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17. Mai 2016

Eine Vision für den ländlichen Raum

CDU-Kreisverband befasste sich mit der S-Bahn ins Kandertal / Leitbild soll den Weg ins Agglomerationsprogramm Basel eröffnen.

  1. Die Gemeinden im Kandertal wollen die Gleise der alten Kandertalbahn für den Aufbau eines modernen S-Bahn-Betriebs nutzen. Foto: Thomas Loisl Mink

KANDERN. Eine S-Bahn-Verbindung ins Kandertal hat viele Fürsprecher. Doch aus der Bevölkerung gibt es auch die eine oder andere kritische Stimme. Bei einer Diskussionsrunde, zu der der CDU-Kreisverband eingeladen hatte, versprach der Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Armin Schuster, Kontakt zur Bahn aufzunehmen, um die Anbindung der Kandertal-Strecke an das Netz der DB sicherzustellen. Die Kommunalpolitiker sollen in ihren Gemeinden um den Rückhalt aus der Bevölkerung werben.

Insbesondere im Berufsverkehr sei die Schiene als Alternative zum motorisierten Individualverkehr wichtig und sinnvoll, stellte Dietrich Hermann von der Nahverkehrsinitiative Kandertal fest. Bei der Kandertal-Konferenz, die jüngst stattfand, hätten sich alle Kommunen für die S-Bahn ausgesprochen, und man sei froh, dass durch die Museumsbahn die Strecke erhalten geblieben ist. Diese hat der Zweckverband Kandertalbahn jüngst zu einem symbolischen Preis erworben. Die Kandertal-S-Bahn dürfe aber nicht in Haltingen enden, sondern müsse bis zum Badischen Bahnhof weitergeführt werden, betonte Hermann. Die Bahn müsse mit Buslinien vernetzt sein, die Orte abseits der Strecke anbinden, und der Zeithorizont bis 2030 erscheint der Initiative zu lang.

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Entscheidend ist der politische Wille

Die Strecke wurde 1895 eröffnet, damals auf Initiative der Industriellen in Kandern, und sie hatte zunächst einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge, berichtete Peter Oehler. Das hält er auch jetzt wieder für möglich, zumal Weil am Rhein und Lörrach im Straßenverkehr längst Nadelöhre sind und der Individualverkehr im Ballungsraum Basel den nächsten Jahrzehnten laut einer Prognose von Metro Basel um bis zu 40 Prozent wachsen soll. In den 1920er Jahren wurde die Bahnverbindung auch von Baslern eifrig genutzt, weil es in Kandern damals das einzige Freibad gab. Armin Schuster sagte zur Realisierung der S-Bahn: "So lange es kein technisches K.-O.-Argument gibt, ist alles möglich. Aber es hängt vom politischen Willen ab, und damit meine ich den Willen der Mehrheit der Bevölkerung."

Man habe die Kandertal-Konferenz auch veranstaltet, um Verbündete zu suchen, sagte Kanderns Bürgermeister Christian Renkert. Eine Aufnahme ins Agglomerationsprogramm Basel sei signalisiert worden, dafür wolle man ein Leitbild für S-Bahn-Planung erstellen. Andreas Schneucker, Bürgermeister von Binzen, versicherte, alle Kandertal-Gemeinden wollen die S-Bahn. Ein wichtiger und aktueller Punkt sei die Anbindung bei der Heldelinger Brücke in Haltingen. Hier dürfe nichts verbaut werden, es müsse sichergestellt werden, dass die Anbindung ans DB-Netz klappt, sagte Renkert. Albert Schmidt fügte an, nach bisherigem Sachstand würde die S-Bahn zwischen Haltingen und Basel im Gegenverkehr fahren, das heißt, beide Fahrtrichtungen auf demselben Gleis. Das sei nicht sinnvoll.

Günter Hackbarth stellte seine Vision vor, die S-Bahn mit einem batteriebetriebenen Schienenbus zu fahren. In Binzen gibt es das Problem, dass unter der Autobahnbrücke zu wenig Platz für eine Oberleitung ist. Dieselfahrzeuge wären womöglich zu laut, wobei es in der Versammlung hieß, da gebe es heute auch leise Fahrzeuge. Der Batterie-Schienenbus wäre aber auf jeden Fall leise und umweltfreundlich, und man könnte, was die Batterietechnik angeht, ein Forschungsprojekt daraus machen, sagte Hackbarth.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Patrick Rapp, den Schuster eingeladen hatte, nannte diese Vorstellungen "total sexy und visionär. Das könnte ein Leuchtturm sein und zukunftsweisend, gerade auch für den ländlichen Raum", sagte er. Er gab aber zu bedenken, dass es auch Argumente gegen die S-Bahn gibt und es wichtig sei, die Bevölkerung mitzunehmen. Lärm durch Schleifgeräusche in Kurven, steigende Grundstückspreise oder die Zersiedelung der Landschaft wurden genannt. Schneucker zeigte sich überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Projekt steht. Er fügte aber auch an, dass gerade in Binzen Menschen direkt an der Trasse wohnen, die sagen, sie wollen das eigentlich nicht.

Anbindung in Weil am Rhein soll nicht verbaut werden

Ein Landwirt aus Wollbach wies auf die zahlreichen Bahnübergänge hin, die schon jetzt zu Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft führen. Das werde mit S-Bahn noch schlimmer. In Binzen könnten geschlossene Bahnübergänge auch zu Behinderungen im Autoverkehr führen, was die Akzeptanz schmälern würde. Max Sütterlin, Ortsvorsteher von Wollbach, sagte: "Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung dafür ist, aber ein Votum gab es bisher nicht." Das soll nun eingeholt werden, meinte Armin Schuster, während er sich bei der Bahn darum kümmern will, dass die Anbindung nicht verbaut wird.

Autor: Thomas Loisl Mink