Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

So funktioniert Carsharing im Landkreis

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Mi, 02. Januar 2019 um 13:37 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Immer mehr Gemeinden im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald setzen auf Elektroautos für ihre Mitarbeiter, die dann auch Bürger mieten können. So funktioniert’s.

Wer klassisches Carsharing nutzen will, muss sich beim Anbieter registrieren, seinen Führerschein vorlegen und eine einmalige Gebühr zahlen sowie gegebenenfalls eine Kaution hinterlegen. Vom Kleinwagen bis zum Transporter kann alles online gebucht werden. Abgerechnet wird – je nach Autotyp – pro Kilometer und Tag.

Stationsbasiertes Carsharing

Nutzer müssen das Auto an einer festen Stationen abholen und dorthin zurückbringen. Die Grüne Flotte gibt es seit 2012. Sie ist überwiegend in Freiburg, aber auch in Emmendingen und Waldkirch mit insgesamt 210 Autos vertreten, im Landkreis nur in Kirchzarten und Merzhausen. Geschäftsführer Torsten Schmid will im kommenden Jahr seine Flotte um zehn bis fünfzehn Autos erweitern und sieht vor allem in den Gemeinden Staufen, Müllheim und Bad Krozingen Potential zur Expansion. "Wir wollen es vorsichtig machen. Die Infrastruktur muss stimmen. Wichtig ist, ob wir vor Ort die Autos warten und säubern können."

Anbieter Stadtmobil Südbaden ist auf dem Land präsenter. Seit mehr als 25 Jahren biete man dort Carsharing an, sagt Geschäftsführerin Monika Schwinkendorf. Das Unternehmen unterhält 280 Fahrzeuge, davon 25 Autos in 13 Gemeinden des Landkreises. Rund 800 Menschen nutzen hier das Angebot. In Südbaden sind es etwa 11 000. "Dort, wo die ÖPNV-Anbindung gut ist, zum Beispiel in Gundelfingen und Merzhausen, ist das Projekt ein Erfolg", sagt Schwinkendorf.

Modell Kommunales Auto

Einige Rathäuser und Firmen kooperieren mit My-E-Car und stellen ihren Mitarbeitern Elektroautos zu Dienstzwecken zur Verfügung. Nach Feierabend oder am Wochenende können dann Bürger, die sich kostenlos registriert haben, die Autos mieten. My-E-Car ist ein Joint Venture von Stadtmobil Südbaden und dem Energieversorger Energiedienst, das derzeit mit 14 Kommunen, zwei Landratsämtern sowie drei Firmen kooperiere, sagt Schwinkendorf. Die Verträge laufen in der Regel drei Jahre, 25 Elektroautos seien im Einsatz, die meisten am Hochrhein.

Im Kreis testen die Gemeinden Ehrenkirchen, Bollschweil und Wittnau aktuell das Modell. Für die Kommunen kann es sich rechnen, wenn sie die Autos regelmäßig an ihre Bürger verleihen. Diese müssen unabhängig von den gefahrenen Kilometern fünf Euro für die erste Stunde zahlen, vier für jede weitere. Die Reichweite beträgt laut Nils Hoesch, Leiter Elektromobilität bei Energiedienst, 300 Kilometern. "Wir wollen junge Menschen ansprechen", sagt er. Auch der Auer und Wittnauer Bürgermeister Jörg Kindel hofft auf diese Klientel. "Als ich 18 Jahre alt war, wollte jeder auf dem Land ein eigenes Auto haben." Doch die Werte hätten sich verschoben, nicht jeder junge Mensch besitze ein eigenes Auto. Kindel will nun beobachten, wie sich das Projekt in Wittnau, das die Gemeinde rund 10 000 Euro im Jahr kostet, entwickelt, um zu schauen, ob es sich auch in Au anwenden lässt.

Modell Elektroauto für Touristen

Die Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft (HTG) startete 2015 ein Carsharing-Projekt für Einheimische und Touristen mit 25 Elektroautos. In diesem Jahr reduzierte sie ihre Flotte auf zehn Autos, weil das Angebot seltener als erwartet genutzt worden sei, sagt Sprecher Herbert Kreuz. 80 Prozent der Kunden seien Gäste gewesen, weswegen die HTG sich fortan auf die touristischen Regionen Titisee, Schluchsee, Feldberg und Hinterzarten konzentrieren will. Nutzer der Hochschwarzwaldcard können das Auto drei Stunden am Tag kostenlos nutzen. Allerdings habe es wegen der schwachen Netzabdeckung im Hochschwarzwald auch schon Probleme gegeben, online gebuchte Autos rechtzeitig freizuschalten, sagt Kreutz.