Ein Umbruch in der Waldwirtschaft

Heidrun Glaser

Von Heidrun Glaser

Fr, 08. Dezember 2017

Kreis Waldshut

Bürgermeister Schmidle aus Murg leitet neu gegründete Waldgenossenschaft Südschwarzwald.

KREIS WALDSHUT. In den Räumen der Volksbank Hochrhein in Waldshut wurde ein wichtiges Kapitel des Umbruchs in der Waldwirtschaft besiegelt. Mit der Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald wurden die Wege zu einer kartellkonformen Holzvermarktung für Kommunen und Privatwaldbesitzer geebnet. Damit können die Holzmengen gebündelt profitabel auf den Markt gebracht werden. Von den 32 Städten und Gemeinden in der Region sind 27 der Genossenschaft beigetreten, von den 13 Forstbetriebsgemeinschaften elf.

An der Gründungsversammlung nahmen fast vollzählig die Bürgermeister des Kreises sowie zahlreiche Vertreter der Forstbetriebsgemeinschaften teil.

Ein Blick zurück macht deutlich, in welchem Dilemma sich die Waldbesitzer in der Grenzregion zur Schweiz befinden. Als Einzelkämpfer mit relativ geringen Holzmengen durch die kleinparzellierte und besitzzersplitterten Waldverhältnisse übertrugen die Gemeinden und die Privatwaldbesitzer die Holzvermarktung mit der Gemeindereform Mitte der 70er Jahre an die Kreisforstverwaltung. Die Sägewerksbesitzer sahen sich dadurch jedoch einem kartellwidrigen Preisdruck ausgesetzt. "Durch die Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald treten wir nicht als verlorene einsame Wölfe, sondern künftig als schlagkräftiges Rudel auf", betonte Landrat Kistler in seinem Plädoyer für die Genossenschaftsgründung. Unter der Federführung von Kreisforstamtsleiter Helge von Gilsa und der Projektarbeitsgruppe unter der Leitung von Bürgermeister Adrian Schmidle aus Murg, entstand das "Modell 74", bei dem als Lösung für die Problemstellung der Kartellwidrigkeit die Gründung einer privatwirtschaftlich agierenden Genossenschaft empfohlen wurde. Die Bedingungen für eine erfolgreiche Teilnahme am Holzmarkt sind klar definiert, danach wird die Waldgenossenschaft organisiert. Es gilt, die Holzsortimente korrekt zu sortieren und aufzubereiten, sowie kontinuierlich zu gewünschten Mengen und Lieferterminen bereitzustellen, professionelle unternehmerische Strukturen aufzubauen, sowie eine leistungsstarke Basis von mindestens 150 000 Festmeter Holzmenge pro Jahr zu bieten.

Die bisherigen Landesbeamten und Angestellten werden nach wie vor auf der Besoldungsliste des Landkreises geführt. Durch die Zuweisung an die Waldgenossenschaft werden die Leistungen von dort an den Landkreis bezahlt, die Beamten und Angestellten sind der Waldgenossenschaft unterstellt.

Als Ziel wurde eine Steigerung der Holzmenge durch weitere Mitgliedschaften von 180 000 bis 200 000 Festmeter pro Jahr genannt. Die Waldgenossenschaft Südschwarzwald steht auch Forstbetriebsgemeinschaften oder Gemeinden außerhalb des Landkreises Waldshut offen. Pro Festmeter Holz wird eine Vermarktungsgebühr von zunächst 2,50 Euro erhoben. Mit einer einmaligen Einlage von 2000 Euro können juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts und Personengesellschaften Mitglied werden. Privatpersonen ist die Mitgliedschaft verwehrt. Demzufolge hat sich Marion Frei, Bürgermeisterin der Gemeinde Dettighofen und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, für die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft der privaten Waldbesitzer am Hochrhein stark gemacht: "Von Lauchringen bis Jestetten gibt es für die Privatwaldbesitzer keine gemeinschaftliche Struktur, somit können diese künftig ihr Holz quasi gar nicht mehr verkaufen, deshalb strebe ich die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft Hochrhein an."