Reicht der Platz in den neuen Zügen?

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Sa, 15. Dezember 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Beim Infoabend zur Breisacher Bahn bringen einige Bürger ihre Zweifel vor / Kein Durchgang am Bahnhof Gottenheim.

GOTTENHEIM. Rund ein Jahr wird der auf über 100 Millionen Euro veranschlagte Ausbau der Breisacher Bahn dauern, der ab 1. Februar auch zu einer zehnmonatigen Streckensperrung führt. Beim Infoabend der Deutschen Bahn in Gottenheim ging es neben der Organisation des Ersatzverkehrs mit Bussen (wir berichteten) auch um die Zeit danach, wenn ab Dezember 2019 elektrisch betriebenen Züge rollen.

"ÖPNV muss nicht heißen übervolle Züge, Verspätungen und keine Auskunft an den Bahnhöfen – ich hoffe, das wird ein Ende haben", hatte Gottenheims Bürgermeister Christian Riesterer zu Beginn des Infoabends gesagt. Davon, dass die neue Breisgau-S-Bahn (BSB) eine echte Verbesserung bringt, zeigten sich die Bahnvertreter überzeugt. Die neuen Züge seien schneller, die Bahnsteige – von denen einige erhöht und verlängert werden – ermöglichten einen barrierefreien Einstieg. Und dann entfällt für viele Fahrgäste das Umsteigen, in Gottenheim, aber auch in Freiburg. Denn die aus Breisach und Endingen kommenden Züge werden in Gottenheim zur Weiterfahrt nach Freiburg gekoppelt. Und dort fahren die Züge weiter ins Höllental, ein Teil sogar bis Donaueschingen. In Gegenrichtung wird der aus Freiburg kommende Zug in Gottenheim geteilt: ein Teil fährt auf der Strecke der Kaiserstuhlbahn Ost weiter nach Endingen, der größere Teil nach Breisach.

Bisher fährt die BSB mit Triebwägen, mit einem Führerstand an jeweils beiden Enden. Bis zu sechs solcher Wägen mit Dieselantrieb werden gekoppelt. Jeder hat eine Kapazität von – je nach Bauart – 71 Sitz- und 77 Stehplätzen, oder 76 Sitz- und 88 Stehplätzen. Diese Stehplatzzahl entspreche freilich, wie es eine Bürgerin anmerkte, der drangvollen Enge einer Sardinenbüchse. Da aber die Nachfrage auf der Strecke auch mit der Elektrifizierung weiter steigen soll, wurden Zweifel an der Kapazität der neuen Züge laut.

Ein Bahnvertreter erklärte, dass die neuen Züge des Typs "Coradia" vom französischen Hersteller Alstom als drei- und viergliedrige Gelenkzüge zum Einsatz kommen. Der dreigliedrige Zug biete 164 Sitzplätze, der viergliedrige 249, davon jeweils neun in der ersten Klasse. Hinzu kommen 24 beziehungsweise 35 Fahrradstellplätze. Die Zahl möglicher Stehplätze ist nicht ausgewiesen.

Zu den Hauptverkehrszeiten sollen zwischen Breisach und Gottenheim zwei viergliedrige Züge gekoppelt fahren, zwischen Gottenheim und Freiburg ergänzt um einen dreigliedrigen Zug, der dann alleine die Strecke Gottenheim-Endingen befährt. Damit würde sich gegenüber den jetzigen Maximalvarianten der BSB mit fünf oder sechs gekoppelten Triebwagen die Zahl der Sitzplätze von rund 370 beziehungsweise 445 auf dann fast 500 zwischen Breisach und Gottenheim und auf über 650 zwischen Gottenheim und Freiburg erhöhen.

Bedenken meldeten einige Bürger an, ob die Zahl der Ausgänge – drei bei den dreigliedrigen, vier bei den viergliedrigen Zügen – ausreichen werde, um den schnellen Aus- und Zustieg zu ermöglichen. Die Bahnvertreter zeigten sich davon überzeugt, zumal wegen der Barrierefreiheit an den Bahnsteigen.

Kritik äußerte ein Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), dass in Gottenheim, wie auch in Kirchzarten und Titisee, die bereits gebauten oder noch geplanten Fußgängerunterführungen an den Bahnhöfen nicht als Durchgänge auf die jeweils andere Seite der Gleisanlagen verlängert werden. In Gottenheim hätte dies eine kurze fußläufige Verbindung in das Gewerbegebiete ermöglicht. Jetzt sollen die Unterführungen jeweils an den Mittelbahnsteigen enden, die vor dem Ausbau nur ebenerdig, mit Überquerung der Gleise, zugänglich sind. Gottenheims Bürgermeister Riesterer sagte dazu, dass man die Verlängerung der Unterführung anfangs geplant habe. Doch die zuletzt dafür errechneten Kosten von 1,6 Millionen Euro könne die Gemeinde beim besten Willen nicht aufbringen.