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04. September 2014

Tee oder Smoothie?

Kräuter schmecken und können Leiden lindern – wohl deshalb sind sie auch im Breisgau in immer mehr Gärten zu finden.

  1. Astrid Fiebich Foto: Sophia Hesser

Bei ihr zu Hause in Stegen-Eschbach darf vermeintliches Unkraut wuchern, wie es will. "Vieles davon sind Heilpflanzen, die ich für meine Tees und Tinkturen verwende", erzählt Astrid Fiebich. Was für den Laien einfach nur grün und buschig aussieht, kann gegen Husten helfen, ist gut bei Wechseljahresproblemen oder schmeckt einfach lecker im Tee. Die Diplom-Sozialpädagogin kann sich direkt auf ihrer Terrasse und im angrenzenden kleinen Rasenstück bedienen. Oder aber sie zieht gegen Mittag, wenn der Tau verdunstet ist und die Sonne die Pflanzen bereits getrocknet hat, los ins Grüne und sucht sich ihre Kräuter, die sie braucht.

WIRKSTOFFE AUS DER NATUR
Die Gesundheit in die eigene Hand nehmen. Die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden übernehmen. Das sind wohl die Wünsche der Menschen, und so erklärt sich Astrid Fiebich den Boom von Kräutern und Heilpflanzen. "Das Vertrauen in das Gesundheitssystem ist verloren gegangen, und die Leute besinnen sich wieder mehr auf Alternativen und setzen so zum Beispiel auf die Wirkstoffe von Heilpflanzen, die in unserer Natur wachsen", sagt die 45-Jährige. Sie selbst hat so Zugang zu Kräutern gefunden. Als die Schulmedizin bei langjährigen Beschwerden nicht mehr weiterhelfen konnte, setzte sie auf Tees aus Heilpflanzen – mit Erfolg. Daraufhin beschäftigte sie sich intensiv mit dem Thema Heilpflanzen, lernte an der Heilpraktiker-Schule, gibt seither Seminare und Exkursionen, tritt bei Ratgebersendungen im Fernsehen als Kräuterexpertin auf und gibt Tipps zum Umgang mit Heilpflanzen.

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KRÄUTER IM ALLTAG
Einen Husten ihrer Kinder oder kleinere Wunden werden mit Heilpflanzen behandelt. "Die Schulmedizin lehne ich nicht gänzlich ab, aber was geht, versuche ich durch selbstgemachte Tinkturen, Salben oder Tees zu bekämpfen", erzählt Fiebich. Ihre drei Kinder kennen das nicht anders. Und wenn die Jüngsten keine Lust auf das "grüne Zeug" haben, werden Smoothies gemacht. "Jeden Morgen mixe ich eine Banane mit Apfelsaft, Wasser und verschiedenen Kräutern. Das macht wach und fit", sagt sie. Ist jemand krank, können entsprechende Heilpflanzen einfach hinzugegeben werden. Diese Smoothies sind auch bei den Teilnehmern ihrer Seminare beliebt. "Smoothies sind lecker und einfach zuzubereiten, es gibt nichts, was man nicht hinzugeben könnte."

FRISCH ODER GETROCKNET
"Kräuter kann man sammeln und dann trocknen, um sie für den Winter einlagern zu können. Oder aber einfach frisch verwenden", sagt die Expertin. Sie selbst bevorzugt die frischen Heilpflanzen, da so keine Wirkstoffe verloren gingen. Fürs Trocknen müssten die Bedingungen ideal sein – Temperatur und Luftfeuchtigkeit müssen stimmen, sonst fangen die Pflanzen an zu schimmeln. Die meisten Wirkstoffe sind um die Mittagszeit in den Pflanzen, wenn der Tau auf den Blättern bereits verdunstet ist.

GROSSE VIELFALT
Heilpflanzen gibt es unendlich viele: Kenne man zehn verschiedene, könne man bereits die wichtigsten Behandlungsbereiche abdecken, ist Fiebich überzeugt. Viele Pflanzen sieht man täglich, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Kräfte sie haben. Eine häufige Heilpflanze ist der Spitzwegerich. Seine Blüte ragt als weißer Büschel in die Luft. Und er kann so viel. "Vor allem bei Husten sind seine Blätter sehr wirksam. Aus ihnen kann man sich einen Tee kochen oder eine Tinktur machen", sagt Fiebich.

Der Frauenmantel wächst ebenfalls häufig: Seine grünlich-grauen, runden Blätter sind von kleinen Tröpfchen gesäumt. "Das ist kein Tauwasser, sondern abgesonderte Flüssigkeit von der Pflanze selbst, sie rahmt das Blatt ein wie ein Mantel – daher der Name", erzählt die Expertin. Die Wirkstoffe im Blatt sind gut bei Wechseljahrbeschwerden oder typischen Unterleibsschmerzen bei Frauen.

Ein Rundum-Fitmacher ist die Brennnessel. Sind die Samen an dem Blütenstand reif, kann man aus ihnen einen Tee brühen. "Diese Samen stärken den gesamten Organismus, allerdings muss man darauf achten, die Samen der weiblichen Brennnessel zu sammeln, nur diese haben den entsprechenden Wirkstoff."

NICHT ZU VIEL DES GUTEN
Mit allen Kräutern solle man es aber nicht übertreiben. "Wenn man immer eine bestimmte Pflanze im Vordergrund hält, verliert sie irgendwann ihre Wirkung. Allerdings ist es sehr hilfreich, wenn man immer wieder mal eine einmonatige Kur mit einer bestimmten Heilpflanze zur Stärkung eines Organs macht", erklärt Fiebich. In einem regelmäßigen Rhythmus könne man dann über den Tag verteilt einen halben Liter des entsprechenden Tees zu sich nehmen oder eine Tinktur verwenden. Ganz wichtig sei dabei, das Ganze locker zu nehmen. "Ein Bekannter hat es einmal treffend ausgedrückt: Würde man alle Regeln in der Kräuterkunde befolgen, bräuchte man einen Nerventee gegen all den Stress."

HEILPFLANZEN

Was als Heilkräuter bezeichnet wird, sind eigentlich Heilpflanzen, auch Drogen-, Gift- oder Arzneipflanze genannt. Laut dem Internetlexikon Wikipedia handelt es sich dabei um Pflanzen, die wegen ihres Gehalts an Wirkstoffen zu Heilzwecken oder zur Linderung von Krankheiten verwendet werden können. Solche Pflanzen können als Rohstoffe für Phytopharmaka in unterschiedlichen Formen, aber auch für Teezubereitungen, Badezusätze und Kosmetika verwendet werden.  

Autor: BZ

Autor: Sophia Hesser (Text und Fotos)