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15. März 2017 15:32 Uhr

Luftbild

Der Belchen stand im Zweiten Weltkrieg unter Beschuss

Die Nazis wollten auf dem Belchen einen Störsender installieren. Nun ist ein seltenes Schwarzweißfoto der US-Armee aufgetaucht, das den Beschuss des Gipfels im April 1945 zeigt.

  1. Die Einschlagtrichter des Artilleriebeschusses sind bei dieser US-Luftaufnahme unschwer zu erkennen. In der Bildmitte das Belchenhaus Foto: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, Stuttgart

  2. Alles friedlich heute: Blick vom Hau-Pass in Richtung Norden auf den Belchengipfel Foto: Sattelberger

Der Belchen ist bei Wanderern und Skifahrern bekannt für seine überragende Aussicht bis zu den Schweizer Alpen. Weniger bekannt ist, dass sein Gipfel im April 1945 von französischen Truppen beschossen und eingenommen wurde. Heimatforscher Werner Störk ist auf ein seltenes Schwarzweißfoto der US-Armee gestoßen, das den Beschuss des Gipfels zeigt.

Wichtiger Brückenkopf für Militärs

Werner Störk rekonstruiert seit etwa zwei Jahren die historischen Wehranlagen, die das Bauerndorf Neuenweg seit dem Mittelalter zu einem wichtigen Brückenkopf für Herrscher und Militärs machte. Ausgangspunkt seiner Entdeckungen ist der Hau-Pass zwischen Neuenweg und Böllen. Noch heute sind neben dem Wanderparkplatz an der Landesstraße L 131 zwei Schanzen -Reste bestens erkennbar, die Sternschanze und die Rechteckschanze.

Doch nicht nur in der Epoche des Barocks standen dort oben am Hau Soldaten, auch im Zweiten Weltkrieg.

Störfunkanlage und Bunker

Bei seinen umfassenden Recherchen zur Geschichte Neuenwegs stieß Störk vor Kurzem auf die Luftaufnahme aus dem Jahr 1945. Sie zeigt Einschlagstrichter französischer Artilleriebeschüsse vom Hau-Pass auf den Belchengipfel (1414 Meter).

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Doch wieso wurde in den letzten Kriegstagen ausgerechnet der Belchen beschossen? Die Hitler-Diktatur plante auf dem Belchen eine große Störfunkanlage, mit der der Funkverkehr der anfliegenden alliierten Bomberverbände gestört werden sollte. "Neben dieser Anlage wurden als Unterkünfte für die Bedienungsmannschaften auch mehrere Erdbunker angelegt", berichtet Störk.

Das Belchenhaus wurde geplündert

Um den nationalsozialistischen Störsender mit Strom zu versorgen, war von Utzenfeld aus eine Starkstromleitung gelegt worden, die von Multen bis zum Gipfel bereits verkabelt war. Als dann französische Truppen Ende April 1945 Neuenweg erreichten, vermuteten sie mögliche Widerstandsnester von Hitlers "letztem Aufgebot" eben dort auf dem Belchengipfel. Auf dem Hau angekommen, belegten die Franzosen die gesamte Südflanke des Gipfels mit starkem Artilleriefeuer.

Nachdem sie das Gelände mit Granaten beschossen hatten, wurde der Belchengipfel kampflos eingenommen. Damit nicht genug: Sie plünderten laut Störk das Berghotel "Belchenhaus" und steckten das dortige Erholungsheim der Firma "Schusterinsel" aus Lörrach in Brand. Informationen dazu finden sich auch im Beitrag "Der Belchen" im Buch "Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württembergs", Band 13, von 1989. Von Opfern des Angriffs ist nichts bekannt.

Suche nach Ersatzteilen

An die Folgen des Artilleriebeschusses kann sich aber Gustaf Kaiser (87) aus Schönau noch heute gut erinnern: Er erzählt, dass er im Alter von 15 Jahren die NS-Anlagen am Gipfel aufsuchte, um Elektronikbauteile zu finden, Kondensatoren für die Reparatur von Radios etwa.

Die Radarstöranlage hat er mit eigenen Augen gesehen, sie sei versuchsweise im Einsatz gewesen: Bei Bomberalarm ist sie wie ein Teleskop ausgefahren worden. Nach dem französischen Angriff war damit Schluss. Das Schwarzweißbild der US-Armee dokumentiert die Zerstörung.

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Autor: Dirk Sattelberger