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03. März 2017

Das Erbe der Bergleute

BERGBAU IN NEUENWEG (TEIL 7): Die aufgegebene Siedlung Steinehof besaß eine Schmiede, eine Erzwäsche und Unterkünfte.

  1. Werner Störk geht den historischen Weg zum Steinehof, wo einst die Erze aus dem Spitzkopf verarbeitet wurden. Stein für Stein wurde der Weg aufgebaut. Foto: Sattelberger

  2. Foto: Sattelberger

  3. Blick vom Ortsausgang Neuenweg über die L139 Richtung Süden: Links der Steinehof, rechts der Spitzkopf mit seinen alten Stollen Foto: Sattelberger

  4. s Foto: Störk

NEUENWEG. Historiker Werner Störk hat erforscht, wie am Berg Spitzkopf Blei und Silber abgebaut wurden. Gegenüber des Stollens hat er darüber hinaus Reste einer Besiedlung entdeckt: den Steinehof. Das terrassierte Gelände liegt heute direkt an der Landesstraße L 139 von Bürchau nach Neuenweg.

Im Wasser der Kleinen Wiese lassen sich heute noch winzige, metallisch-schwarze Glaskügelchen finden. Sie weisen auf eine Schmiede im Bereich Spitzkopf-Bergwerk und Steinehof hin. Und noch eine weitere Spur konnte gesichert werden: Die überraschend große Menge feinkörnigen Baryts (Schwerspat). Sie weist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Erzpoche hin. In einem Pochwerk (kurz: Poche) wurde das aus dem Bergwerk geförderte Erz zerkleinert; da es zunächst mit wertlosem Gestein wie Baryt vermischt war, kam es in die Erzwäsche. Dort wurde das wertlose Gestein dann abgetrennt.

Der Gemarkungsplan von 1770 zeigt eindrücklich, wie ausgedehnt – im Gegensatz zu heute – die ursprüngliche Hangterrasse zur Kleinen Wiese hin auslief, bevor der Straßenbau dort von Grund auf neu gestaltete wurde. Die Abschnitte nördlich und südlich lassen wieder den unmittelbaren Zugriff auf die alten Sedimente (Ablagerungen) zu. Bäche sind grundsätzlich "das Gedächtnis einer Landschaft". Nicht nur, dass man früher vieles über Bäche entsorgt hat (eine Müllabfuhr wie heute gab es lange Zeit nicht), auch im Zuge von Überschwemmungen oder bei Brandkatastrophen gelangten viele Zivilisationsreste ins Wasser. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte lagern sich Sand und Kies Schicht für Schicht über den Objekten ab. So verwahren die Bäche bis heute in ihren Sedimentationszonen quasi versiegeltes Kulturgut und damit viele archäologische Zeugnisse.

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Gleichzeitig sind Bäche "Mineraliensammler", denn ihr Bachbett gibt einen sehr guten Einblick in die mineralogische Situation der gesamten Gegend, die der Bach durchläuft. Je kleiner der Bach und somit sein Bachbett ist, desto genau lassen sich die Mineralien der Umgebung bestimmen. Gewinnt man über mit einer Waschpfanne ein Konzentrat, so kann der Experte darin wie in den Seiten eines aufgeschlagenen Buches lesen und damit Rückschlüsse auf die Geologie und Petro-graphie der umgebenden Landschaft schließen.

Der Steinehof war mit großer Wahrscheinlichkeit Bestandteil des frühen Bergbaubetriebes am Spitzkopf in Neuenweg. Das Hofareal umfasste vermutlich auf zwei Ebenen mehrere kleinere Gebäude: eine Schmiede, eine Poche, eine Erzwäsche und wohl auch Unterkünfte sowie Aufbewahrungsräume für Werkzeuge und Nahrung. Der obere Teil lag auf dem hochwassergeschützten Bereich der Hangterrasse und der untere Teil optimal in unmittelbarer Flussnähe, dessen ganzjährig ausreichende Wasserführung viele Funktionen des Bergbaubetriebes bediente. Diese vom Bergbau geprägte Hofsiedlung wurde wohl zu jener Zeit aufgegeben, als die ersten reichen Silbererzvorkommen erschöpft waren. Inwiefern dieses Areal auch bei den späteren Versuchen, die Erzgrube wieder zu reaktivieren, weiterhin benutzt wurde, bleibt offen, liegt aber nahe.

Die Siedlung verfügte über einen eigenen Weganschluss, der in Form einer Holzbrücke bestand und wohl genau jenen Standort innehatte, der 1767 als neuer Übergangspunkt mit jener Steinbrücke ausgewählt wurde, die heute noch dort zuverlässig ihre Dienste tut. Die Auffahrt zum Steinehof ist trotz der massiven Landschaftseingriffe bei der Straßenverlegung im Profil der unteren Terrasse immer noch gut erkennbar. Sie führt – analog dem heutigen Forstweg – auf die obere Hangterrasse und mündet dort direkt in die mit standhaften Seitenmauern gesicherte Wegführung zum oberen Steinehof-Areal.

Werner Störk ist Historiker aus Schopfheim und beschreibt in dieser Serie erstmals aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Kleinen Wiesental.
Internet: http://www.minifossi.pcom.de

Autor: Werner Störk