Wenn’s zur letzten Stunde klingelt

unseren Lokalredaktionen und Kathrin Blum

Von unseren Lokalredaktionen & Kathrin Blum

Sa, 22. Juni 2013

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Die Zukunft vieler Haupt- und Werkrealschulen in Landkreis ist ungewiss – einige haben bereits geschlossen.

Eine schrittweise Auflösung empfiehlt Schulamtsdirektor Manfred Voßler jenen Schulen, die für das kommende Schuljahr weniger als zehn Anmeldungen haben. "Prognostizieren, wer, wo und wie lange überlebt, können wir erst, wenn wir Gespräche mit den Schulen, vor allem aber mit den Schulträgern, also den Kommunen, geführt haben. Schließlich entscheiden sie über Schließungen", erklärt der Behördenleiter.

In vielen Gemeinden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald diskutieren Verwaltung, Gemeinderat und Akteure der Schule über diese Problematik – und Wege, wie die Einrichtungen erhalten werden könnten. Ein möglicher Ausweg ist der Umbau der Haupt- und Werkrealschulen zu Gemeinschaftsschulen. Einige Kommunen im Kreis arbeiten gerade an entsprechenden Anträgen. In anderen Gemeinden ist es bereits zu spät: So haben die Hauptschulen in Buggingen, Merzhausen und Sulzburg 2011 dichtgemacht, in Umkirch und Schluchsee gibt es schon seit 2010 keine Hauptschulen mehr.
Ein Blick in den Landkreis zeigt: Die Diskussion um den Fortbestand der (weiterführenden) Schulen ist in vielen Gemeinden ein Thema.

adenweiler: Die letzten Hauptschüler machen an der René-Schickele-Schule noch ihren Abschluss, dann wird dieser Schulzweig geschlossen. Die Grundschule hingegen soll ausgebaut werden – zur Ganztagsschule.

Bad Krozingen/Staufen: Die Johann-Heinrich-von-Landeck-Schule in Bad Krozingen ist eine der größten Werkrealschulen im Landkreis. Um den Standort Staufen zu erhalten, wurde die dortige Thaddäus-Rinderle-Schule bereits 2010 in eine Außenstelle der Landeck-Schule umgewandelt. Seither bemüht man sich in Staufen mit viel Engagement, die Zahl der Schüler stabil zu halten. In Bad Krozingen selbst scheinen die Schülerzahlen der Werkrealschule im Vergleich zu anderen Gemeinden noch relativ hoch zu sein – dennoch hat auch hier der Gemeinderat einen Arbeitskreis eingerichtet, der über die Zukunft der Schullandschaft im Kurort beraten soll.

Breisach: In der Stadt Breisach zeichnet sich ab, dass es in naher Zukunft zu wenig Haupt- und Werkrealschüler geben wird. Die Hugo-Höfler-Realschule kann sich hingegen vor Schülern kaum retten. Es gibt eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft der beiden Schulen befasst. Favorisiert wird momentan ein Verbund von Gemeinschaftsschule (ehemalige Julius-Leber-Schule) und Realschule, entschieden ist noch nichts.

Buggingen: In Buggingen hat die Hauptschule bereits vor drei Jahren geschlossen – außerdem auch die Grundschule im Ortsteil Seefelden.

Ehrenkirchen: Die Jengerschule mit ihren Standorten in Ehrenkirchen und Schallstadt will noch vor den Sommerferien den Antrag auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule stellen. Lehrer, Schüler, Eltern und die Gemeinden befürworten diesen Schritt.

Eichstetten: Der Eichstetter Hauptschule fehlen Schüler, ihr Fortbestand ist deshalb nur noch in diesem Schuljahr gesichert. Im nächsten Schuljahr, das im September 2013 beginnt, werden noch 13 Schüler der jetzigen achten Klasse in der künftigen neunten Klasse unterrichtet und auf ihren Abschluss im Sommer 2014 vorbereitet. Alle anderen Hauptschüler müssen sich für das bevorstehende Schuljahr eine andere Schule suchen.

Eisenbach: Um zu überleben, hat sich die Eisenbacher Hauptschule mit den Schulen in Vöhrenbach und Unterkirnach (beide liegen im Schwarzwald-Baar-Kreis) zusammengetan. Vöhrenbach bereitet derzeit die Gemeinschaftsschule vor. Die Gemeinde Eisenbach unterstützt das, die Eltern sind geteilter Meinung.

