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15. Januar 2010

Die Regionalwert AG will weiter wachsen

Agrarpolitiker der SPD-Landtagsfraktion informierten sich über die Eichstetter Firma

  1. SPD-Landtagsabgeordnete zu Besuch im Eichstetter Rathaus (von links): Fritz Buschle (MdL); Friedbert Schill (Aufsichtsrat der Regionalwert AG); Christoph Bayer (MdL); Christian Hiß (Vorstand und Gründer der Regionalwert AG); Alfred Winkler (Argrarpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion); Georg Nelius (MdL); Eichstettens Bürgermeister Michael Bruder Foto: Mario Schöneberg

EICHSTETTEN (schö). Bei einem Besuch im Eichstetter Rathaus informierten sich die Agrarpolitiker der SPD-Landtagsfraktion am Dienstag über die Regionalwert AG, eine vielfach ausgezeichnete Initiative mit dem Ziel, die Bürger der Region Freiburg an der regionalen Landwirtschaft zu beteiligen.

Wer soll künftig über die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln entscheiden, wer über die Gestaltung der Landschaft bestimmen, fragte Christian Hiß, Gründer und Geschäftsführer der Regionalwert AG, in die Runde. Eher – wie bisher – ausschließlich am Gewinn orientierte Konzerne und Großlandwirte mit der damit verbundenen Mais-Monokultur, oder die in der Region lebenden Bürger?

Vier Agrarpolitiker der SPD, deren Landtagsfraktion zur Klausurtagung in Emmendingen weilte, waren auf Initiative von Christoph Bayer nach Eichstetten gekommen, um sich über die Idee des Gärtnermeisters Hiß und den aktuellen Stand der Regionalwert AG zu informieren. Der Gemüsebauer hatte seinen eigenen Gartenbaubetrieb 2006 in die von ihm neu gegründete AG eingebracht. Es folgten zwei Kapitalerhöhungen, aktuell halten 360 Aktionäre Namensaktien im Wert von je 500 Euro, insgesamt hat die Regionalwert AG ein Eigenkapital von rund 1,4 Millionen Euro. Doch die AG soll weiter wachsen, im Frühjahr dieses Jahres sollen 1396 weitere Aktien im Gesamtwert von knapp 700 000 Euro ausgegeben werden.

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Ziel der Unternehmungen sei es, lege Hiß dar, sich an landwirtschaftlichen Unternehmen zu beteiligen oder sie zu erwerben, um sie dann an qualifizierte Unternehmer oder Existenzgründer zu verpachten. Dabei soll eine möglichst breite Palette an Unternehmen zusammen kommen, um zum einen das Risiko breit zu streuen, aber auch um die gesamte landwirtschaftliche Wertschöpfungskette abzubilden.

Wichtig für den Firmengründer ist die "zweifache Rendite"
Von den Vorproduktion wie Saatgut und Dünger über die eigentliche Landwirtschaft mit Ackerbau, dem Anbau von Obst, Gemüse, Wein, aber auch Wald und Energiepflanzen bis hin zur Verarbeitung und Vermarktung der Produkte soll einmal das Portfolio der Regionalwert AG reichen, erläuterte der Geschäftsführer. Dahinter stehe die Idee, die Bürger an ihrer regionalen Landwirtschaft zu beteiligen und damit auch Kapital für die ökologische Regionalwirtschaft bereit zu stellen. Außerdem soll so eine Hofnachfolge auch außerhalb der Familie möglich sein. Die Regionalwert AG sei aber nicht selbst landwirtschaftlich tätig.

Wichtig für Hiß ist dabei das, was er "zweifache Rendite" nennt. Neben dem rein finanziellen Ertrag sollen auch volkswirtschaftliche, soziale und ökologische Bewertungen in die Bilanz einfließen. Zum Beispiel die Qualität der produzierten Nahrungsmittel, die Erhaltung der Kulturlandschaft, der Natur- und Umweltschutz, die regionale Wertschöpfung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch für Schwächere, und die Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Nach seinem Vortrag ergab sich eine rege Diskussion mit den Abgeordneten und Friedbert Schill, der als Vertreter des Bauernverbandes im Aufsichtsrat der AG sitzt. Insbesondere Alfred Winkler, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hatte viele kritische Nachfragen. Doch auch er sah in der Idee von Regionalfonds zur Unterstützung der heimischen Landwirtschaft einen Ansatz dafür, wie man letztendlich dem Höfesterben begegnen könne. Gleichzeitig kritisierte Winkler die Landesregierung, die immer nur lapidar von Strukturänderungen in der Landwirtschaft spreche, aber keine Ansätze habe, die Probleme zu lösen.

Autor: schö