Plastiktüte: ein Auslaufmodell?

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Fr, 17. März 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Müllvermeidung ist für Lebensmittelhändler in der Region ein Thema, aber nicht einfach / Märkte und Kunden testen verschiedene Ansätze /.

Es beginnt in der Obst- und Gemüseabteilung, geht an der Wursttheke weiter und endet in der Getränkeabteilung. Wer in den Supermarkt geht, trifft unweigerlich auf Verpackungen. Häufig sind sie aus Plastik, häufig werden sie nach einmaligem Gebrauch weggeschmissen. Vorherigen Sommer sorgte Rewe für Aufsehen. Die Supermarktkette verzichtete komplett auf Plastiktüten an der Kasse. Verstärkt sollte auf Papier- und Mehrwegtüten gesetzt werden. Supermärkte in der Region befassen sich ebenfalls mit dem Thema Müllvermeidung.

In den Edeka-Barwig-Märkten, unter anderem in Gundelfingen, Kirchzarten und Buchheim, ist das Thema Vermeidung von Verpackungsmüll ebenfalls angekommen. Man setze verstärkt auf stabile Kartons und stabile Mehrwegtüten, erklärt Nadine Barwig von der Geschäftsleitung. In einem Markt teste man zudem die Verwendung von Papiertüten in der Obstabteilung. Mehr plane man aktuell nicht. Dieter Schneider, der zwei Rewe-Märkte in Denzlingen und einen in Schallstadt betreibt, setzt auf Mehrwegtaschen. Es gebe festere Stofftaschen und stabile Einkaufskartons. "Wenn jemand mit der Tupperschüssel kommt und will es da rein haben, bekommt er es auch", sagt Schneider über die Praxis an der Frischetheke. Aus seiner Sicht sei der potenzielle Kundenkreis allerdings so gering, dass er dafür nicht Werbung mache.

Eine einmalige Verwendung von Verpackungen sei grundsätzlich schlecht, erklärte jüngst Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe der BZ: "Die ständige Neuproduktion von Einwegverpackungen verbraucht unnötig viele Ressourcen, belastet das Klima und erzeugt Abfall." Fast 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll produzierte Deutschland 2014. Durchschnittlich 220 Kilogramm warf jeder Einwohner damit in den Müll.

Dieter Hieber hat sich 2016 in seinen Supermärkten an der Frischetheke für Wurst und Käse eine Verpackungsalternative überlegt. In Bad Krozingen, zum Beispiel, können Kunden mit einem mitgebrachten Behälter einkaufen. So solle der Müll reduziert werden. Die mitgebrachten Boxen stellen Kunden auf ein Tablett. Dieses wird anschließend auf der Theke platziert. Nach dem Abwiegen legen die Verkäufer die Ware in die Box, ohne diese zu berühren.

Wenn Kunden Gefäße mitbringen, seien es häufig welche aus Plastik oder Kunststoff. Theoretisch könnten sie auch aus Glas oder Edelstahl sein. Glasbehälter hält Hieber aber für problematisch. Die Möglichkeit bestehe, dass sie von der Theke fallen und so Splitter auf die Waren gelangen.

Landratsamt kontrolliert,

erlässt aber keine Regeln

Je nach Markt seien es zehn bis 15 Kunden, die täglich mit einem selbstmitgebrachten Behälter vor der Theke stehen. "Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr Kunden nutzen", räumt Hieber ein. Zugleich plane er weitere Maßnahmen. Auch Backwaren solle man in seinen Märkten bald mit einem Jutebeutel einkaufen können. In der Obst- und Gemüseabteilung arbeite er daran, dass Kunden Mehrwegnetze verwenden können. Aktuell haben sie die Wahl zwischen der Papier- und der Plastiktüte.

Das Thema Verpackungen ist mit dem Thema Hygiene verknüpft. Dieter Hieber gibt an, dass er sein Vorgehen mit dem Landratsamt abgestimmt habe, das sei ihm wichtig. Aktuell mache er das genauso bei den Backwaren. Theoretisch müsste er das nicht. Das Landratsamt sei keine regelsetzende Behörde, sondern eine Kontrollbehörde: "Wir erlassen keine Verordnungen", erklärt Matthias Fetterer, der Pressereferent des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald. Ein Vorabverbot kann das Landratsamt damit nicht verhängen. "Die Lebensmittelhändler sind weitestgehend selbstverantwortlich", betont Fetterer. Das Amt ist für die Überwachung der Hygienevorschriften bei Lebensmitteln verantwortlich. Dabei setze es das gültige EU-Recht um, indem es regelmäßig Stichproben in Supermärkten und bei Metzgern nehme. "Problematisch wird es, wenn Leute von uns Unregelmäßigkeiten finden", erläutert Fetterer. Bei kleineren Vergehen gebe es dann den Hinweis, diesen zu beheben, lässt das Landratsamt verlauten. Bei schwereren könne auch ein Bußgeld verhängt werden. Im Extremfall sei auch eine Schließung möglich.

Im EU-Recht ist nicht geregelt, ob Kunden eigene Verpackungen mitbringen dürfen. Verpackungsmaterial dürfe keine Kontaminationsquelle für Lebensmittel darstellen, heißt es dort. Berthold Disch, Obermeister der Fleischereiinnung Freiburg, erläutert, dass man schon immer eigene Behältnisse als Kunde mitbringen durfte. Das gehe auch in seiner eigenen Metzgerei in Lehen. Hier kämen aber nur äußerst selten Kunden mit einem Behälter. "Grundsätzlich gilt, dass die mitgebrachten Behältnisse nicht über die Theke gereicht werden dürfen", verdeutlicht Disch. Er sehe Plastiktüten nicht so problematisch. Für die Alternative – Papiertüten – müssten schließlich Bäume gefällt werden.

Hieber, der beim Thema Müllvermeidung offensiv vorangeht, möchte weitestgehend von Einwegverpackungen, seien sie aus Papier oder Plastik, wegkommen. Mehrweg statt Einweg ist eines seiner vorrangigen Ziele. "Es gibt keine gute Einweglösung", sagt er.