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15. November 2017

Das Jahr mit dem großen Aprilfrost

Nachdem die Ernte eingefahren ist, ziehen die landwirtschaftlichen Erzeuger im Kreis Bilanz – und die fällt unterschiedlich aus.

  1. Der Mais enwickelte sich auf lehmigen Böden und wurde im Oktober wie hier bei der Kaltenherberge abgeerntet - auf kiesigen Böden in der Rheinebene sah es wegen der langen Trockenphase im Sommer anders aus. Foto: Jutta Schütz

  2. Frostschaden in den Kirschen Ende April 2017 Foto: Jutta Schütz

LÖRRACH. Für die Obsterzeuger und Winzer im Landkreis geht 2017 als das Jahr mit dem großen Aprilfrost in die Geschichte ein. Viele von ihnen sind nun auf die "Frosthilfe" des Landes angewiesen. Bei den Landwirten, die auf Getreide, Mais und Soja setzten, dagegen waren die Erträge wegen eines trockenen, teilweise sehr heißen Sommers, gut. Die Gemüse-, Erdbeer- und Spargelproduzenten sowie die Direktvermarkter ziehen eine gemischte Bilanz.

Äpfel, Kirschen, Erdbeeren
Neben den Winzern haben die Obsterzeuger besonders viele Schäden aufgrund des Fröste zu vermelden. Kreisobstbauberater Klaus Nasilowski ist überzeugt, dass es aufgrund der geringeren Ernte 2018 viel weniger heimische Äpfel in den Supermarktregalen geben wird. Von 90 Hektar, auf denen im Landkreis Äpfel geerntet werden, verzeichneten 61 Hektar Schäden, bei den Tafelkirschen waren von 77 Hektar 31 Hektar betroffen, bei den Erdbeeren wurden acht von 13 Hektar geschädigt. Pfirsiche gab es gar keine und nur ganz wenige Aprikosen. Auch Zwetschgen und Birnen waren betroffen. In einzelnen Bereichen wie am Dinkelberg, in den tiefen Lagen des Eggenertals, von Egringen, Ötlingen, Fischingen oder Haltingen "war fast alles hin", bilanziert Nasilowski. Die höheren Lagen kamen besser weg, aber es gab auch "verrückte Ausnahmen – Bäume, die so voll waren wie nie und daneben Bäume, auf denen nichts wuchs", berichtet er. Die Preise für heimisches Obst sind moderat gestiegen. "Mitteleuropa war insgesamt von dem Frost betroffen, aber der Handel deckt sich dann natürlich mit Ware aus anderen Ländern ein", weiß Nasilowski. Polen etwa lieferte Kirschen, bei Äpfeln könnten ebenfalls neue Zulieferer auf den Markt drängen. "Für heimische Erzeuger besteht die Gefahr, dass der Handel bei den neuen Zulieferern bleibt", gibt Nasilowski Befürchtungen weiter. Im Landratsamt sind übrigens mehr als 70 Anträge auf Frosthilfe eingetroffen.

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Mais, Getreide und Soja
Rolf Hess, Sachgebietsleiter landwirtschaftliche Erzeugung im Landratsamt Lörrach, stellt fest, dass es bei Mais, Getreide und Soja zwar kein "Supersommer" aber, was die Erträge angeht, ein guter Sommer war. Gerade als die Grundwasservorräte nach der langen Trockenphase im Juni und Juli abnahmen, regnete es ab und zu. Deshalb gab es auf den rund 1500 Hektar an Getreideflächen im Landkreis passable Erträge "und wegen der Trockenheit waren Schädlinge kaum ein Thema", erklärt Hess. Im Durchschnitt wurden neun Tonnen Winterweizen pro Hektar gedroschen, bei Gerste waren es sechs bis sieben Tonnen. Auch der Mais entwickelte sich dank der Niederschläge im September noch gut – Ausnahme waren die kiesigen Böden. Mais dominiert nach wie vor den Anbau im Kreis – er wird auf 3000 Hektar Fläche eingesät. Von der Trockenheit im Sommer profitierte auch Soja, der auf 150 Hektar gepflanzt wurde und besonders bei Milchviehhaltern als Kraftfutter gefragt ist. 400 bis 500 Tonnen dürfte die Ernte betragen, schätzt Hess. Die guten Ernteresultate sagen nichts über die Gewinnspanne der Landwirte aus. Die treibt den Landwirten nach wie vor Sorgenfalten auf die Stirn, denn die Weltmarktpreise machen vor der Region nicht Halt. Weizen etwa wird am Markt mit aktuell 159 Euro pro Tonne, Mais mit Beträgen etwas darunter gehandelt – das deckt die laufenden Kosten, aber die Gewinnspanne ist zu gering, um investieren zu können.

Gemüse
Auf 450 Hektar wird im Landkreis Gemüse angebaut. Nach der langen Trockenphase in den Sommermonaten Juni und Juli wurde Wassermangel ein großes Thema – jedenfalls dort, wo sich die Felder nicht beregnen lassen. Beregnung ist im Landkreis noch die Ausnahme. Dafür nämlich muss man Grundwasser anzapfen können, was nicht überall möglich ist – "bei Egringen etwa aber gibt es nur Quellen oder Drainagen, die das Wasser liefern", beschreibt Hess die Situation.

Sicht der Direktvermarkter
Für die Direktvermarkter im Landkreis, die Gemüseanbau betreiben, bestätigt Jürgen Müller, dass es zeitweise dort nicht einfach war, wo es keine Beregnung gab. Im Gegensatz zu 2016 eine hervorragende Qualität hätten Kartoffeln. Gerade stehen Feldsalat, Blumenkohl, Endivien, späte Karotten, Brokkoli, Rosenkohl und Grünkohl auf den Feldern – diese Sorten kommen mit vielen Regen der vergangenen Woche zurecht. "Den Regen brauchen wir dringend, um die Wasserspeicher wieder aufzufüllen", sagt Müller. Die Direktvermarkter hätten sich untereinander ausgeholfen, als der Frost gerade bei der Obsternte manche mit nichts zurückließ, während andere Erzeuger einen guten Ertrag hatten. "Über die enormen Ausfälle bei der Weinernte ist alles geschwätzt und geschrieben."

Frosthilfe

Bis 30. Oktober konnten Obst- und Gemüsebauern sowie Landwirte die "Frosthilfe 2017" bei den Landratsämtern beantragen. Dazu wurden Ertragsschaden und finanzieller Schaden ermittelt. Zuwendungen bekommen nun die Betriebe, bei denen die Schäden mehr als 30 Prozent einer durchschnittlichen Ernte ausmachen, die anhand von Vergleichsdaten der Vorjahre belegt werden muss. Zuwendungen belaufen sich auf 3000 bis 50 000 Euro je Antragsteller, in Härtefällen bis zu 150 000 Euro.  

Autor: jut

Autor: Jutta Schütz