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01. August 2015 18:08 Uhr

Inklusion

CDU und SPD fordern Behindertenbeauftragten

Der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald soll einen hauptamtlichen Behindertenbeauftragten bekommen. Die bisher ehrenamtliche Arbeit konnte bislang in der Fläche nicht richtig wirken.

  1. Für Inklusion braucht es mehr als Piktogramme an den stillen Örtchen. Foto: dpa

Die Forderung ist alt – jetzt gibt’s eine Chance auf Umsetzung: Der Landkreis soll eine hauptamtliche Stelle für einen Behindertenbeauftragten einrichten, verlangt ein gemeinsamer Antrag von SPD und CDU, initiiert von SPD-Kreisrätin Ellen Brinkmann.

Weil seit Mai erstmals ausreichend Finanzierung durch das Land möglich ist, rechnet sie im Herbst der Zustimmung des Kreistags. Bei Melanie Hildmann, der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten, stößt der Antrag auf volle Zustimmung.

Das Thema beschäftigt Ellen Brinkmann seit ungefähr zehn Jahren. Damals hatte sie zum ersten Mal eine hauptamtliche Behindertenbeauftragten-Stelle gefordert, erinnert sie sich. Und dann immer wieder, im Abstand von zwei oder drei Jahren. Ohne Erfolg.

Man muss die Leute wachrütteln! Ellen Brinkmann


Das wird sich nun ändern, ist sie überzeugt: Jetzt stellt das Land Geld zur Verfügung. Laut Ellen Brinkmann sind es 72 000 Euro im Jahr, fürs Gehalt und die Infrastruktur. Nötig sei das längst: Trotz der UN-Konvention zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung sei der Inklusionsprozess steckengeblieben: "Man muss die Leute wachrütteln!" Das aber sei viel Arbeit.

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Nun freut es Ellen Brinkmann besonders, dass der Antrag auf einen hauptamtlichen Behindertenbeauftragten im Kreis gemeinsam von CDU und SPD eingebracht wurde. Unterzeichnet ist er neben ihr vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Reiner Zimmermann, seinem CDU-Kollegen Oliver Rein und dem sozialpolitischen Sprecher der CDU, Michael Bruder. "In meiner mehr als 20-jährigen Kreistagszugehörigkeit hat es noch nie einen Antrag gegeben, der von SPD und CDU gemeinsam eingebracht wurde", so Brinkmann.

Die Fläche ist viel zu groß

Als Melanie Hildmann (35) vor einem Jahr Olaf Kühn als ehrenamtliche Behindertenbeauftragte ablöste, hatte sie klargestellt: Sie konnte Olaf Kühns ehrgeiziges Vorhaben, alle 50 Gemeinden im Kreis zu besuchen, nicht fortsetzen. Dafür sei die Fläche viel zu groß, das sei nicht zu schaffen für jemanden wie sie, die neben ihrer ehrenamtlichen Position berufstätig sei. Hildmann arbeitet als Pädagogin bei der Akademie Himmelreich.

Sie hat deshalb ihre Anlaufstelle als Behindertenbeauftragte in ihrem Wohnort Kirchzarten. Ideal sei das nicht: "Wir können dadurch als Behindertenbeirat nicht in die Fläche wirken." Mit einer hauptamtlichen Stelle könne sich das ändern. Denn nur wer hauptamtlich arbeite, könne in der Region gut vernetzt sein, auf die sehr unterschiedlichen Gemeinden eingehen und mit den kommunalen Inklusionsvermittlern vor Ort, die sich künftig etablieren sollen, zusammenarbeiten.

Das Ziel: Mehr Inklusions-Kompetenz

Weil ihr das nicht möglich war, hat sich Melanie Hildmann auf das Machbare beschränkt: Neben den Alltagsaufgaben wie den Treffen mit den Beiratsmitgliedern und der Gremienarbeit hat sie Aktionen wie Filmabende oder den Empfang des Landesbehindertenbeauftragten geplant und individuelle Anfragen beantwortet. Bisher kam nur ungefähr eine Anfrage im Monat bei ihr an – auch das ist ihrer Einschätzung nach ein Beweis dafür, dass ihre Rolle als Behindertenbeauftragte viel zu wenig bekannt sei. Bevor vor fünf Jahren Olaf Kühn seine Arbeit begann, gab’s im Kreis keine Behindertenbeauftragten.

Statt auf einzelne, konkrete Verbesserungen konzentriert sich Melanie Hildmann im ihr möglichen Rahmen lieber auf "Grundsätzliches": Sie will zu gesellschaftlichen Bewusstseins- und Strukturveränderungen beitragen und das Selbstbewusstsein von Menschen mit Handicaps stärken. "Mehr Inklusionskompetenz" wünscht sie sich – bei allen. Diesem großen Ziel könnte sich eine hauptamtliche Person sehr viel effektiver widmen. Auf jeden Fall sollte es jemand mit Behinderungserfahrung sein, findet sie. Das sieht Ellen Brinkmann ähnlich, sie will die Stelle mit Betroffenen besetzen lassen. Das Büro soll im Landratsamt sein, damit der Weg zu den Ämtern so kurz wie möglich ist: "Alle sind gefragt."

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Autor: Anja Bochtler