Gundelfingen: Die Haupt- und Werkrealschule möchte zur Gemeinschaftsschule werden und so ihren Fortbestand langfristig sichern.

Hartheim: Seit dem laufenden Schuljahr ist die Alemannenschule in Hartheim eine Werkrealschule. Ob sie bestehen kann, ist offen, denn auch dort sind die Schülerzahlen tendenziell rückläufig.

Hinterzarten: Viele Eltern haben für eine Gemeinschaftsschule Hochschwarzwald gekämpft, aber daraus wird nichts. Denn: Das Kultusministerium glaubt nicht, dass es genügend Schüler geben wird – und lehnte den Antrag deshalb ab.

Ihringen: Auch dort gibt es nicht mehr genügend Schüler. Für die Neunlindenschule (bislang Hauptschule) will die Gemeinde daher im Herbst den Antrag auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule stellen.

Lenzkirch: Im März haben Eltern die Initiative "Pro Gemeinschaftsschule" gegründet. Damit wollen sie die Einführung dieser neuen Schulart voranbringen.

Löffingen: Real- und Werkrealschule sollen künftig in einem Schulverbund zusammenarbeiten, so soll die Zukunft beider Schularten gesichert werden.

Müllheim: Um den Fortbestand zu sichern, will die Blankenhorn-Werkrealschule mit der Alemannen-Realschule zusammenarbeiten und eine Gemeinschaftsschule gründen.

Münstertal: Um im Tal auch in Zukunft eine weiterführende Schule anbieten zu können, kämpft die Gemeinde um die Umwandlung der Abt-Columban-Schule in eine Gemeinschaftsschule. Das Problem: Eigentlich sollen nur Schulen Gemeinschaftsschulen werden, die mindestens zwei Klassen pro Jahrgangsstufe anbieten können – dafür reichen die Schülerzahlen in Münstertal aber nicht aus. Bei einer Unterschriftenaktion im Mai, die den Erhalt der weiterführenden Schule in Münstertal fordert, kamen beachtliche 2311 Unterschriften zusammen – das entspricht fast der Hälfte der Einwohner der Gemeinde Münstertal.

Gäbe es in der weitläufigen Schwarzwaldgemeinde keine weiterführende Schule mehr, würden sich die teilweise jetzt schon recht langen Anfahrtswege für die Schüler noch einmal erheblich verlängern. Unter Umständen gäbe es dann Anfahrtszeiten von anderthalb Stunden (und mehr) – für einen Weg.

Schluchsee: Weil die Schülerzahlen immer weiter zurückgingen und zuletzt nur noch gut 20 Mädchen und Jungen übrig geblieben waren, hat die Hauptschule in Schluchsee vor drei Jahren geschlossen.

Sulzburg: Zwei Jahre ist es inzwischen her, dass die Sulzburger Hauptschule geschlossen hat. Um die Schule zu retten, waren verschiedene Kooperationsmodelle angedacht – aber letztlich wieder verworfen worden.

Umkirch: Vor drei Jahren hat die Umkircher Realschule geschlossen – weil die Schülerzahlen permanent rückläufig waren.

Vogtsburg: Bereits geschlossen wurden die Außenstelle der Oberbergener Eugen-Biser-Schule in Achkarren und die Außenstelle der Oberrotweiler Wilhelm-Hildenbrand-Schule in Burkheim. Die vormals eigenständige Eugen-Biser-Schule wurde zwischenzeitlich ebenfalls Außenstelle der Wilhelm-Hildenbrand-Schule. Jetzt soll sie im kommenden Jahr geschlossen werden. Dann gehen alle Vogstburger Grundschüler nach Oberrotweil zur Schule. Die dortige Wilhelm-Hildenbrandschule wiederum wird künftig zur reinen Grundschule.

In der Werkrealschule gab es bislang noch eine Kooperation mit der Breisacher Julius-Leber-Schule, die aber zum Schuljahresende beendet wird. In der knapp 6000 Einwohner zählenden Gemeinde Vogtsburg wird es von Sommer an deshalb keine weiterführende Schule mehr geben – und das obwohl die Gemeinde erst vor wenigen Jahren viel Geld in die Sanierung beispielsweise der Wilhelm-Hildenbrandschule investiert hat.