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30. September 2011

Eine Idee wird in die Tat umgesetzt

Das Projekt eines deutsch-französischen Dokumentationszentrums kommt voran / Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

  1. Die Initiatoren des deutsch-französischen Dokumentationszentrums vor der Kulisse des Weinstetter Hofs (von links): Theo Trautmann, Frank Baum, Karl-Heinz Guy, Harald Kraus, Fabienne Stich, Werner Dammert, André Onimus und Maurice Zimmerle. Foto: Ingeborg Grziwa

ESCHBACH. Die Realisierung des geplanten rheinüberschreitenden deutsch-französischen Dokumentationszentrums, beginnt. Nach einer Zeit der Visionen und vieler Gespräche mit Politikern auf französischer und deutscher Seite beginnt jetzt die erste Phase der Umsetzung der Pläne. "Es ist ein weiter Weg", sagte Harald Kraus, Bürgermeister von Eschbach und Präsident des grenzüberschreitenden Zweckverbands "Mittelhardt-Oberrhein" im Weinstetter Hof bei Hartheim bei einem Pressegespräch, aber jeder Weg beginne mit dem ersten Schritt.

Dieser erste Schritt bestehe jetzt darin, dass noch in diesen Tagen eine europaweite öffentliche Ausschreibung zur Bildung einer technischen-wissenschaftlichen Expertengruppe erfolgt. Grundlage dafür ist das französische Vergabeverfahren "marchés adaptés". Das bedeutet, dass es sich zwar um einen Ideenwettbewerb handelt, es aber kein Wettbewerb ist, betonte Maurice Zimmerle, ehemaliger Bürgermeister von Neu-Breisach, geistiger Vater des Dokumentations-Vorhabens und ehrenamtlicher Projektleiter, da die eingehenden Vorschläge nicht bezahlt werden. Honoriert werden nur die Wettbewerbsteilnehmer, deren Vorschläge vom Zweckverband zur Realisierung angenommen werden.

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Ziel des Ideenwettbewerbs ist, dass interessierte Firmen, Institutionen und Verbände eine Studie entwickeln, welche die inhaltliche, technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts aufzeigt. Die Studie soll für den Zweckverband die Grundlage sein, darüber zu entscheiden, wo , wann welche Maßnahmen realisiert werden und wie diese finanziert werden können. Frist für die Angebotseinreichung ist der 30. April 2012. "Danach wissen wir dann, wie es weitergehen wird", sagte Kraus. Kosten in Höhe von 400 000 Euro sind dafür veranschlagt, sagte Zweckverbandsmitglied André Onimus. Dafür gebe es einen Zuschuss von 50 Prozent aus dem Interreg IV Programm, weitere Finanzierungsmöglichkeiten würden geprüft.

Zur Prüfung der Preis-Leistungs-Verhältnisse hat der Zweckverband einen Vergabeausschuss eingerichtet. Angebote werden von Planungs-, Ingenieurs- und Architekturbüros sowie von Universitäten, Instituten und Grands Ecoles erwartet.

Projektleiter sind Werner Dammert, früherer Direktor des Zweckverbandes Gewerbepark Breisgau, und Maurice Zimmerle.

Zugang zur gemeinsamen Geschichte Badens und des Elsass

Nach der Vorauswahl durch den Vergabeausschuss entscheiden dann alle Mitglieder der Verbandsversammlung, welcher Vorschlag realisiert wird. Ziel des Projektes ist es, einen Zugang zur gemeinsamen Geschichte und Kultur Badens und des Elsass von den Anfängen der Besiedlung der Rheinebene bis heute zu schaffen, die Alltagsgeschichte der Bevölkerung zu dokumentieren und einen gemeinsamen Ort der pädagogischen Begegnung und des spielerischen Austauschs zu schaffen, sagte Projektleiter Maurice Zimmerle.

Es soll keine klassisches Museum werden, aber man wolle mit den bestehenden Museen zusammenarbeiten. Zielgruppe sind die Einwohner am Oberrhein, Touristen, Universitäten, Schulen und Studenten. Standort wird eine Strecke von sechs Kilometern links und rechts des Rheines sein mit der Rheinbrücke Erich Dilger und Alain Foechterle als verbindendem Mittelpunkt.

Kooperationspartner sind die Firmen EDF und Heinrich Schmid, deren Niederlassung im Weinstetter Hof einer der beiden Ausgangspunkte der Dokumentation (sogenannte "Leuchttürme") werden soll.

Der Weinstetter Hof kann auf eine lange Geschichte zurück blicken, bereits im Jahr 896 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Firmeninhaber Carl-Heiner Schmid wolle die Niederlassung der Öffentlichkeit zugänglich und sie zur Kommunikationsdrehscheibe machen, so sein Geschäftsführer Karl-Heinz Guy.

Beratend und unterstützend fungieren die Naruschutzverbände CSA und BUND. Deren Vertreter Theo Trautmann und Frank Baum betrachten die Planung wohlwollend, aber durchaus kritisch. Oberste Priorität müsse bei aller Begeisterung der Naturschutz und die Einschränkung des Flächenverbrauchs haben, sagen sie. Insbesondere Frank Baum als Vertreter des Bund äußerte Bedenken. Einerseits findet er die Idee mit dem Dokumentationszentrum großartig.

Die Region um die Brücke eigne sich sehr gut, um die teilweise dramatischen Landschaftsveränderungen spannend und interessant darzustellen. Aber die ses Gebiet sei ein Lebensraum mit besonderer Natur und interessanten Arten, die besonderen Schutz verdienten, so Baum.

Es bestehe die Gefahr, dass Flächen für Parkplätze, neue Wege, Campingplätze und Hotellerie verbraucht werden. Das wären Eingriffe in die Natur, verbunden mit unvermeidbaren Störungen. Die Realisierung des Projekts müsse daher nachhaltig, behutsam und vorsichtig erfolgen. Gravierende Eingriffe gelte es zu verhindern, ansonsten werde Widerspruch eingelegt und protestiert.

Umweltschützer warnen vor zu viel Kommerzialisierung

Auch die Kommerzialisierung werde nicht gern gesehen. Als abschreckendes Beispiel nannte Baum den Europa-Park, dessen ständige Vergrößerung wie ein Krebsgeschwür problematisch für die Landschaft sei. Dies dürfe nicht das Vorbild für das Dokumentationszentrum sein, so Baum, auch nicht im Kleinen. Grundsätzlich betrachte er das Projekt positiv und unterstützend, appelliere aber gleichzeitig an die Verantwortlichen, schonend mit der noch einzigartigen Natur umzugehen.

Ausschreibungsunterlagen können beim Zweckverband Mittelhardt- Oberrhein schriftlich oder per Internet (m.zimmerle@cc-essoirdurhin.fr) angefordert werden.

Telefonische Auskünfte unter 00497633-4009-71.

Autor: Ingeborg Grziwa