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31. Dezember 2009
Schulden steigen bedenklich an
Bilanz zum Jahresende: Keine rosigen Perspektiven für den Kreishaushalt 2010 / Kaum Möglichkeiten zur Gestaltung
KREIS EMMENDINGEN. Auch wenn die Wirtschaftskrise im Kreisgebiet auf dem Arbeitsmarkt dank Kurzarbeit bisher weniger Spuren als befürchtet hinterlassen hat, so wirkt sie sich dennoch nachhaltig auf die öffentlichen Haushalte der kommenden Jahre von Kreis und Gemeinden aus. Denn die Gewerbesteuereinnahmen sind teils drastisch gesunken, andererseits steigen die Sozialausgaben immer mehr an. Der Kreisetat hat kaum noch Spielraum für Investitionen. Stattdessen wächst die Verschuldung.
Die Zahlen von Kreiskämmerer Erhard Schweizer zeichnen ein finanziell düsteres Bild der kommenden Jahre. "Sehr bedenklich" nennt der Finanzexperte die Lage. Einige Eckpunkte: In nur sieben Jahren hat sich die Verschuldung des Kreises mehr als verdoppelt – von 11,7 Millionen Euro im Jahr 2003 auf prognostizierte 25,2 Millionen Euro im kommenden Jahr. Die Rücklage des Kreises wird 2010 mit 2,41 Millionen Euro nur noch knapp über der gesetzlichen vorgeschriebenen Mindestsumme liegen.Werbung
Vor allem die kontinuierlich steigenden Sozialausgaben sind zum Problem des Kreishaushalts geworden. 51 Prozent des Gesamthaushalts werden für den Bereich "Soziales" mit seiner Fülle wichtiger Aufgaben aufgewendet. Darin inbegriffen sind auch die Personalkosten für 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor allem wegen der sozialen Aufgaben führen die 24 Kreisgemeinden ans Landratsamt einen Anteil ihrer Steuereinnahmen als Kreisumlage ab. Dieser Hebesatz schmerzt die Gemeinden gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. So wird hinter den Kulissen Jahr für Jahr um die Höhe der Kreisumlage gerungen. Manche Kreisräte, die als Bürgermeister oder Gemeinderäte sowohl den Interessen des Kreises als auch ihres Ortes verpflichtet sind, befinden sich dabei regelmäßig in der Zwickmühle. Denn einerseits haben die Gemeinden an den Kreis bestimmte Aufgaben wie die Sozialhilfe, das Berufsschulwesen, die Abfallwirtschaft oder den Öffentlichen Personennahverkehr übertragen, andererseits wird durch die Kreisumlage der Handlungsspielraum der Gemeinde beschränkt.
Weil er weiß, dass in den Gemeinderäten regelmäßig über die Kreisumlage gemurrt wird, weist Kreiskämmerer Schweizer auf deren relativ moderate Höhe im Kreis Emmendingen hin: Die durchschnittliche Kreisumlage aller südbadischen Landkreise betrage 32 Prozent, während das Emmendinger Landratsamt für 2010 einen Hebesatz von "nur" 30,5 Prozent vorschlägt. Auch sei der Plan fürs kommende Jahr weit vom Jahr 2005 entfernt, als die Kreisumlage 37,5 Prozent betragen hat.
Doch da der Kreistag zu Recht auf die Förderung des Bus- und Bahnnahverkehrs stolz ist – Stichworte "Regiokarte" und "Breisgau S-Bahn" –, besteht auf diesem Sektor eine der wenigen Möglichkeiten, sich zu profilieren und politische Prioritäten zu setzen.
Autor: Hans-Jürgen Truöl


