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09. Oktober 2010
Heute ist Weltposttag
ANGERISSEN: Intime Briefe – Fehlanzeige
Wann haben Sie das letzte Mal einen Liebesbrief bekommen? Pardon, wenn wir hier so indiskret mit der Tür ins Haus fallen, aber heute ist Weltposttag, da können wir ausnahmsweise auf das Briefgeheimnis keine Rücksicht nehmen. Wir können auch nicht mit Sicherheit sagen, ob das die Deutsche Post getan hat, wenn sie anlässlich dieses Jubeltages verlautbaren lässt, dass von den 68 Millionen Briefen, die sie an jedem Werktag befördert, nur noch sechs Prozent von privat an privat gehen. Tendenz sinkend. Jedenfalls schon in den vorhergehenden Jahren. So sollen die Deutschen 2009 nur noch knapp 1,3 Milliarden Privatbriefe verschickt haben, 40 Millionen weniger als 2008.
Fragen wir jetzt also mal nicht, wie es zu einer solchen Statistik kommt, sondern glauben wir ihr. Müssen wir uns Sorgen machen um den Schriftverkehr im Lande? Brauchen wir künftig gar nicht mehr in den heimischen Briefkasten zu schauen, weil dieser außer Geschäftspost – in der Regel, ach, Rechnungen – und Werbung nix anderes Gedrucktes mehr enthält. Von wegen Liebesbriefe … Um auf die Eingangsfrage zurück zu kommen: Die älteren unter uns, zu denen wir uns auch zählen, werden vermutlich noch irgendwo in einer Schatulle ein mit einem Bindfaden umschnürtes Bündel Liebesbriefe sorgsam hegen. Vielleicht haftet ihnen noch der Hauch jenes Parfüms an, in das wir uns damals gleich mit verliebt hatten …
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Gehen wir mal davon aus, dass es auch heute noch schriftliche Liebesbotschaften gibt. Möglicherweise sind sie kürzer, weil sich auf einer SMS eben nicht so viel sagen lässt. Möglicherweise sind sie auch mit Rechtschreibfehlern intensiver behaftet – weil eine Mail eben in der Regel schnell runtergehämmert wird. Aber in welcher "Schatulle" werden die dann aufgehoben? Auf CD, externer Festplatte oder USB-Stick? Oder gar nicht? Eines jedenfalls können wir mit Sicherheit nicht bestätigen: Dass weniger geschrieben werde. Zumal wenn wir in unser Mail-Postfach schauen. Intime Botschaften liegen dort indes auch eher bei unter sechs Prozent. Weshalb unser ganzes Mitgefühl heute der Post gilt.
Autor: Alexander Dick
