der Flöte, die Fingerfertigkeit ist sehr gefordert, der Ton ist in diesem Stück verhalten warm, abfallende Kaskaden prägen den Eindruck, die Virtuosität geht ein wenig auf Kosten der Klarheit.

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"Dorfmusikantensextett" von Wolfgang Amadeus Mozart

In unmittelbarem zeitlichen Abstand zur vielgespielten "Kleinen Nachtmusik" komponierte Mozart, wie Müller erläuterte, das "Dorfmusikantensextett" in F-Dur, KV 522, das in raffinierter Weise kompositorisch wie klanglich sich einen "musikalischen Spaß" macht. Das bringen die Musiker überzeugend und schauspielerisch gekonnt rüber. Dort, wo es kakophonisch wird, etwa, wenn die Hörner intonatorisch danebenliegen, in den übertriebenen Verzierungen im Adagio cantabile oder der Solo-Kadenz im ersten Satz erkennt man in der Übertreibung die Ironie, ein galoppierend forsch davon preschendes Presto, die Zuhörer im Publikum lachen, der Spaß dieses effektvollen Stückes gelingt mit viel Spielwitz und Spielfreude.

Nach der Pause kommt wieder die Flöte solistisch zur Geltung, in dem "Reigen seliger Geister" aus der Oper "Orpheus und Euridike" von Christoph Willibald Gluck. Hier ist der Flötenton klarer, abgerundeter und wärmer als zuvor, das Spiel nimmt den Zuhörer mit wie auf eine Traumreise, fein und intensiv, nuanciert und abgestuft ist das Spiel.

Am Ende des Programm steht ein Divertimento in D-Dur, Hob-II:22, von Joseph Haydn mit fünf Sätzen. Schwingend und dynamisch, dann elegisch teilt sich das Presto mit, uneinheitliche Stimmungen charakterisieren das Menuetto, während das Largo cantabile sehr sanglich ausgespielt wird, verständlich und differenziert. Gefolgt von einem weiteren kräftigen Menuetto, in dem die Hörner eine neue Klangfarbe geben, dann schließt sich noch ein letztes rasantes Presto an. Für den langanhaltend herzlichen Applaus bedankt sich das Kammerorchester mit einer Wiederholung aus dem Dorfmusikantensextett.

Autor: Susanne Ramm-Weber