Auer Wehr erlebt die "Watergate"

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Di, 31. Mai 2016

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Feuerwehrleute erproben mit Schweizer Unterstützung eine mobile Wassersperre aus Polyethylen-Plane / Anschaffung geplant.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD / AU. Was da im Kofferraum eines vor dem Auer Feuerwehrhaus abgestellten Kleinwagens mit Schweizer Kennzeichen liegt, sieht aus wie ein großer, eingepackter Schlafsack. Allerdings wiegt das gelbe, zylindrische Paket stolze 21 Kilogramm. Das ist jedoch ein Fliegengewicht, denn – und das möchte der ehemalige Schweizer Feuerwehroffizier Ruedi Jungen den Angehörigen der Auer Wehr demonstrieren – der Inhalt der Tasche ersetzt 450 Sandsäcke. Allein ein Sandsack wiegt rund 20 Kilo, sofern er denn noch trocken ist.

Au ist die zweite Station im Landkreis, an der Jungen seine Wassersperre vorführt. Im Mai war er damit bereits bei Wehrleuten in Titisee-Neustadt. Weitere Feuerwehren des Kreisfeuerverbands können sich bei Interesse bei ihm melden. Vom 17. Lebensjahr an hat Ruedi Jungen aus Frutigen im Kanton Bern selbst bei der Feuerwehr Dienst getan. Seit er im Jahr 2000 auf der Erfindermesse in Genf die Kunststoffklappensperre "Watergate" der kanadischen Firma Mega Secur kennengelernt hat, brennt er für die Verbreitung der Sperre mit dem breiten Einsatzspektrum und der leichten Einsetzbarkeit.

Auf der Suche nach einer mobilen Wassersperre ist die Auer Feuerwehr. "Die Mittel sind im Haushalt eingestellt", bestätigt Bürgermeister Jörg Kindel. Nun müssen Jungen und die Klappensperre zeigen, was sie drauf haben. Dazu hat der Schweizer mit dem Auer Kommandantenduo Martin Kury und Johannes Herr drei Szenarien erdacht, in denen sich die Sperre bewähren soll: den Dorfbach stauen – dies könnte etwa zur Wasserentnahme im Brandfall dienen –, kontaminiertes Löschwasser aufhalten – dies könnte im Falle eines Unfalles auf der L 122 notwendig sein –, und zu guter Letzt beispielsweise durch Starkregen auftretende Wasserströme in einen Kanaldeckel ableiten.

Am Beginn der Wassertaufe steht jedoch eine Trockenübung: Unter eher skeptischen Blicken wird die neun Meter lange und im aktiven Zustand 50 Zentimeter hohe WA 2130 aus dem Sack gelassen und entrollt. Jungen erläutert, wie man die Sperre in ein Bachbett einbringt, wie sie sperrt – durch eine Anordnung faltbarer Stofftaschen nämlich – und wie man pfleglich mit ihr umgeht, damit sie lange einsatzfähig bleibt.

Dann wird die Matte wieder verpackt, es geht runter zum Dorfbach. Der fließt recht munter, denn Regen gab es genug in jüngster Zeit. Zur Sicherheit der Wehrmänner und des Matratzenmannes wird ein Seil über den Bach gespannt. Drei Herren gehen ins Wasser, dann wird die Wundermatte eingerollt und auf Jungens Anweisungen hin mit Steinen beschwert – und die Taschen schwellen an. Kurz darauf schwillt auch der Bach. Hier könnte nun eine Tragkraftspritzenpumpe Löschwasser entnehmen. Auch das Herausnehmen geht dank Jungens Erfahrung rasch vonstatten – ohne das ein Feuerwehrmann baden geht. "Watergate" erntet erstes anerkennendes Nicken.

Die Szenarien Nummer zwei und drei – Hochwasser- beziehungsweise Schadstoffsperre – werden in die Straße unterhalb des Feuerwehrhauses verlegt. Wieder erklärt Jungen, worauf beim Aufbau der Sperre geachtet werden muss. Das Ausbreiten selbst dauert fünf Minuten. Dann heißt es "Wasser marsch!" – das Hochwasser kommt aus dem Hydranten.

Ein wenig müssen Jungen und zwei Feuerwehrmänner an den Klapptaschen zupfen, dann füllen sie sich. Auf der Straße entsteht ein stattlicher Tümpel. Dieser könnte, sofern es sich um verunreinigtes Löschwasser handelte, nun abgepumpt oder, im Falle von Hochwasser, durch Öffnungen in der Sperre kontrolliert abgelassen werden. Einige Meter weiter unten legen Wehrmänner die kleinere Sperre aus. Das abfließende Wasser wird elegant in einen Abwasserschacht umgeleitet. Die Skepsis in Au ist vollends gewichen, die Anschaffung der rund 4000 Euro teuren "Watergate"-Sperre geplant.

Mehr Informationen unter http://www.hochwasser-schutz.ch