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05. April 2011
Viele kleine Windmühlen statt gigantische Rotoren
Der aus Bahlingen stammende Architekt Wolfgang Frey verwirklicht in Freiamt seine Idee: Bäume als natürliche Masten.
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Wolfgang Frey ist sich sicher, Kleinwindräder an den Spitzen von Bäumen sind eine Alternative zu riesigen Windrädern Foto: Markus Zimmermann
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In rund 40 Meter Höhe wurde das Kleinwindrad mit einem Durchmesser von 3,50 Meter montiert, nachdem die Spitze der Douglasie entastet worden war. Dabei erhält Wolfgang Frey (links) tatkräftige Hilfe von Josef Haberstroh Foto: Markus Zimmermann
KREIS EMMENDINGEN. "Kleinvieh macht auch Mist": Verwunderlich ist es nicht, dass dem Architekten Wolfgang Frey dieser Spruch auch beim Thema erneuerbare Energien in den Sinn kam. Wohnt er doch in Freiamt auf dem Land, in einer der größten Flächengemeinden Baden-Württembergs. Dort drehen sich die Rotoren gleich mehrerer großer Windkraftanlagen – vielen Menschen zur Freude, anderen ein Dorn im Aug. Da auch der gebürtige Bahlinger Wolfgang Frey die mächtigen Rotoren mit ambivalentem Gefühl betrachtet, suchte er eine Alternative. Und die hat er gefunden: Viele kleine Windräder in Wipfelhöhe.
"Die gigantischen Windrotoren haben bei mir immer wieder ein unbehagliches Gefühl ausgelöst", erklärt Frey, der sich keineswegs grundsätzlich gegen diese Technologie ausspricht. "Es ist der große Aufwand, der mit diesen Anlagen verbunden ist", nennt er als Ursache für seine Bedenken gegen hohe Masten mit einem entsprechend groß dimensionierten Fundament, gegen befestigte Baustraßen für den Schwertransport durch die Natur und lange Trassen für den Transport des Stroms zum Verbraucher. "Alles in allem sind die Kosten für die Infrastruktur deutlich höher als die für den Rotor", hat Frey errechnet. "Dabei haben wir mit den Bäumen doch schon tolle Masten": Der Kaiserstühler richtet seinen Blick auf die natürlichen Ressourcen des Schwarzwalds. Für den Architekten lag daher nahe, auf den Wipfeln kleine Rotoren zu befestigen. Denn der Architekt möchte bei seinen Projekten Ökonomie und Ökologie verbinden. Schließlich hat er auch schon im Freiburger Rieselfeld auf Häusern kleine Rotoren installiert. Die sorgen immerhin dafür, dass dort die Wäsche mit selbst erzeugtem Strom gewaschen werden kann.
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Erst jüngst hat er mit seinem 5-Finger-Prinzip als Architekt für nachhaltiges Bauen auf der Expo in Shanghai die Stadt Freiburg vertreten.
Nun hat er auf einer 40 Meter hohen Douglasie ein Windrad mit 3,5 Metern Durchmesser angebracht. Dessen Leistung: fünf, maximal sechs Kilowatt. Mit Einbußen von etwa einem Drittel Leistung kalkuliert Frey wegen der Platzierung im Kronenbereich des Baums. Doch immer noch werde genug Strom erzeugt, um den Bedarf der drei nahen Häuser zu versorgen, von denen er eines selbst bewohnt.
"Ökologie ist das Gegenteil von Monokultur", lautet Freys Credo. Der Strom aus Windenergie wird durch Strom aus Photovoltaik und aus Wasserkraft ergänzen. Dezentrale Energieversorgung ist sein Zauberwort. Auch bei Dezentralität komme es auf einen guten Energiemix an, erklärt er.
Bedenken, dass der 60 Kilogramm schwere Rotor, der in Gutach gefertigt wurde, vom Stamm der Douglasie nicht gehalten wird, hat Frey nicht. Denn die Windangriffsfläche des Rades entspreche in etwa der Astfläche, die für die Montage beseitigt wurde. Bei Starkwinden würden die Blätter so gestellt, dass sie möglichst wenig Widerstand bieten. Waldbesitzer Richard Bühler hat den Versuchsbaum gerne zur Verfügung gestellt. "Wenn es klappt, kann ich mir auch vorstellen, ein größeres Gelände zum Bau mehrerer Windrotoren in den Wipfeln zur Verfügung zu stellen", bekräftigt der Freiämter.
Technisch hat Wolfgang Frey keine Bedenken. Auch finanziell könne die Rechnung gut aufgehen. Der Wipfelrotor hat gerade einmal 8000 Euro gekostet.
Die Möglichkeit, dass ihm juristischer Gegenwind entgegen blasen wird, sieht der Architekt gelassen. "Wir sind hier in einem rechtsfreien Raum. Es gibt keine Rechtsvorschrift, was an einen Baum gehängt werden darf", betont er. Wenn es funktioniert, bleibe der Versuchsrotor am Baum hängen und könnte ein paar Nachbarn bekommen. Denn, und hier schließt sich der Kreis: Schließlich mache Kleinvieh auch Mist – in diesem Fall ohne weit über die Wipfel zu ragen, ohne sich vernehmbar zu drehen und große Narben in der Natur zu hinterlassen. Ein Zukunftsmodell? Auf jeden Fall macht die energieautarke Gemeinde Freiamt wieder von sich reden.
Autor: Markus Zimmermann


