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29. Mai 2010

Neues Netzwerk der Suchthelfer

Alle Suchthilfeanbieter im Landkreis schließen sich zusammen, um schneller reagieren zu können.

  1. Kümmern sich um die Suchtkranken im Landkreis: Katharina Braun und Horst-Dieter Bolanz Foto: Sigrid Umiger

LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Verluste in der Vergangenheit, Existenzängste in der Gegenwart und die Suche nach zukünftigem Glück – können Auslöser für Suchtprobleme sein. Seit drei Jahrzehnten kümmert sich der AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg um drogenabhängige Menschen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit seinen rund 250 000 Einwohnern.

Der Sitz der Drogenberatung ist in Müllheim, Außenstellen gibt es in Breisach, für illegale Drogen zusätzlich auch in Titisee-Neustadt und in Freiburg für das städtische Umland. Das Beratungszentrum gliedert sich in zwei Bereiche: Leiter der Suchtberatung für Alkohol- und Medikamentenabhängige und Spielsüchtige ist Horst-Dieter Bolanz.

Die "Kobra" (Kontakt- und Beratungtsstelle für Drogenprobleme) kümmert sich unter der Leitung von Katharina Braun um Abhängige von illegalen Drogen wie Heroin, Kokain, Cannabis, ist aber in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Freiburg auch für Insassen mit Alkoholproblemen zuständig.

Bei Abhängigen, die abstinent werden wollen, steht am Anfang der körperliche Entzug, stationär in einem Fachkrankenhaus, zum Beispiel im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen. Direkt danach erfolgt eine stationäre Reha-Entwöhnungsbehandlung, die bei Alkoholkranken drei bis vier, bei Drogenabhängigen sechs bis neun Monate dauern kann. Danach bieten die Beratungsstellen eine Gesprächstherapie als ambulante Nachsorge an. Bei Kobra haben im vergangenen Jahr 51 Klienten die stationäre Therapie genutzt, bei der Suchtberatung 42 – darunter 32 Männer.

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Das Hauptklientel bei Kobra wird ständig älter; sie ist im Schnitt 30 bis 40 Jahre alt und zu 60 Prozent von Opiaten (Heroin, Morphium) abhängig. Wer es nicht schafft, clean zu werden, aber aus der illegalen Beschaffungsszene rauskommen will, wird zum Beispiel in der Schwerpunktpraxis Dr. Gellert in Freiburg mit Heroinersatzstoffen wie Methadon oder Subutex substituiert. Kobra bietet in der Schwerpunktpraxis begleitende psychosoziale Hilfe an. In der Praxis gehen Kobra-Mitarbeiter auch gezielt auf Abhängige zu, um Kontakte zu knüpfen und Hilfe anzubieten.

Hauptproblem ist nach wie vor der Alkohol

Ein Drittel der Betroffenen hat eine Arbeitsstelle. Betreut werden zur Zeit 91 Substituierte im Landkreis. Insgesamt gab es 2009 bei Kobra 3395 Einzel- und 448 Gruppenkontakte. Inbegriffen sind dabei 339 Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Freiburg, wie Katharina Braun informiert.

In der Suchtberatung wurden 2009 405 Männer und 238 Frauen betreut. Bei 2337 Kontakten gab es 1856 Einzel- und 481 Gruppengespräche. Hauptproblem ist der Alkohol. Zwei der Klienten waren medikamenten-, elf nikotin- und zehn spielsüchtig. Fast die Hälfte aller Abhängigen – 44 Prozent – sind berufstätig, sagt Horst-Dieter Bolanz. Die Suchtberatung hat gemeinsam mit dem Landkreis Projekte ausgebaut und neue initiiert. So zum Beispiel "HaLT" – "Hart am Limit", ein Präventionsprojekt für Kinder und Jugendliche mit riskantem Alkoholkonsum in Kooperation mit den Helios-Kliniken Müllheim, Breisach und Neustadt. Werden Jugendliche mit Alkoholvergiftung in die Klinik eingewiesen, bietet Helios spontan erste sogenannte Brückengespräche mit den Eltern an.

In der Suchtberatung gibt es neue Programme für pathologische Glücksspieler und Internetnutzer und altbewährte Seminare, wie zum Beispiel für Raucherentwöhnung und als Hilfe nach dem Führerscheinentzug.

Vor eineinhalb Jahren wurde das "Kommunale Suchthilfenetzwerk Breisgau-Hochschwarzwald" (KSHN) gegründet. Integriert in dieses Netzwerk sind alle Suchthilfe-Anbieter im Landkreis, wie die Helios-Kliniken, die Reha-Klinik Birkenbuck in Marzell, das Therapiezentrum Brückle in Buggingen sowie der AGJ-Fachverband, weitere Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und als Vertreterin des Landkreises die Suchtbeauftragte Gabriele Ruck.

Es geht um den direkten Austausch aller Einrichtungen, die schnellere Kontaktaufnahme über niedergelassene Ärzte und somit um kürzere Wege bei der Vermittlung von Klienten. Die intensive Vorbereitung sei abgeschlossen, so dass die Umsetzung jetzt beginnen könne, erklärt Katharina Braun.

Suchtberatung: Telefon 07631/5015 http://www.suchtberatung-muellheim.de suchtberatung-muellheim@agj-freiburg.de Kobra: Telefon 07631/5017, offene Sprechstunden in Müllheim: montags 14 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags, 10 bis 12 Uhr; http://www.drogenberatung-kobra.de kobra@agj-freiburg.de

Autor: Sigrid Umiger