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07. November 2014

"Wir-Gefühl durch Singen stärken"

BZ-INTERVIEW mit Birte Könnecke, der neuen Vorsitzenden der SPD im Landkreis / Genossen wollen sich bekannter machen.

  1. Birte Könnecke Foto: bury

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Die SPD im Landkreis hat sich neu aufgestellt: Acht Vorstandsmitglieder haben gewechselt, auch der Kreisvorsitz ist mit Birte Könnecke neu besetzt. Über die Chance dieser Verjüngung, über Karriere, Schule und das Singen hat sich BZ-Redakteurin Tanja Bury mit der 44-Jährigen unterhalten.

BZ: Wie sind Sie zur SPD gekommen?
Könnecke: Über mein Elternhaus. Mein Vater und meine Mutter waren Lehrer und sehr SPD-affin. Allerdings bin ich recht spät in die Partei eingetreten, nämlich erst mit 32. Juso war ich also nie.
BZ: Juso ist das Stichwort: Haben die Genossen im Kreis ein Nachwuchsproblem? Für die Kommunalwahlliste in Merzhausen beispielsweise konnte niemand gefunden werden, nachdem die beiden altgedienten SPD-Räte aufgehört haben. Das Ergebnis: Die SPD ist im Gemeinderat nicht mehr vertreten.
Könnecke: Wir haben gesagt, wir machen keine SPD-Liste in Merzhausen, wenn wir nicht wenigstens einen Genossen haben, der auf die vorderen Listenplätze geht. Leider ist uns das nicht gelungen. Ich hoffe natürlich sehr, dass sich das bis zur nächsten Wahl ändert.

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BZ: Wie soll sich das ändern? Wie wollen Sie junge Leute für die SPD in den Gemeinden und im Kreis gewinnen?
Könnecke: Wir sind froh, fünf aktive Jusos im Kreisverband zu haben. Denn es ist für junge Leute einfacher junge Leute anzusprechen. Die Jusos organisieren Veranstaltungen wie etwa ein politisches Frühstück. Außerdem nutzen wir die neuen Medien offensiv, um auf die SPD im Kreis aufmerksam zu machen. Und das müssen wir auch. Hier ist die CDU die dominierende Partei, und viele junge Leute haben einen entsprechenden familiären Hintergrund. Das wollen wir ändern. Wir – das ist der neue SPD-Kreisvorstand. Ich merke, dass meine Mitstreiter große Lust haben, die Sache anzupacken.
BZ: Welche Schwerpunkte setzt sich der neue Vorstand und setzen Sie sich als Kreisvorsitzende?
Könnecke: Als Kreisrätin kann ich die administrative Arbeit im Verband und die politische Arbeit im Kreis gut verbinden. Ich möchte die Partei stärker zusammenführen, für ein Wir-Gefühl sorgen. Durch gemeinsames Singen zum Beispiel.
BZ: Und was wird da geschmettert?
Könnecke: Bei der jüngsten Veranstaltung war es "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit". Aber es kann auch mal "Die Internationale" sein. Die SPD ist wohl die Partei mit dem größten Liederfundus.
BZ: Vom Singen zur Schule: Wie beurteilen Sie den Disput zwischen Landkreis und Land in Sachen Berufsschule?
Könnecke: Ich stehe hinter dem Konzept des Kreises und habe deshalb auch für die Klage gegen den Ablehnungsbescheid gestimmt. Denn wäre er rechtskräftig geworden, hätten wir nichts mehr tun können. Jetzt wird es auf einen Kompromiss rauslaufen und dafür braucht es das Gespräch zwischen Kreis und Ministerium. Da sind wir dran.
BZ: Es war das rote Kultusministerium, das die Kreispläne abgelehnt hat. In welch’ schwierige Situation bringt Sie das als Genossin vor Ort?
Könnecke: In keine. Es ging und geht nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen. Ich denke, wir im Kreis haben ein gutes Paket geschnürt und wollen das Beste für die Region. Dass man in Müllheim eine andere Meinung zur Berufsschule hat, ist legitim und gehört zur Demokratie.
BZ: Weiteres großes Thema im Kreis: die Flüchtlinge und ihre Unterbringung.
Könnecke: Die Turnhalle in Müllheim kann nur eine Notlösung sein, das ist jedem klar. Deshalb der Appell: Wer Wohnraum hat, soll ihn zur Verfügung stellen. Auch müssen die Richtlinien zur Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten gelockert werden. Und es geht um Integration: Es müssen mehr Deutschkurse für Jugendliche und Erwachsene angeboten werden – und zwar so niederschwellig, dass die Leute sie auch besuchen. Eine Eingliederung kann nur gelingen, wenn ein sprachlicher Austausch möglich ist. Für die Freiwilligen in den Helferkreisen braucht es Fortbildungskurse. Es ist vor Ort so viel Engagement da, das kann man nicht genug loben und fördern. Was noch beachten ist, ist die Gesundheitsvorsorge der Flüchtlinge. Sie kommen mit ganz anderen Krankheitsbildern zu uns.
BZ: Was bewegt die SPD im Kreis noch?
Könnecke: Der ländliche Raum. Wir wollen Zukunftsperspektive für ihn schaffen. Dazu gehört die Landwirtschaft, die mir als Tierärztin besonders am Herzen liegt. Wie können Landwirte zu Energiewirten werden – darum wollen wir uns kümmern.
BZ: Wie man hört, sind Sie recht ehrgeizig. Ist der Kreisvorsitz nur ein Schritt in Richtung Landtag, sollte Genosse Bayer nicht mehr antreten?
Könnecke: Natürlich habe ich auch Interesse an Landespolitik, aber ich habe gerade den Kreisvorsitz übernommen. Da gibt es viel zu tun in den nächsten Monaten. Alles Weitere lasse ich entspannt auf mich zukommen.

ZUR PERSON: BIRTE KÖNNECKE

Birte Könnecke (44) ist als Amtstierärztin beim Ortenaukreis tätig. Im September hat sie den Vorsitz des SPD-Kreisverbands von Thomas Mengel übernommen. 2013 ist Könnecke für Marianne Kipf in den Kreistag nachgerückt. Bei der Kommunalwahl im Mai trat sie als SPD-Spitzenkandidatin im Wahlkreis 3 Ehrenkirchen an und wurde mit 1977 Stimmen gewählt. Sie lebt mit ihren drei Söhnen in Sölden.  

Autor: tab

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