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28. Oktober 2011

UNTERM STRICH: Nickerchen im Bundestag

Der Sportausschuss schließt beleidigt seine Türen / Von Sebastian Wolfrum.

"Bitte nicht stören". Ein Schild mit diesem Text hängt an Hotelzimmern, wenn die Gäste nicht wollen, dass jemand sieht, wer mit wem unter einer Decke steckt. Oder aber sie wollen gepflegt ausschlafen. So ein Schild hat sich jetzt auch der Sportausschuss des Bundestages an seine Sitzungstüren gehängt. Der hat nämlich beschlossen, künftig unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu tagen. Das ist zwar das Recht eines jeden Ausschusses, hat aber ein Gschmäckle.

Sport lebt von öffentlichem Interesse, für Fußballvereine ist der Ausschluss ihrer Fans eine empfindliche Strafe. Der Sportausschuss tagt seit Jahren öffentlich. Warum auch nicht, es ist nicht der Ausschuss für Verteidigung, in dem militärische Geheimnisse beraten werden. Jetzt gehen die Türen zu. Und das mit einer für eine Demokratie unsportlichen Begründung. Von der "schlechten Presse" spricht Klaus Riegert (CDU), der Vorsitzende des Ausschusses, in dem Antrag fürs Türenschließen. Er musste in Zeitungen lesen, dass Abgeordnete, vor allem aus der Regierungsfraktion, sich mit Computerspielen vergnügten, keine Ahnung hatten oder ein Nickerchen hielten. Und das in Sitzungen, in denen über Themen wie Korruption, Doping und Wettbetrug gesprochen wurde. Doch bei den Politikern schrillten hier nicht die Alarmglocken, die Tagesordnung wirkte auf sie eher wie Schäfchenzählen. Geschmierte Funktionäre? Gähn. Was wusste der Staat über Doping im Radsport? Schnarch. Es ist bedenklich, dass bei diesen Themen Augen zugedrückt werden.

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Es schläft sich besser, wenn niemand zusieht. Nicht, dass man dabei erwischt wird, wie man, vom sauberen Sport träumend, den Kopf auf den Parlamentsbänken ablegt und sanft einschlummert. Dann lieber "Bitte nicht stören". Der Sportausschuss gleicht einem Hotelzimmer mit diesem Schild an der Tür. Hinter dieser sind Menschen, die nicht ganz ausgeschlafen sind – oder nicht wollen, dass man weiß, mit wem sie unter einer Decke stecken.

Autor: swo