UNTERM STRICH: Prüder zur Sonne

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Di, 06. März 2018

Kolumnen (Sonstige)

Heimatland, ist die Nationalhymne nicht geschlechtergerecht? / Von Stefan Hupka.

Man muss nicht alles, das man auswendig kann, auch verstanden haben. Das gilt für manchen Beatles-Song wie für Weihnachtslieder, Ergüsse des Dichters Hölderlin – und für die Nationalhymne. Dass "des Glückes Unterpfand" zwar schnell dahingebrummt ist, aber nichts mit Dosenrecycling zu tun hat, musste man in Gemeinschaftskunde erst lernen. Und selbst im Lärm eines Fußballstadions klingt "brüh‘ im Lichte" anders als "blüh‘ im Glanze", wie Popsängerin Sarah Connor zerknirscht bekannte. Vaterland dagegen und brüderlich, zwei andere Wörter aus dem "Lied der Deutschen", machten da bisher weniger Schwierigkeiten. Bis vorige Woche jedenfalls. Inzwischen muss die Republik umdenken. Es gibt Bürgerinnen, denen das nicht mehr so leicht von der Zunge geht. Dazu gehört Kristin Rose-Möhring, Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums, und zugleich, wie zu erfahren, Vorsitzende des Interministeriellen Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten der obersten Bundesbehörden. Also nicht irgendwer.

Sie hat gefordert, die Nationalhymne jetzt zum Frauentag geschlechtergerecht umzudichten. So will sie Vaterland durch Heimatland ersetzt sehen, und "brüderlich mit Herz und Hand" soll künftig so lauten: "couragiert mit Herz und Hand". Die Dame ist Sprachwissenschaftlerin, also kompetent in Zweifelsfragen der Muttersprache. Halt, rutscht uns da nicht gerade ein Wort heraus, das Väter beim Spracherwerb glatt unterschlägt? Das ist nur fair, denen gehört ja schon das Vaterland. Kanzlerin Merkel, die Mutti der Nation, lässt ihren Sprecher ausrichten, sie sei "sehr zufrieden" mit der Hymne. Denn sie weiß: Hoffmann von Fallersleben, übrigens kein Reaktionär, hat die Frauen in der Strophe davor untergebracht, bei Treue, Wein, Sang und Klang. Und Brüder? Die gibt es auch im Liedgut der Partei, der Frau Rose-Möhring angehört. "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit", singt die SPD stets am Schluss von Parteitagen. "Prüder zur Sonne" trifft es in diesen verklemmten Zeiten vielleicht besser.