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21. Juni 2012

Eine Lobby (nicht nur) für Kinder

Die Nummer gegen Kummer ist das bekannteste Angebot des Kinderschutzbundes, doch längst unterstützt er auch Eltern.

  1. Damit die Sonne wieder lacht, unterstützen die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes Mädchen und Jungen mit Sorgen und Problemen. Foto: Fotos: BZ/Verena Pichler

  2. Kinderschutzbund Foto: Verena Pichler

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Eigentlich sollte die Kindheit die unbeschwerteste Zeit im Leben eines Menschen sein. Dass die Realität oft anders aussieht, wissen Franziska Gestle, Petra Müller-Stolz und Valeska Wilczek. Sie arbeiten für den Kinderschutzbund, der seit einigen Wochen in neuen Räumen sein umfassendes Hilfsprogramm für Kinder und Jugendliche aus Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald anbietet. Neuerdings gibt es auch eine Online-Beratung für Erwachsene.

Ein Kinderzimmer wie aus dem Bilderbuch: Grasgrüne Teppiche liegen auf dem Boden, Puzzle, Puppen und ein Tischkicker laden zum Spielen ein. Die Atmosphäre weckt Vertrauen und davon brauchen die Menschen, die zum Kinderschutzbund kommen, viel. Egal, ob klein oder groß. "Wir sind sehr froh, dass der Umzug so reibungslos geklappt hat", erklärt Valeska Wilczek. Viele Ehrenamtliche hatten bis zuletzt Hand angelegt, eine Umzugsfirma aus Freiburg sponserte Kartons und Fahrzeuge. Während vor den Kulissen noch fleißig gewerkelt wurde, konnten die Mitarbeiter dahinter schon Termine wahrnehmen.

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Termine, auf die manch ein Betroffener wochenlang wartet. Denn ein wichtiger Bestandteil des Kinderschutzbundes ist der begleitete Umgang. In geschützten Räumen haben Kinder und Jugendliche hier die Möglichkeit, den Elternteil zu treffen, bei dem sie nicht leben. "Meistens sind es die Väter", erklärt Franziska Gestle. Zurückliegende Verletzungen und Misstrauen machen es für die Mütter oft schwer, die Kinder mit dem Ex-Partner alleine zu lassen. Daher muss der begleitete Umgang akribisch geplant werden. "Vom Vesperbrot bis hin zu den möglichen Freizeitaktivitäten besprechen wir das Treffen", so Gestle.

Die Umgangsbegleiter sind geschulte Ehrenamtliche, die sich im Hintergrund halten, während die Kinder mit ihren Vätern spielen, kochen oder spazieren gehen. Daraus hat sich Laufe der Zeit ein weiteres Projekt ergeben: Im Rahmen eines 14-tägig stattfindenden Gruppenangebotes soll die Bindung zwischen den Kindern und ihren Vätern verbessert werden. Für die Väter besteht die Möglichkeit, Erfahrungen mit der Gruppenleitung und den anderen Teilnehmern auszutauschen und zu reflektieren.

Valeska Wilczek, die für die Koordinierung der einzelnen Bereiche zuständig ist, erlebt es häufig, dass Projekte sich aus einem ganz bestimmten Bedürfnis heraus entwickeln. Beispielsweise das Elterntelefon und die E-Mail-Beratung. "Die Nummer gegen Kummer, die sich an Kinder und Jugendliche richtet, ist ein Klassiker", so Wilczek. Seit mehr als 30 Jahren können Kids ihre großen und kleinen Probleme anonym und vertraulich mit Beratern besprechen. Seit zehn Jahren gibt es dieses Angebot auch für Eltern, erläutert Petra Müller-Stolz. Außerdem gibt es seit einiger Zeit auch eine E-Mail-Beratung.

Der Kinderschutzbund engagiert sich auch an Schulen

Beratung und Begleitung in schwierigen Lebensphasen – aber auch handfeste Unterstützung will der Kinderschutzbund leisten. Und zwar in einem Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche viel Zeit verbringen: der Schule. Für viele der Kinder beginnt der Start in den Tag nicht mit einem gesunden Frühstück, sondern mit einem großen Loch im Bauch. In der Vigelius-Grundschule in Haslach gibt es deshalb dreimal wöchentlich ein gesundes Frühstück: ein Projekt, das der Kinderschutzbund gemeinsam mit der Freiburger Tafel betreut. Auch im Unterricht gibt es leise Helfer im Hintergrund, die gezielt mit Kindern lernen, die dem Unterricht nicht folgen können. Zwar sind es größtenteils kleine Kinder, die vom Kinderschutzbund betreut werden, jedoch gibt es auch spezielle Angebote für Jugendliche. Eines davon ist gerade im Aufbau. An der Vigelius-Werkrealschule soll ein Netzwerk zwischen Schule und Betrieben entstehen, in denen die Schüler Praktika absolvieren können, um einen leichteren Einstieg in den Beruf zu finden. Wie viele andere Projekte auch, ist "Von der Schule in den Beruf" aus einem anderen entstanden.

Wilzcek, Gestle, Müller-Stolz und die vielen ehrenamtlichen Helfer haben noch reichlich Ideen für Projekte, die den Kummer von Kindern lindern können.

Der Kinderschutzbund

finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Bußgelder und (Landes-)Zuschüsse. Zu finden ist der Freiburger Kinderschutzbund, zu dem vier festangestellte und etliche ehrenamtliche Mitarbeiter gehören, nun in der Kartäuserstraße 49a in Freiburg. Die Sprechzeiten sind Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 12 Uhr, Tel. 0761/71311. E-Mail:

info@kinderschutzbund-freiburg.de. Das Kinder- und Jugendtelefon ist kostenfrei von Montag bis Samstag unter Tel. 0800/1110333 erreichbar, das

Elterntelefon Montag bis Freitag von 9 bis 11 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr unter der NummerTel. 0800/1110550.  

Autor: vep

Autor: Verena Pichler