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09. Dezember 2009

Beschützer der heimischen Falken

Der Biologe Rudolf Lühl setzt sich seit Jahrzehnten für eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Raubvögel ein – mit Erfolg.

  1. Erfolgreicher Jäger: ein Wanderfalke im Südschwarzwald Foto: Christian Harms

  2. Falkenschützer Rudolf Lühl im St. Wilhelmer Tal Foto: Silvia Faller

OBERRIED/FREIBURG. Er war der erste Vogel des Jahres. Mit dem Wanderfalken begründete der Naturschutzbund Deutschland 1971 diese Serie, um Aufmerksamkeit auf stark bedrohte Vögel zu lenken. Tatsächlich sorgte der Wanderfalke damals für bedauerliche Schlagzeilen. Denn der Vogel war fast ausgestorben. Insektengifte machten die Tiere unfruchtbar und ihre Eierschalen brüchig. Hunderte ehrenamtlicher Artenschützer haben sich seither ihrer angenommen, auch in Südbaden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Heute brüten in Deutschland wieder über 1000 Falkenpaare und im Bereich Südschwarzwald rund 35. Jüngst trafen sich Vogelkundler und Naturschützer aus ganz Mitteleuropa in Freiburg, um Erfahrungen auszutauschen und Entwicklungen aufzuzeigen. Gastgeber war die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im Naturschutzbund, der der Freiburger Biologe Rudolf Lühl seit 1971 angehört. Der heute 66-Jährige war 1964 nach Freiburg zum Studium gekommen und sah sich betroffen davon was damals mit den Wanderfalken und auch vielen anderen Vögeln passierte. In erster Linie war es das Insektengift DDT, das den Tieren zusetzte.

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In Deutschland sind die Herstellung und der Vertrieb des Wirkstoffes seit 1977 verboten, doch noch immer werden Spuren der Verbindung in der Umwelt festgestellt, auch in Eiern von Wanderfalken. Das braucht nicht zu verwundern, denn nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wirkstoff DDT in Europa drei Jahrzehnte lang das am meisten verwendete Insektenvertilgungsmittel. Nur wenige Brutpaare überlebten. Im Schwarzwald dürften es um 1970 noch zwei bis vier Paare gegeben haben, die allerdings keine Jungen mehr aufgezogen hatten.

Tag und Nacht werden die Reviere überwacht

Im St. Wilhelmertal in Oberried beispielsweise hat Rudolf Lühl zum ersten Mal im Jahr 1971 wieder ein Falkenpaar beobachtet. Die Leistung von Vogelschützern wie ihm ist kaum zu ermessen. Von jenem Jahr an haben Lühl und viele andere Frauen und Männern in der Region in der Brutzeit Tag und Nacht die Reviere überwacht. Einmal, um die Entwicklung der Populationen dokumentieren zu können und herauszufinden, warum sich ein Brutpaar erfolglos abgemüht hat, aber auch, um die Horste zu schützen. Denn es gibt Raritätensammler, die in die Felsen klettern und die Nester ausräumen. Der Reiz des Seltenen übe auf so manchen vorgeblichen Naturfreund eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus.

Aus diesem Grund will Rudolf Lühl die genaue Lage der Horste in Oberried auch nicht beschreiben, er erzählt aber gern von den Falken und ihren Lebensräumen. Offen gelassene Steinbrüche oder natürliche Felswände, wie es sie im St. Wilhelmertal gibt, sind bevorzugte Nistplätze und auch Beobachtungsplätze. Denn Wanderfalken verbringen einen Großteil des Tages damit, von erhöhten Stellen aus ihre Umgebung auszuspähen mit dem Ziel, Beute zu machen.

Sie sind auf kleinere Vögel aus, etwa auf Tauben, Drosseln, Stare oder Schnepfen, die sie im Sturzflug von oben herab oder auch von ihrem Sitz aus jagen. Sie schwingen sich in die Flugbahn des verfolgten Vogels ein und schlagen ihn mit den Klauen in der Luft. Bis zu 350 Kilometer in der Stunde erreichen die Tiere bei solchen Sturzflügen. Sie gelten als die schnellsten Vögel der Welt und werden aufgrund dieser Fähigkeit seit über 3000 Jahren für die Jagd genutzt.

Rudolf Lühl kann von 50 Brutplätzen berichten, was dort im Lauf der Jahrzehnte passiert ist. Im St. Wilhelmertal sind seit 1971 insgesamt 31 Jungtiere ausgeflogen. Die Bilanz dürfte sich in Zukunft etwas verschlechtern, denn ein Kolkrabenpaar hat einen der Horste für sich in Anspruch genommen. "Da kann man nichts machen. So ist das in der freien Natur", sagt Lühl. Am erfolgreichsten im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald brüteten Wanderfalken allerdings im Höllental. Dort waren seit 1977 an einer einzigen Brutstelle 63 Jungtieren ausgeflogen.

Rudolf Lühl wird nicht müde, sich für den Falkenschutz einzusetzen. Von Mitte Februar an ist er nahezu täglich draußen in der Natur. Er und seine Mitstreiter beringen Jungtiere und sammeln Eier ein, aus denen kein Küken geschlüpft ist. Sie alle werden untersucht und liefern wichtige Informationen über das Vorhandensein und die Verbreitung von Umweltgiften. "Die Falken sind wichtige Indikatoren für den Zustand der natürlichen Umwelt und letztlich unserer Lebensgrundlagen", sagt Rudolf Lühl.

Er wird auch nicht müde darin für den Schutz der Falken zu werben, bei Taubenzüchtern etwa, die wenig Freude an den Tieren haben, weil sie ihre eigenen Schützlinge durch sie gefährdet sehen, und auch bei Falknern, die aus anderen Regionen der Welt Falken beziehen, um sie auszubilden und dabei immer wieder unbeabsichtigt Tiere frei lassen.

Autor: Silvia Faller