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16. Januar 2010
Helfen in den Trümmern von Haiti
Der Breitnauer Arzt Thomas Moch behandelt in den kommenden Wochen Erdbebenopfer auf der zerstörten Karibikinsel
BREITNAU. Wenn sich irgendwo auf der Welt eine Katastrophe ereignet, dann ist er meist dabei, wenn es anschließend um die Linderung der Not geht. Und so ist es nur folgerichtig, dass er auch jetzt die Koffer gepackt hat, um den Menschen im weitgehend zerstörten Haiti zu helfen: Thomas Moch, 57 Jahre alter Arzt aus Breitnau, ist gerade unterwegs zum Hilfseinsatz auf der Karibikinsel. Als Angehöriger eines zehnköpfigen Teams des Roten Kreuzes wird er in den kommenden vier Wochen Verletzte auf Haiti versorgen.
Sei es der Tschad oder Osttimor, sei es Jordanien oder Rumänien, sei es Mosambik oder China – Thomas Moch hat in den vergangenen zehn Jahren viel Leid in vielen Staaten der Erde gesehen. Fast jedes Jahr geht es zu einem Katastopheneinsatz. Wenn er dazwischen zu Hause ist, dann arbeitet der gelernte Anästhesist in der Notaufnahme der Helios-Klinik in Titisee-Neustadt, wo er eine 50-Prozent-Stelle innehat.Als jetzt das das Erdbeben die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince und viele andere Siedlungen weitgehend zerstörte, hat ihn das Rote Kreuz wieder gefragt, ob er sein Können und seine Erfahrung wieder in den Dienst der vielen Verletzten stellen wolle – sofort habe er zugesagt. Also ist er jetzt wieder unterwegs im Dienst der Hilfsorganisation IFRC (Internationale Föderation der Rotkreuz- und Halbmondgsellschaft).
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Gestern trafen sich die Helfer in Berlin, wo sich das DRK-Lager für Katastropheneinsätze befindet. Gestern Nachmittag wurde eine Frachtmaschine mit der benötigten Ausrüstung beladen, für Samstagfrüh sechs Uhr war der Start vom Flughafen Schönefeld vorgesehen.
Moch gehört zu einem Team, dem neben zwei Ärzten vier Krankenschwestern, zwei Laborantinnen, ein Techniker für den Aufbau der Anlage sowie eine Hebamme gehören. Diese Helfer werden in den kommenden Wochen in einem norwegischen Feldkrankenhaus, einer "Basis-Gesundheitsstation" arbeiten, die aus acht Zelten zu je 30 Quadratmetern besteht und "eine Art Poliklinik unterhalb einer stationären Klinik" darstellt, mit Chirurgie, Kreißsaal, einigen Behandlungsbetten und anderen Abteilungen.
"Wir können täglich etwa 200 bis 300 Menschen behandeln", sagte Moch gestern in einem Telefongespräch mit der BZ. Das Team könne etwa 30000 Menschen vorsorgen. Wo sei Einsatzort sein wird, wusste Thomas Moch gestern noch nicht. Weil die Infrastruktur in Haiti weitgehend zerstört ist und den verletzten Menschen bislang fast gar nicht geholfen werden kann, werde sich der Einsatz in der Karibik von den Einsätzen bei anderen Katastrophen unterscheiden. Normalerweise seien nach fünf bis sechs Tagen alle Schwerverletzten versorgt, dann gehe es "nur" noch um Seuchenverhinderung und Weiterbehandlung der ohnehin kranken Menschen. Auf Haiti werde der Schwerpunkt für längere Zeit bei der Behandlung von Knochenbrüchen und Wunden liegen.
Thomas Moch stellt klar, dass er und seine Mitstreiter nicht "wie die Djangos" in Haiti das Kommando übernehmen wollen, sondern ihre Aufgabe darin sehen, den einheimischen Ärzten zuzuarbeiten, die Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen. Ihre Gesundheitsstation werde viele Monate auf Haiti bleiben, das ist für Moch bereits klar: "Die Sache bleibt vor Ort". Die medizinischen Helfer werden allerdings häufiger ausgetauscht. Ein Team bleibe nicht länger als vier Wochen im Einsatz, sagt der Arzt, "wegen der Belastung".
Autor: Franz Dannecker


