Bio-Qualität aus dem Löss-Boden

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Fr, 06. Mai 2016

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Norsinger Obstgut und Mengener Gärtnerei schließen sich zusammen zu einem der größten Demeter-Betriebe in Baden-Württemberg.

SCHALLSTADT. Zwischen Norsingen und Mengen entsteht ein großer zusammenhängender ökologisch wirtschaftender Demeter-Betrieb, der Gemüse und Obst anbaut. Seit Anfang des Jahres arbeiten das Demeter-Obstgut Joel Siegel aus Norsingen und die Gärtnerei Schmelzer zusammen. Auf 64 Hektar entsteht eine der größten Demeter-Gärtnereien in Baden-Württemberg.

In den Gewächshäusern wächst Phacelia, auch als Büschelschön bekannt, als Gründüngung für den Boden, der nach Jahrzehnten konventioneller Wirtschafts weise auf biologisch-dynamische Wirtschafts weise nach den Richtlinien des Demeter-Verbands umgestellt wird. "Was jetzt hier entsteht, war zunächst nicht so geplant", sagt Sonja Mathis-Stich, die vor zwei Jahren die Gemüse-Gärtnerei Schmelzer übernommen hat. Die Gärtnerei bediente den regionalen Markt – über Hofläden, Einzelhandel, Gastronomie bis zu den Rewe-Märkten im Umkreis von etwa 30 Kilometern – und baute 50 Gemüsesorten an.

Zusammengeführt hat Mathis-Stich und Siegel die direkte Nachbarschaft, ihre Flächen grenzen aneinander. "Als ich im vergangenen Jahr mitbekommen habe, dass Joel Siegel nur 200 Meter weiter eine Hofstelle mit Kühllager bauen wollte, habe ich ihm angeboten, unsere üppige Betriebsfläche zu nutzen." Schnell zeigte sich, dass es viele Schnittstellen gibt. Mit dem Bioanbau hatte Sonja Mathis-Stich schon geliebäugelt, grenzt doch ihr 40 Hektar großer Betrieb an zwei biologisch wirtschaftende Betriebe – den von Joel Siegel und den von Bernd Kiechle, Demeter-Landwirt in Mengen. Mit einer Acker- oder Bodenzahl von 98 auf der Skala von 7 bis 100 ist die Bodenqualität des Lösslehms in Mengen hervorragend, und alle Flächen können beregnet werden.

"Der Konsument wünscht sich nachhaltige Produktion, hier haben wir die optimalen Gegebenheiten dafür. Eine Ausgangssituation wie unsere, die gibt es für Generationen nur einmal, die muss man einfach nutzen", sagt die Betriebswirtin und Inhaberin des Merdinger Weinguts Kalkbödele. Joel Siegel holt eine Karte, auf der die Flächen beider Betriebe verzeichnet sind. Die Schmelzer-Hofstelle mit Hallen, Mitarbeiterhaus und den Gewächshäusern ist umgeben von eigenen Flächen. Hinzukommen Siegels 24 Hektar sowie einige Flächen, die er mit konventionell arbeitenden Kollegen, die darauf Mais anbauten, tauschen konnte.

"Dass wir nun eine zusammenhängende und sogar arrondierte Fläche rund um die Hofstelle haben, hat viele Vorteile", sagt der Obstbautechniker. "Wir haben es leichter mit der Fruchtfolge, haben keinen oder zumindest weniger Abdrift von Spritzungen der konventionell arbeitenden Kollegen um uns herum, wir können zusammen Saatgut einkaufen und gemeinsam vermarkten." Eine enge Kooperation ist auch mit Demeter-Landwirt Bernd Kiechle geplant. Er wird sich um den Kompost kümmern, Siegel um die Herstellung der Demeter-Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien, die die Bodenfruchtbarkeit fördern sollen.

Noch arbeiten beide Betriebe parallel, 2017 wollen sie zu einem Unternehmen verschmelzen, bei dem Joel Siegel als Betriebsleiter fungiert. Zurzeit werden Wertgutachten erstellt, nach deren Ergebnis bringen sich Siegel und Mathis-Stich anteilig in die zu gründende GmbH ein. Während das Obstgut Siegel normal weiter produziert – demnächst sind die Erdbeeren reif –, legt die Gärtnerei Schmelzer ein sogenanntes Nulljahr ein: Der Gemüseanbau ist stillgelegt, auf allen Feldern und in den Gewächshäusern wächst Gründüngung zur Bodenverbesserung. Kompost wird in die Böden eingebracht. Dem Nulljahr folgen zwei Umstellungsjahre, bei denen der Landwirt bereits nach Demeter-Richtlinien produziert und die Ware als Bioware in Umstellung vermarkten kann. Erst ab dem vierten Jahr gilt der Betrieb als Biobetrieb.

Und zurzeit? Auf einem Hektar hat Joel Siegel Rhabarber gepflanzt, in einem Gewächshaus wachsen Erdbeeren und Himbeeren, sie kommen erst 2017 in Ertrag. Im Herbst möchte er Wintergetreide säen für die 300 bis 600 Hühner, die in mobilen Ställen rund um die Hofstelle leben werden. "Im Oktober und November werden wir Obstbäume pflanzen, ich denke an Aprikosen und Pfirsiche, außerdem Hecken für Kleintiere und Insekten", sagt Siegel. Die Betriebsstelle wird umgestaltet, ein CA-Lager neu gebaut, werden Betriebsgebäude renoviert.

Was auf dem Schmelzer-Gelände produziert werden soll, steht noch nicht fest. Siegel möchte zunächst erkunden, welche Kulturen gebraucht werden. Entgegen landläufiger Meinung sei der Markt für Bio-Obst und Gemüse in Südbaden ziemlich zu, so der Landwirt. Kürzlich hatten Siegel und Mathis-Stich Berufskollegen eingeladen, um ihr Projekt vorzustellen. "Wir wollen eng mit den Kollegen kooperieren, uns bei der Kulturauswahl absprechen und uns in der Vermarktung möglichst wenig Konkurrenz machen", sagt Joel Siegel.