Gerüchteküche

Hat ein Wolf ein junges Pony im Dreisamtal gerissen?

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Fr, 01. Dezember 2017 um 09:07 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Ein totes Pony im Dreisamtal hat wilde Spekulationen entfacht. Doch ein Experte der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg winkt ab: Hinweise auf einen Wolf gebe es nicht.

Die Gerüchteküche brodelt: Hat ein Wolf ein junges Pony im Dreisamtal gerissen? Geschichten dieser Art kursierten, nachdem das tote Tier (das gab es wirklich) von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) begutachtet wurden. Aber: "Es gibt keinerlei Hinweise auf einen Wolf", sagt Micha Herdtfelder von der FVA, dort zuständig für Wildtier-Monitoring. Er bestätigt, dass das tote Tier an das Untersuchungsamt für Lebensmittelgesundheit und Tiergesundheit übergeben wurde (CVUA). Dort wurde die Todesursache pathologisch untersucht. Der Befund war eindeutig – es geht kein Raubtier um im Dreisamtal. Das Pony ist laut CVUA auch nicht von einem Hund gerissen worden. Die Todesursache wird aus Schutz des Persönlichkeitsrechts des Tierbesitzers nicht bekanntgegeben.

Wie kam das Gerücht zustande?

Doch wie kommen trotz des klaren Ergebnisses die Gerüchte in die Welt und kursieren auch noch fast zwei Wochen nach dem Vorfall? "Der Flüsterpost-Effekt ist beim Thema Wolf sehr hoch", sagt Herdtfelder. Das geschehe oft und meist ohne böse Absicht. Aber vermeintliche Nachrichten rund um das Wildtier würden sich oft wie ein Lauffeuer verbreiten. Manchmal, weil Menschen vor Ort die Einschätzung der FVA nicht teilen würden.



Manchmal, weil über Soziale Medien Nachrichten schnell über viele Ecken geteilt würden. Im Fall des toten Ponys aus dem Dreisamtal wurde sogar gemunkelt, dass der Vorfall unter Verschluss gehalten werden sollte. Herdtfelder widerspricht. "Wir arbeiten schnell und mit großer Transparenz."

Transparenz beim Thema Wolf

Jede verifizierbare Spur eines Wolfs, sei es Kot, Fährten oder Risse, würde öffentlich gemacht. Die FVA sei zudem dankbar über jeden Hinweis auf mögliche Wolfssichtungen. "Wir nehmen jede Meldung ernst." Die FVA ist vom Land beauftragt, das Wolfs-Monitoring zu übernehmen. Jeder, der Beobachtungen macht, die auf einen Wolf hinweisen, kann sich bei der FVA melden. Lassen die Hinweise tatsächlich auf eine Wolfssichtung schließen, nehmen sich die Experten der FVA der Sache an. Die Kosten für die Untersuchungen werden vom Land getragen.



Die mögliche Rückkehr des Wolfes ist ein emotionales und polarisierendes Thema. Anfang Juli wurde im Hochschwarzwald ein Wolf gesichtet. Kurz darauf wurde er erschossen im Schluchsee gefunden.
Ungeachtet der Ausbreitung des Wolfes in Deutschland und Europa will die EU-Kommission den besonderen Schutzstatus des Raubtiers nicht ändern. Das sagte EU-Agrarkommissar Phil Hogan der Neuen Osnabrücker Zeitung. Mehr dazu

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