Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
03. August 2011 03:19 Uhr
Wagenburg
Kommando Rhino: Gewalt eskaliert in der Nacht
Brennende Barrikaden und Gewalt – Ausschreitungen wie in der vergangenen Nacht hat Freiburg lange nicht erlebt. Vor der Räumung der Wagenburg im Vauban ist die Lage eskaliert. Am Morgen danach sind die Spuren im ganzen Stadtteil sichtbar.
Werbung
Die Feuerwehr war mit 30 Mann der Berufsfeuerwehr und 2 Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Stühlinger und Unterstadt. Sie wurde gegen 1.25 Uhr zum ersten Mal alarmiert. "Allerdings griffen wir auf Anraten der Polizei zunächst nicht ein", berichtet Ralf-Jörg Hohloch von der Freiburger Feuerwehr. "Es war keine Gefahr in Verzug." Erst als die Räumung begonnen hatte, begann die Feuerwehr die Brände zu löschen.
Anders als ursprünglich berichtet, wurde weder ein Feuerwehrauto noch ein Polizeiwagen von Linksautonomen mit Molotowcocktails beworfen (siehe Anmerkung der Redaktion am Ende dieses Beitrags).
Auf dem V8-Gelände, einem Baugrundstück an der Wiesentalstraße, wurden zwei Bagger in Brand gesetzt.
Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid fand in einer ersten Stellungnahme klare Worte: "Hier sind Kriminelle am Werk, die vor Gewalt gegen Menschen und Sachen nicht zurückschrecken."Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen. Auf ein Polizeiauto wurde ein Farbei geworden. 14 Personalien wurden festgestellt, es gab keine Festnahmen. Vier Leute wurden kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Gegen einen der Demonstranten wurde Anzeige erstattet, weil er sich den Anweisungen der Polizei widersetzt hatte.
Bei den BZ-Kollegen vor Ort meldete sich ein Vertreter des Rhino-Wagenkollektivs und distanzierte sich ausdrücklich von der Aktion. Das Kollektiv wisse nicht, wer dafür verantwortlich sei. Passiver Widerstand ja, Gewalt nein – das sei weiter die Linie des Kommandos Rhino. Es seien aber vor Ort auch Vertreter anderer Gruppierungen aus der Unterstützerszene der Besetzungsaktion, auf die das Kommando keinen Einfluss habe. Zudem seien auch brennende Barrikaden eine Form von Widerstand.
Im Laufe des Morgens gab es Verhandlungen zwischen Polizei und Rhino-Vertretern. Dabei stellte die Polizei eine Forderung: Wenn das Kommando nichts mit der Eskalation zu tun habe, sollten die Besetzer Anzeige erstatten. Das lehnten sie allerdings nach einer Diskussion im Plenum ab. Gegen 5 Uhr war dann zu beobachten, wie die Besetzer ihre Wagenburg noch mehr verbarrikadierten, um es der Polizei bei der befürchteten Räumung des Areals so schwer wie möglich zu machen.
Auch sechs Vertreter des Runden Tischs Vauban waren vor Ort. Sie hatten in den vergangenen Tagen versucht, zwischen den Besetzern und den Behörden zu vermitteln. Wie der evangelische Seelsorger Martin Auffahrt sagte, habe sich die Situation zuletzt verhärtet. Man könne der Polizei nicht vorwerfen, sie sei nicht dialogbereit gewesen. Zwei Gesprächsangebote seien von den Besetzern abgelehnt worden. Die Polizei sei von Anfang an skeptisch gewesen und habe befürchtet, dass das Ganze mit Gewalt enden könnte. Dieses Bild sei nun leider bestätigt worden.
Albert Scherr vom Runden Tisch sagte, eine Anzeige des Kommandos Rhino gegen die Vermummten sei szeneintern nicht möglich – das könne man von den Besetzern auch nicht verlangen.
"Ich bin von den Ereignissen heute Nacht erschüttert", sagte Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon. Man habe damit gerechnet, dass es Widerstand geben werde, die Rhinos hätten ja angekündigt, dies würde gewaltfrei über die Bühne gehen. "Was jetzt geschehen ist - brennende Barrikaden und über die Straße gespannte Drahtseile – das ist vorsätzliche Körperverletzung und einfach nur kriminell." Mit friedlichem Widerstand habe das nichts zu tun und sei in keiner Weise zu rechtfertigen. Salomon forderte Kommando Rhino und seine Unterstützer auf, sich klar und deutlich von der Gewalt zu distanzieren. "Um sich selbst vor Verdächtigungen zu schützen, müssen sie Anzeige erstatten, so wie es die Polizei ja auch verlangt hat." Gewalt dürfe nicht billigend in Kauf genommen werden.
Die Polizei hält für geschädigte Bürger, die Opfer von Sachbeschädigungen oder anderen Straftaten geworden sind, sofort folgende Telefonnummer bereit: 0761/882-4726. Es wird um sachdienliche Hinweise zur Klärung der Straftaten gebeten.
Anmerkung der Redaktion: Im Zuge der Räumung der Wagenburg haben wir am Mittwoch (3. August) berichtet, dass Linksautonome in der Merzhauser Straße Molotowcocktails auf einen Polizeiwagen geworfen haben. Diese Darstellung hat die Polizei am Mittwoch der Badischen Zeitung mehrfach bestätigt. Am heutigen Donnerstag hat die Polizei ihre Darstellung zurückgezogen. Wir haben unsere Berichterstattung in diesem Punkt korrigiert.
- Fotos: Eskalation im Vauban
Autor: Alexandra Sillgitt, Bernd Landwehr, Dominic Rock, Peter Disch und Joachim Röderer, Simone Lutz, aktualisiert um 10 Uhr
