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02. November 2009

Langsamkeit als Chance und Gefahr

Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Lörrach will aufklären und Betroffenen Halt bieten

  1. Die Diagnose Prostatakrebs hat auch schwerwiegende Folgen für eine Partnerschaft. Foto: Fotolia

LÖRRACH. Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern: Bei rund 50 000 Männern wird die Krankheit in Deutschland jedes Jahr diagnostiziert. In Lörrach hat sich eine Selbsthilfegruppe "Prostatakrebs" gegründet, die über die Krankheit aufklären und Betroffenen Halt bieten will.

"Wir dürfen und können keine medizinische Beratung machen", stellt Hans Biegert, der Gründer der Gruppe klar. Sein Anliegen ist vielmehr, über die Krankheit, über Früherkennung und Behandlungsmethoden zu informieren, denn seiner Meinung vermitteln die meisten Ärzte ihren Patienten zu wenig Wissen darüber. "Der Hausarzt oder der Facharzt wird Sie in den wenigsten Fällen aufklären, wenn Sie nicht bohren", so Biegert. Willkommen sind in der Selbsthilfegruppe betroffene Männer und ihre Angehörigen, vor allem ihre Partnerinnen, aber auch alle Interessierten. Die Gruppe gehört dem Bundesverband Prostata Selbsthilfe an.

An Prostatakrebs erkranken Männer jeden Alters, vor allem aber ältere Männer. Die Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen. Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, sitzt unterhalb der Blase und umschließt den Harnleiter. Sie produziert die Samenflüssigkeit. Ist die Prostata durch einen Tumor vergrößert, kann sie Schmerzen verursachen oder Beschwerden beim Wasser lassen. Prostatakrebs ist ein sehr langsam wachsender Krebs. Darin liegt eine Chance, aber auch eine Gefahr. Einerseits leben viele Männer mit der Krankheit ohne je Beschwerden zu haben, so Hans Biegert. Andererseits besteht gerade dadurch die Gefahr, dass ein gefährlicher Tumor zu spät erkannt wird.

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Tastuntersuchung und Bluttest zur Vorsorge
Umso wichtiger sind die Vorsorgeuntersuchungen. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen für alle Männer ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich eine rektale Tastuntersuchung: Dabei tastet der Arzt die Prostata mit dem Finger vom Enddarm aus ab. Sehr kleine oder ungünstig liegende Tumore entdeckt er damit jedoch nicht. Daher empfiehlt der Bundesverband Prostata Selbsthilfe einen Bluttest, den PSA-Test. Auch eine gesunde Prostata schüttet das Prostata-spezifisches Antigen (PSA) aus. Ist die Konzentration im Blut erhöht, ist dies ein Alarmzeichen: Krebs kann die Ursache sein, allerdings auch eine Entzündung oder gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Der Test schlägt also früher Alarm als die Tastuntersuchung. Allerdings sind weitere Untersuchungen nötig, um zu klären, ob der Betroffene wirklich Krebs hat. Der PSA-Test muss vom Patienten selbst bezahlt werden. Er kostet zirka 25 bis 30 Euro, so Hans Biegert.

Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden bei Prostatakrebs: Operation, Bestrahlung und Hormontherapie sind die wichtigsten. Wenn die Drüse in einer Operation entfernt wird, kann das schwerwiegende Folgen haben: Zeugungsunfähig ist der Patient anschließend auf jeden Fall. Unter Umständen leidet er – zumindest vorübergehend − unter Erektionsstörungen oder unter Inkontinenz, also unkontrollierter Harnabgabe. Bei der Hormontherapie erhält der Patient Medikamente, die das männliche Sexualhormon Testosteron unterdrücken. Das entzieht dem Krebs die Grundlage, denn er braucht das Testosteron, um zu wachsen. Häufige Nebenwirkungen: Müdigkeit, Hitzewallungen, Nachlassen der sexuellen Lust.

Über die Krankheit, die Behandlung und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität kann in der Selbsthilfegruppe offen gesprochen werden. Vor allem aber will Hans Biegert eines vermitteln: Wer die Diagnose "Prostatakrebs" erhält, kann in Ruhe selbst entscheiden, was als nächstes geschehen soll. Gerade weil es ein langsam wachsender Krebs ist, bleibt in der Regel genügend Zeit, zu entscheiden, ob eine Operation wirklich notwendig ist. Oft genüge es auch, den PSA-Wert regelmäßig zu kontrollieren und abzuwarten, rät die Bundesvereinigung Prostata Selbsthilfe.









Autor: Regine Ounas-Kräusel