Empathie und Nerven

Ute Schöler

Von Ute Schöler

So, 20. Januar 2019

Kreis Emmendingen

Der Sonntag Psychosoziale Notfallhilfe im Landkreis sucht Nachwuchs.

Sie leisten psychische und soziale Erste Hilfe und stehen Menschen in den ersten Stunden nach einem traumatischen Erlebnis bei. Der DRK-Kreisverband Emmendingen sucht Ehrenamtliche für die Psychosoziale Notfallversorgung.

Wenn Polizisten die Angehörigen eines verunglückten Menschen benachrichtigen, steht ein Nachsorgeteam des DRK im Hintergrund bereit. "Wir schauen uns die Situation an und kümmern uns darum", sagt der stellvertretende DRK-Kreisvorsitzende Peter Zimmermann, der den Dienst nach dem Zugunglück in Eschede 1998 im Kreisverband mit gründete. Auch die erste Betreuung von Zeugen eines schweren Unfalls oder einer Gewalttat gehört zu den Aufgaben. In jeden Fall bleibt die Hilfe für die Betroffenen kostenfrei.

Wie die anderen Hilfskräfte werden auch die psychosozialen Ersthelfer über die Rettungsleitstelle alarmiert. "Bei der Anfahrt ist man erst einmal mit Vorstellungen beschäftigt – meist haben wir nur eine Grundinfo. Vor Ort steht dann die Professionalität im Vordergrund", erzählt die 63-jährige Erzieherin Bettina Sekler-Greul aus Weisweil, die seit 2015 im Team ist. Auch die 52-Jährige Arzthelferin Karin Starosta aus Rheinhausen ist neben ihrem Familienleben mit zwei Jugendlichen seit drei Jahren beim DRK-Dienst engagiert. Jedes Teammitglied trägt in einem Dienstplan die Stunden ein, die es leisten kann. "Die Familie muss das allerdings mittragen, wenn man Abendessen richtet und dann plötzlich weg ist", betont Starosta. Während der Rufbereitschaft könne man seinen Alltagsaktivitäten nachgehen.

Anders als Polizei und Rettungssanitäter treten die Notfallnachsorger nicht in Uniform auf. Auf jeden Einsatz müssen sie sich menschlich ganz neu einlassen. Viel Empathie ist nötig, aber auch Nervenstärke. "Keine Situation gleicht der anderen, wir müssen uns immer langsam herantasten", berichtet Karin Starosta. Während ein Mensch heftige Emotionen herauslasse, könne ein anderer das Geschehene nicht fassen und wiederhole immer wieder denselben Satz. Annehmendes Zuhören sei wichtig, Ratschläge und Binsenweisheiten hingegen seien fehl am Platz. "Aushalten, zurückhalten, sich zurücknehmen", ist die Herausforderung, wie der 65-jährige frühere Geschäftsführer Peter Zimmermann es formuliert. Gern erinnert er sich an den Satz einer jungen Witwe: "Danke, dass Sie mit mir geschwiegen haben."

Vertrauen ist entscheidend

Bei ihren Einsätzen sind die Notfallnachsorger immer zu zweit. Während der eine sich ganz dem Verzweifelten widmet, kann der andere vielleicht schon weitere Hilfe organisieren oder das soziale Umfeld aktivieren. Ein Faltblatt vermittelt auch Angehörigen und Freunden, was bei der Verarbeitung belastender Ereignisse hilfreich ist.

Ausgesprochen wichtig ist bei dieser Arbeit das gegenseitige Vertrauen: "Direkt nach dem Einsatz gehen wir die Situation nochmal durch und geben einander Feedback", erzählt Bettina Sekler-Greul, die auch die monatlichen Dienstbesprechungen sehr schätzt: "Wir haben so viel Vertrauen in die Gruppe, dass wir alles sagen können – wie geht’s uns dabei, was ist gewesen, was hat nicht geklappt."

Eine von Psychologen und Sozialpädagogen geleitete 80-stündige Grundausbildung legt die Basis dafür, dass die psychosoziale Ersthilfe gelingt. Sie thematisiert Kommunikation und Selbstreflektion ebenso wie den Umgang von Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts oder kultureller Prägung mit dem Thema Tod. In praktischen Übungen und auch in der Prüfung werden Einsatzsituationen lebensnah inszeniert. "Während der Ausbildung hat man sich selbst ein Stück weit kennengelernt und konnte nochmal überlegen, ob man der Aufgabe gewachsen ist", sagt Bettina Sekler-Greul, die wie ihre Kollegin durch einen Zeitungsartikel zum DRK kam. 14 Frauen und drei Männer zwischen 44 und 67 Jahren gewähren derzeit die permanente Einsatzbereitschaft des Dienstes an 365 Tagen im Jahr. Menschen ab 23 Jahren sind willkommen, diese Arbeit mit fortzuführen.
Informationstreffen am 22. und 23. Januar in der DRK-Kreisgeschäftsstelle, Freiburger Straße 12, in Emmendingen. Anmeldung bei Christine Laufer, Telefon 0 76 41/46 01 66, E-Mail laufer@drk-emmendingen.de