Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

05. Juli 2011

Modernes Bauen im Schwarzwald

Architektenkammer präsentierte am Tag der Architektur vorbildliche Neubauten und Sanierungen in Hinterzarten und Breitnau.

  1. Traditionelle Bauform, traditionelles Baumaterial, energetisch auf dem neuesten Stand: der Kesslerhof in Hinterzarten Foto: Dieter Maurer

  2. Auch das Internatsgebäude „Neubirkle“ interessierte die Teilnehmer der Architekturfahrt in den Schwarzwald. Foto: privat

HINTERZARTEN/BREITNAU (ma/BZ) Am Samstag nutzten rund 60 Architekturinteressierte die Gelegenheit, beim "Tag der Architektur" Sanierungen und Neubauten in Hinterzarten und Breitnau kennenzulernen. Neben Kesslerhof, Bläsihof und der Glasbläserei im Hofgut Sternen war auch das Schul- und Internatsgebäude "Neubirkle" der Schule Birklehof in Hinterzarten/Breitnau Teil der von der Kammergruppe Breisgau-Hochschwarzwald der Architektenkammer Baden-Württemberg veranstalteten halbtägigen Fahrt durch den Hochschwarzwald.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung stellten Birklehof-Geschäftsführer Jens-Arne Buttkereit als Bauherrn und Lorenz Wehrle, der als Architekt für das Projekt verantwortlich zeichnete, vielerlei Fragen. Beim "Neubirkle" handelt es sich um einen im Jahr 2009 fertiggestellten Neubau im Baufenster eines zuvor abgerissenen Hauses, allerdings mit deutlich gewachsenem Baukörper und etwa 50 Prozent mehr Nutzfläche als im Vorgängerbau. Die unterschiedlichen Nutzungen sind stark miteinander verzahnt: 3 Schulräume, Foyer, 9 Internatszimmer mit Aufenthaltsraum, 3 Wohnungen für die Familien der sogenannten Hauserwachsenen sowie Funktionsräume.

Werbung


Der Massivbau wurde als weiterer Schwerpunkt ins Gebäudeensemble des Birklehofs eingepasst mit glatter, heller Putzfassade und Sockel aus heimischem Kalkstein. Ein besonderer Blickfang ist das großzügige, lichte Treppenhaus als Verbindung zwischen dem "Neubirkle" und dem benachbarten Gebäude mit naturwissenschaftlichen Räumen. Im Innern des Neubaus sorgen Putz, Kalkstein als Bodenbelag, Türen und Möbel mit lebendiger, warmgetönter Oberfläche aus robuster, rotkerniger Buche für eine hochwertige Anmutung: Das Design spricht jugendliche Internatsbewohner ebenso an wie Erwachsene.

Die Geschichte des Kesslerhofs, ein weiteres Besichtigungsobjekt der Architekturfahrt, reicht bis in das Jahr 1446 zurück. 1650 hatte beim Scheibenschlagen eine besonders weit fliegende Scheibe den Ursprungshof in Brand gesetzt. Am 1. April 1655 wurde der Neubau aufgerichtet, der am 31. August 2009 nieder brannte. Die Brandursache ist bis heute nicht bekannt. Der Hof war über Jahrzehnte hinweg ein begehrtes Postkartenmotiv. Er ist einer der letzten voll bewirtschafteten Höfe in unmittelbarer Nähe zum Ort.

Der Kesslerhof wurde wieder aufgebaut als Eindachhof, das heißt, Ökonomie und Wohnteil sind unter einem Dach. Der neue Hof besteht komplett aus Holz, verwendet wurde vorwiegend Fichte aber auch Tanne. Bauer Wolfram Tritschler holte das Holz aus dem hofeigenen Wald: Geschlagen wurde es im Winter bei Mond. Etwa 450 Festmeter wurden verbaut. Wieder aufgebaut wurde der Kesslerhof in traditioneller Bauweise der alten Schwarzwaldhöfe in sogenannter alemannischer Ständer-Bohlen-Konstruktion. Die entspricht den Richtlinien eines Energie-Effizienhauses nach den KfW-Richtlinien. Das heißt: Modernes Bauen, energetisch auf dem neuesten Stand, und historische Bauformen sind vereinbar.

Auskunft über den Kesslerhof gaben neben Bauherr Tritschler Architekt Hermann Ganter, Bauleiter Stefan Zähringer und Zimmerermeister Oswald Ganter.

Autor: ma