Etappensieg für Offenburg

Tagesspiegel: Ohrfeige für die Bahnplaner

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Mi, 19. Januar 2011

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Jetzt ist es amtlich: Das Regierungspräsidium hat nach akribischer Aktenarbeit bestätigt, was die Bürger von Offenburg seit Jahren an Argumenten gegen die Bahnplanung aufgelistet und in 46 000 Einwendungen festgehalten haben. Die Bahnplanung ist fehlerhaft, einseitig, unrechtmäßig und nicht genehmigungsfähig. Selbst eine Schneise mit 16 Kilometer Schallschutzwänden mitten durch die Stadt würde nicht verhindern, dass 8400 Menschen mit Lärm jenseits geltender Grenzwerte leben müssten. Weit mehr als sieben Jahre Bauzeit würden eine lebenswerte Stadt völlig lahmlegen, die sich zuletzt ausgesprochen dynamisch entwickelt hat. Mehr als eine Million Euro hat Offenburg bereits für Gutachten zum Bahnausbau ausgegeben. Überraschend sind daher nicht die Argumente, sondern die Deutlichkeit, mit der sich das Regierungspräsidium nun positioniert hat. Selbst wenn die Bahn gründlich nachbessert, so signalisiert Regierungspräsident Würtenberger, bleibt eine Genehmigung ihrer Planung höchst fraglich. Das ist ein klarer Etappensieg für Offenburg, eine schallende Ohrfeige für die Bahnplaner und kurz vor der Landtagswahl fraglos auch eine willkommene politische Botschaft zur Versöhnung des Wahlvolkes. Bahnchef Grube muss sich nun fragen, ob er noch viel Energie in eine Planung stecken will, die politisch so gut wie tot ist. Auch Baden 21 zeigt – zumindest im Abschnitt Offenburg – , dass kaltschnäuzig an den Menschen vorbei nicht mehr geplant werden kann.