Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Januar 2017

Kein Eldorado für Glücksritter

BERGBAU IN NEUENWEG (TEIL 4): Im Jahr 1707 versuchen Einheimische, den Stollen am Spitzkopf wiederzubeleben – ohne Erfolg.

  1. d Foto: Werner Störk

  2. s Foto: Störk

NEUENWEG/SCHÖNAU. In den letzten Monaten hat sich ein neuer Blick auf das Dorf Neuenweg und seine regionale Bedeutung ergeben. Historiker Werner Störk hat erforscht, wie der Ort ein Brückenkopf für Militärs und wichtige Station zwischen St. Blasien und St. Trudpert wurde. Darüber hinaus wurden am Spitzkopf und wohl auch im Nachbarort Bürchau Blei- und Silbererze abgebaut.

Der Bergbau in unmittelbarer Nachbarschaft von Neuenweg hat bereits um das Jahr 1588 stark abgenommen, was sich auch in einer sichtbaren Reduktion des Häuserbestandes jener Orte sichtbar niederschlägt. Sie hatten ihren Aufstieg vor allem dem Bergbau zu verdanken. So verlor beispielsweise Schönenberg bereits im Jahr 1352 rund 60 Prozent seiner einstigen Siedlungsgröße. Selbst eine ausgesprochene Bergbaustadt wie Schönau sah ihre bergbauliche und damit wirtschaftliche Dominanz schwinden. Wobei auch die Pestwellen von 1611 bis 1613 zum Niedergang des Bergbaus beigetragen haben.

Auch auf dem Todtnauer Berg hatten bereits 1601 alle Gruben ihre Arbeit eingestellt. Und der Dreißigjährige Krieg brachte den Bergbau großflächig vollends zum Erliegen.

Werbung


Vom Bergbau zum militärischen Brückenkopf

Dass Neuenweg als Dorf – entsprechend ähnlicher Beispiele aus dem benachbarten Bergbaugebiet – nicht so nachhaltig unter dem Scheitern des Bergbaus litt, hängt mit seiner inzwischen gewachsenen Bedeutung als verkehrstechnischer und damit auch geopolitischer und konfessioneller Dreh- und Angelpunkt zusammen. Neuenweg kristallisierte sich gar als militärisch-strategischer Brückenkopf heraus. Wobei hier seine konfessionelle und territoriale Grenzlage vergleichbar mit der von Gersbach einen wesentlichen Anteil hat.

So berühren nationale und europaweite kriegerische Konflikte auch das Dorf am Belchen, sei es der Dreißigjährige Krieg (1618 – 16148), der Spanische Erbfolgekrieg (1701 – 1714) oder der Polnische Erbfolgekrieg (1733 – 1735): Neuenweg wird so für viele durchziehenden Truppen zum idealen Lager-, Quartiers- und Kontributionspunkt. Verbunden ist damit ein heute kaum vorstellbares Leiden der ansässigen Bewohner: Hunger, Rechtlosigkeit, Willkür und massive Übergriffe prägten jenen Alltag der Zivilbevölkerung.

Letztes unmittelbare Kriegsereignis war Ende April 1945, als französische Einheiten am Ende des Zweiten Weltkriegs in den Hochschwarzwald vorrückten. Vom Hau aus wurde der Belchengipfel zuerst einmal mit Artillerie beschossen. Bis in die 1970er Jahre sah man dort noch einige flache Granattrichter.

Und auch beim Bergbau ist es die mit der Glaubensspaltung 1555 einhergehende territoriale und konfessionelle Trennung, die sich in Neuenweg niederschlägt. Der Ort liegt auf dem Gebiet der evangelisch-baden-durlachischen Markgrafschaft und nicht auf katholisch-habsburgisch-vorderösterreichischen Reichsgebiet. Eine Tatsache, die sich noch im späten 18. Jahrhundert bemerkbar macht. Der österreichische Machtanspruch vom 4. Mai 1787 hatte alle Bergrechte rings um den Belchen in einer Hand vereinigt. Der gesamte österreichische Breisgau und Schwarzwald war in den 1790er Jahren in drei Reviere aufgeteilt: Münstertal, Hofsgrund (mit Stohren) und Todtnau mit Urberg/St. Blasien. Aber mit einer einzigen Ausnahme: Neuenweg, denn es lag eben nicht auf vorderösterreichischem Territorium.

Während der Bergbau wegen der kriegerischen Konflikte auch nach dem Aachener Frieden von 1748 weithin ruht, macht Neuenweg wieder eine Ausnahme: Zwischen 1707 und 1730 kommt es zu verstärkten Bemühungen, den Bergbau am Spitzkopf wiederzubeleben. Aus dem Jahre 1707 existieren drei Schriftstücke "wegen der leidigen Bley Ertz grueben zu neyerweg" mit dem Hinweis, "dass dort ein unkundiger sächsischer Soldat als Bergmann arbeite".

Ein Sachse versucht sein Glück in der Grube

Laut den Quellen hatten die Bemühungen, die wohl der Öffnung des alten Schachts und des Erbstollens (Stollen zur Entwässerung und Belüftung) von der Talsohle der Kleinen Wiese her galten, einen Fehlschlag erlitten. Das dürfte den finanziell geschwächten Unternehmer zusätzlich verschuldet haben – Bergbauaktivitäten sind sehr kapitalintensiv.

1709 wird von der Aufnahme des Bergbaus durch einen Schönauer Bürger mit fünf bis sechs Mann berichtet. Doch der Versuch des St. Blasianischen Amtsmanns Johann Michael Lais von Schönau zusammen mit einem Hans Senn von Neuenweg, die alte Grube am Spitzkopf wieder zu erheben, scheitern. Offensichtlich wird die Grube auch wegen des Spanischen Erbfolgekriegs aufgegeben.

Dass es trotz der konkreten Namensnennung von Hans Senn aus Neuenweg nicht einfach ist, ihn exakt zu identifizieren, macht die jetzt recherchierte Namensliste deutlich: So gibt es in Neuenweg beziehungsweise Heubronn gleich mehrere dort Geborene mit dem Namen Hans Senn: einen frühen Hans Senn von 1650 bis 1709 , dann ein Hans Senn von 1655 bis 1710, einen weiteren von 1682 bis 1727 sowie einen Hans Senn von 1682 bis 1762, wobei man – bezogen auf den jeweiligen Todeszeitpunkt – bereits den Hans Senn 1608 – 1702 ebenso wenig berücksichtigte wie ein Hans Senn aus Heilbronn (1615 – 1666).

Der Nachname Senn ist übrigens heute noch im Kleinen Wiesental anzutreffen, laut Telefonbuch 18 Mal.

Werner Störk hat sich unter anderem mit der Erforschung der barocken Schanzanlagen, Goldvorkommen und der Minifossi-AG einen Namen gemacht. In dieser Serie beschreibt er erstmals seine neuen Forschungsergebnisse aus Neuenweg.

Internet: http://www.minifossi.pcom.de

Autor: Werner Störk