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23. September 2014

Vom Paddelvirus befallen

Seit 90 Jahren ist vor den Freiburger Faltbootfahrern kein Bach und kein Fluss in der Region sicher.

  1. Kameradschaft und gegenseitige Unterstützung werden großgeschrieben. Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

  2. Die Faltbootfahrer sind gerne in Gruppen unterwegs. Foto: Julius Steckmeister

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Ob die wilde Dreisam bei Hochwasser, der beschauliche Altrhein bei Breisach oder die ursprüngliche Natur des Taubergießen – vor den Mitgliedern des Vereins Freiburger Faltbootfahrer ist "kein Bach sicher". Der rund 250 Aktive zählende Verein ist als Fusion zweier schon zuvor in Freiburg bestehender Vereine von Wanderfahrern gegründet worden. Inzwischen ist das klassische Wanderpaddeln nur noch eine von drei Teilsparten des Vereins, und auch die schweren Faltboote wurden längst von modernem Wassersportgerät abgelöst.

Die Faltbootfahrer kommen natürlich aus dem Wasser. Vor ihrem Sommerfest, das heuer auf dem Gelände des Kanu Clubs "Flinke Paddel" am Rhein nahe Breisach stattfindet, ist eine Gruppe noch mal eben von Istein bis kurz vor die Europastadt gepaddelt, wo sich der kleine Hafen des Segelclubs "Nautic" ebenso befindet wie das Bootshaus der "Flinken Paddel". Denn obwohl schon in den 20er Jahren gegründet, verfügen die Freiburger Paddler über kein eigenes Vereinsheim. Dies soll sich aber, so Pressewartin Ute Samenfink und Vorsitzender Andreas Kelm, noch in diesem Jahr ändern. Denn der Verein hat eine Halle am Opfinger Baggersee in Aussicht. Der künstliche See ist auch Treffpunkt für das von April bis September jeden Montag stattfindende Freestyle- und Rollentraining, berichtet Ute Samenfink. So breit wie die Altersspanne der Mitglieder – von null bis 90 Jahren – ist auch das Angebot im Verein, der sich ganz bewusst als Freizeitsportverein definiert. Denn obwohl neben dem Wanderpaddeln und dem Seekajakfahren auch das sportbetonte wie technisch anspruchsvolle Wildwasserfahren angeboten wird, hat der Verein keine Leistungsabteilung. Naturerlebnis, Familientauglichkeit und vor allem keine Überforderung durch Leistungsdruck, nennt Andreas Kelm als Hauptgründe. Im Verein gibt es neben den drei Wassersportsparten auch eine eigene Familien- sowie eine Seniorengruppe. Zudem unterhalten die Faltbootfahrer eine Kooperationspartnerschaft mit der Schule am Bildungs- und Beratungszentrum für Gehörlose in Stegen. "Kinder lernen schneller – gerade die beim Kajakfahren wichtigen Bewegungsabläufe", weiß Andreas Kelm.

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Großgeschrieben wird beim Sport auf dem Wasser die Sicherheit. So wird beim wöchentlichen Training am Opfinger See nicht nur die sogenannte Eskimorolle geübt, sondern auch der richtige Einsatz des lebensrettenden Wurfsacks oder andere Techniken zur Rettung eines gekenterten Kameraden. "Man muss die Sicherheitsausrüstung, Schwimmweste, Auftriebskörper und Wurfsack dabei haben, aber auch wissen, wie man die Sachen anwendet", sagt Kelm. Denn selbst harmlos wirkende Gewässer wie der Altrhein bergen, beispielsweise am Grißheimer Schwall, ihre Tücken. "Im Wildwasser sollte man nie alleine fahren", warnt Kelm, der sowieso dazu rät, immer mindestens zu zweit unterwegs zu sein. Ohnehin fahren die geselligen Faltbootfreunde gerne in Gruppen, und hier gilt stets der Grundsatz "der Schwächste gibt die Richtung vor".

Kajakfahren, davon sind die Faltbootfahrer überzeugt, ist ein Sport für jedermann, jede Leistungsklasse und jede Altersstufe, "nur kein Sport für Stubenhocker". Denn neben dem Beherrschen des Wasserfahrzeuges steht das Naturerlebnis ganz oben auf der Prioritätenliste der Paddler. "Landschaft, Natur, Ökologie", fasst Kelm zusammen. Verblüffend sei es, ergänzt Ute Samenfink, wie anders auch scheinbar vertraute Landschaft vom Wasser aus aussieht und wie viel Neues und Unberührtes man vom Boot aus entdecken kann. "Wir freuen uns immer über Zuwachs, neue Mitglieder sind herzlich willkommen", sagt Andreas Kelm, obwohl der Verein nicht über Nachwuchssorgen oder Überalterung klagen kann. "Jeder, der schwimmen kann, kann allein ins Boot und das geht bis ins hohe Alter", schwärmt der Vorsitzende, der jedoch vorm "Paddelvirus" warnt, dem er selbst bereits lange verfallen ist. Rund 2000 Euro muss der Kajakfreund für eine "vernünftige Ausrüstung" einplanen, rechnet er vor. Allerdings verfügt der Verein über 40 Leihboote samt Paddeln und Schwimmwesten, die Paddlern und solchen, die es werden wollen, zur Verfügung stehen, damit in Ruhe probiert werden kann. Neben den Trainings am Opfinger See, dem Grißheimer Schwall oder dem Wildwasserkanal in Hüningen, bietet der Verein Tages- und Mehrtagestouren im In- und Ausland an. Ob an Pfingsten im Piemont oder im Juli auf der Elbe – die Paddler haben ein breites Repertoire.

Und weil die Wassersportler zum einen Naturfreude und zum anderen Freunde der "gemütlichen Geselligkeit" sind, verliert man sich auch in den Wintermonaten nicht aus den Augen. Es wird gemeinsam gefeiert, gewandert und geklönt. Außerdem gibt es Workshops und Referate zu unterschiedlichen Themen mit Wasser- und Naturbezug, bis im April Opfinger See, Elz, Ill oder die verwunschenen Wasserarme des Taubergießen wieder zu locken beginnen.

Übrigens: Tourentipps geben die Mitglieder der Freiburger Faltbootfahrer auch gerne an wassersportbegeisterte Nicht-Mitglieder weiter – egal ob launige Familientour oder ambitionierte Wasserwanderung. Diverse Flussführer bekommt man zudem beim Dachverband, dem Deutschen Kanuverband. Als Tourenbuchtipp für die Region empfiehlt Kelm "Flussperlen am Oberrhein" von Wolf Bresch.

DIE FREIBURGER FALTBOOT-FAHRER

Nähere Infos gibt es online unter http://www.fff-freiburg.de, per E-Mail: vorstand@fff-freiburg.de oder bei Andreas Kelm: Tel. 07641/9361820. Wer die Faltboot-Freunde persönlich kennenlernen möchte, ist jeden Montagabend ab 18 Uhr am Opfinger See auf Höhe des Kiosk herzlich eingeladen, sich über den Sport und den Verein zu informieren.  

Autor: just

Autor: Julius Steckmeister