Der Breisgau wird zum Storchenland

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Sa, 01. April 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Nach früheren massiven Rückgängen gibt es in der Region immer mehr Brutpaare / 2016 wurden 100 Jungtiere aufgezogen.

BREISGAU. Passend zum Frühlingsbeginn klappert es wieder in den Storchennestern der Region – die meisten Störche sind schon da, die ersten Eier wurden gelegt. Betreut werden die Frühlingsboten von rund 100 Helfern vom Verein Weißstorch Breisgau um Storchenvater Gustav Bickel, die auch in diesem Jahr bereits zahlreiche Nester in Stand gesetzt und gereinigt haben.

Die Geschichte der Rettung der Störche im Südwesten ist seit einigen Jahren eine regelrechte Erfolgsgeschichte. Die Bestände waren vor einiger Zeit dabei noch sehr stark gefährdet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Jahr 1950 in ganz Baden-Württemberg 151 brütende Storchenpaare gezählt, wie eine Statistik der Weißstorch-Freunde belegt. Doch in den Folgejahren ging mit dem Trockenlegen ganzer Landstriche und der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft der Bestand bis 1975 auf 15 Paare zurück. Von 1985 an ging es mit seinerzeit 35 Brutpaaren wieder langsam aufwärts.

Viele Initiativen zur Rettung der Störche hatten sich inzwischen landesweit gegründet, die Vereinsgründung im Breisgau fand 1995 statt. Aktuell gibt es im Land mehr als 900 Brutpaare, 2016 kamen 1244 Junge zur Welt, im wettertechnisch für die Jungstörche deutlich besseren Jahr 2015 waren es sogar 1750.

Im Breisgau wurden im vergangenen Jahr von 97 Brutpaaren 100 Junge aufgezogen, 115 Nester gibt es in 55 Ortschaften, davon sind acht neu, zumeist wurden diese von den Vögeln selbst gebaut. Zehn Storchenpaare blieben ohne Nachwuchs, 34 Paare hatten ihre gesamte Brut verloren. Viele Jungstörche hätten das nasse Frühjahr 2016 nicht überlebt, berichtet Gustav Bickel, besonders kurz nach dem Schlüpfen Anfang Mai sei es nass und kalt gewesen.

Im Jahr 2015 hingegen hatten 85 Brutpaare 152 Junge aufgezogen. 100 wie im vergangenen Jahr seien gerade noch ausreichend, um den regionalen Bestand zu erhalten, sagt Bickel, doch gerade beim Flug in den Süden seien die Verluste groß, daher wären zwei Jungtiere pro Nest wünschenswert. Allgemein flögen die Tiere aber nicht mehr so weit, viele blieben schon in Südfrankreich zum Überwintern, früher zog es viele bis nach Nordafrika oder gar nach Ghana. 20 Tiere blieben derzeit auch im Winter ganz ihrer südbadischen Heimat treu. Und die, die nicht so weit wegflögen, hätten dann oftmals Vorteile, wenn es um die Partnerwahl zur neuen Brutsaison gehe.

Auch wenn sich viele Storchenpaare ein Leben lang treu seien, so Bickel, beobachte er doch, dass sich auch viele neue Paare gefunden hätten, manchmal komme es gar zum Kampf um die Weibchen und besonders um beliebte Nester. So geschehen im vergangenen Jahr in Gottenheim, als die Webcam gleich drei Störche beim Kampf um das beliebte Domizil auf dem Kirchturm aufnehmen konnte.

Die meisten der Jungtiere, nämlich 94, wurden auch im vergangenen Jahr wieder von Helfern des Vereins beringt, oft mit Unterstützung der Feuerwehren. Nicht beringt werden konnten hingegen sechs Jungtiere, weil es zu gefährlich war, ihre Nester zu erreichen, zum Beispiel auf einer Pappel in Neuershausen oder auf dem Brauereikamin in Riegel.

Drohnen werden für Störche zur Gefahr

Es mache immer Freude, wenn man merke, dass ein neues oder saniertes Nest sofort wieder angenommen werde, erzählt der Storchenvater. So geschehen in Holzhausen, wo das Nest wegen Renovierungsarbeiten vom Kirchturm aufs Kirchenschiff versetzt werden musste. Noch beim Runterfahren des Hubsteigers wurde es sofort wieder bezogen. Auch in Hugstetten, wo der Bruterfolg unter den strengen Augen von Betreuer Hans Müller immer sehr gut sei, wurde das Nest renoviert. Das sei immer wieder nötig, erläutert Bickel, weil die Störche oft auf alte Nester aufbauen würden. Und irgendwann würden sie dann zu hoch und instabil und drohten abzustürzen. Bis dahin würde dieser Unterbau aber oftmals ausgehöhlt und von anderen Vogelarten als Nisthöhle genutzt.

Nicht nur beim Flug in den Süden, auch in Südbaden lauern für junge Störche vielfältige Gefahren: Nach Unfällen, Flüge gegen Hauswände, Stromschläge oder Unterkühlung wurden im vergangenen Jahr 13 tote Vögel geborgen, 23 verletzte Tiere wurden in der Auffangstation in Reute versorgt. 22 von ihnen konnten am 14. August wieder in die Freiheit entlassen werden, einer wurde zur Dauerpflege in ein Tiergehege gegeben.

Eine zunehmende Gefahr für die Störche seien die vielen Drohnen in Privathaushalten, berichtet Gustav Bickel. Oft würden die Fluggeräte zur Storchenbeobachtung genutzt, was die Vögel aber in ihrem Brutverhalten und bei der Aufzucht der Jungen erheblich störe und bis zum Tod des Storchennachwuchses führen könne.

Schade findet es Gustav Bickel, der sich sehr über die Renaturierung von Flusslandschaften in der Region freut, dass das Spendenaufkommen doch ein wenig zurückgegangen ist. Natürlich brauche man weniger Geld, da man nicht mehr zufüttern müsse. Doch die Kosten für die Nestpflege, die Anmietung von Hubsteigern oder das Begehbar machen von Kirchtürmen und natürlich die Aufzuchtstation in Reute kosteten noch immer viel Geld.