Frankreich zum Anfassen

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 05. März 2013

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Seit fünf Jahren gibt es das Servicezentrum Französisch, das Kindern und Jugendlichen das Nachbarland näher bringen soll.

NEUENBURG AM RHEIN. "Das Servicezentrum Französisch hat sich als professionelle Einrichtung mit verlässlichem Niveau etabliert", stellt Doris Jacobs vom beim Landratsamt angesiedelten Bildungsbüro Breisgau-Hochschwarzwald erfreut fest. Seit nun fünf Jahren gibt es das Servicezentrum im Bildungshaus Bonifacius Amerbach in Neuenburg.

Entstanden ist es aus dem Wunsch heraus, als nicht-öffentliche Einrichtung speziell der Zielgruppe von Lehrern und Erziehern, die Französisch an Kindergärten, Grundschulen, Förderschulen, Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien unterrichten, anschauliches und aktuelles Material für einen kreativen Umgang und Unterricht mit der französischen Sprache anbieten zu können. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Französisch an der Rheinschiene in der Grundschule die erste Fremdsprache ist und es bilinguale Kindergärten sowie auch Schulen entlang des Rheins gibt. "Insgesamt gesehen ist es für Lehrer, die Englisch unterrichten, wesentlich einfacher, auf aktuelles Unterrichtsmaterial zurückzugreifen, wir wollten deshalb für Französisch ebenso gute Möglichkeiten schaffen – und das ist gelungen", ist Manfred Voßler, der leitende Schulamtsdirektor im staatlichen Schulamt Freiburg, überzeugt. Er zeigt sich überdies erleichtert darüber, dass die Landesregierung erkannt hat, wie wichtig Französisch als Unterrichtssprache am Oberrhein ist.

Dass das Servicezentrum in Neuenburg und damit am südlichen Rand des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald und nicht zentral gelegen in Freiburg eingerichtet wurde, sorgte vor einigen Jahren durchaus für Diskussionen. "Die Stadt Neuenburg aber hatte beste Voraussetzungen für die Einrichtung – wir bekamen die Räume angeboten und die Unterstützung der Verantwortlichen in der Verwaltung, die überdies mit den Nachbargemeinen in Frankreich einen regen Austausch pflegt und sowohl die Sprache als auch das Fach Französisch in Kindergarten und Schulen schon bestens etabliert hatte", berichtet Ute Rößer, Leiterin der Stohren-Schule in Münstertal. Im Obergeschoss des Bildungshauses können Lehrer und Erzieher mittlerweile aus einem reichen Fundus an Materialien auswählen. Eine große Bibliothek mit französischen Fachbüchern steht zur Verfügung. Durchsichtige Plastikboxen geben einen Eindruck auf interessante Zusatzmaterialien aus Bereichen des täglichen Lebens, quasi "ein Frankreich zum Anfassen": Da gibt es zum Beispiel Boxen mit Anschaulichem zum französischen Weihnachtsfest, zur Hauptstadt Paris, zum Nationalfeiertag, dem 14. Juli. Ergänzt wird all das durch Bilder- und Sachbücher, Spiele, französische Zeitschriften, bunte Plakate und Medienboxen zu Themen wie dem Telefonieren ("Au télephone"), Reisegepäck ("La valise") oder auch dem Schulanfang nach den Ferien ("La rentrée").

Sowohl Voßler als auch Jacobs, Rößer und weitere Fachberater im Servicezentrum – "eine Hierarchie haben wir nicht", heißt es – sind ständig an neuen Vorschlägen interessiert, wie man das Angebot ausbauen und verbessern kann. Ein Stichwort zum Beispiel sind französische Comics. "Comics sind echte literarische Kultur beim Nachbarn – da wollen wir mehr machen", meint Jacobs. Und französische Kinder- oder Jugendfernsehserien? "Stimmt, das wäre auch noch eine Idee", erklärt Voßler. Rege genutzt werden von den Lehrern die Möglichkeiten der Online-Recherche- und Online-Bestellung für registrierte Nutzer. Ein Kurierdienst liefert bestellte Materialien dann in Kindergärten und Schulen – und das kreisweit. Ein Newsletter informiert alle sechs Wochen über Aktuelles. Werkstatttreffen sind gefragt: Dort treffen sich maximal acht Lehrer, um selbst zu bestimmten Themen kreatives Unterrichtsmaterial herzustellen. "Ganz wichtig ist der Erfahrungsaustausch in den deutsch-französischen Gruppen, die französischen Kollegen und wir lernen voneinander, es gibt schon viele Freundschaften", erzählt Rößer mit Hinweis auch auf die Veranstaltungen mit französischen Kooperationspartnern im Servicezentrum.