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27. Februar 2010
Keine Chance den Keimen
Das MRE-Netzwerk Hochrhein kämpft im Landkreis gegen multiresistente Erreger in Krankenhäusern und Pflegeheimen.
BAD SÄCKINGEN. Die Zahl der Erkrankungen durch sogenannte multiresistente Erreger in Krankenhäusern und Pflegeheimen haben in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Diese Erreger sind vor allem für Risikogruppen wie etwa Diabetiker oder frisch operierte Patienten gefährlich. Um wirksam gegen die multiresistenten Erreger wie Staphylokokken vergehen zu können, hat sich das MRE-Netzwerk Hochrhein gegründet. 34 Akteure gehören dem Netzwerk derzeit an, nun sollen noch die Krankenkassen gewonnen werden.
Antibiotika haben in den vergangenen hundert Jahren vielen Menschen das Leben gerettet. Keime, die bis zur Entdeckung der Antibiotika nahezu ungehindert ihre oft tödliche Arbeit im menschlichen Körper verrichteten, konnten nun erfolgreich bekämpft werden. Leider haben sich aber auch die Keime weiterentwickelt. Einige Arten sind inzwischen resistent gegen Antibiotika. "Und neue Antibiotika werden nicht entwickelt, weil sie sich für die Pharmaindustrie nicht rechnen", nennt Nadja Oster, Koordinatorin des MRE-Netzwerks Hochrhein, einen der Gründe für die Verbreitung der Krankheitserreger.Werbung
Der Kampf gegen die Keime soll dennoch aufgenommen werden. Aus diesem Grund werden inzwischen überall in Deutschland Netzwerke gegründet. In Baden-Württemberg wurden fünf Landkreise als Pilotkandkreise ausgesucht, um Netzwerke zu erstellen – Waldshut-Tiengen ist einer davon. So wurde das Netzwerk im Mai 2009 gegründet, am 9. Februar wurde nun eine Satzung verabschiedet und eine Steuerungsgruppe gewählt, die sich jetzt engagiert.
Um Erfolg im Kampf gegen Erkrankungen durch multiresistente Keime haben zu können, müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Zum einen müssten mehr niedergelassene Ärzte mitmachen. "Es ist schon ein Problem, wenn wir erst zwei Tage nach der Einlieferung eines Patienten ins Krankenhaus von seinem Hausarzt erfahren, dass es sich um einen MRE-Träger handelt", beklagt Claudia Steffan, Expertin für den Bereich Hygiene am Krankenhaus Bad Säckingen. Ein Fall, den sie selbst so erlebt hat. Da dieser Patient mit einem frisch Operierten auf einem Zimmer lag, mussten beide auf MRE untersucht werden. Das verursache Kosten, die bei einer funktionierenden Kommunikation vermieden werden könnten.
Kosten sind ein weiteres Stichwort für das Netzwerk. Ein Problem sei nämlich, dass die Behandlung der multiresistenten Keime nicht von den Krankenkassen bezahlt werde, da es sich lediglich um eine Präventionsbehandlung gegen weitere Erkrankungen handelt. Erst wenn die Keime eine Krankheit ausgelöst haben, bezahlen die Kassen deren Behandlung. Eine falsche Vorgehensweise, ist man beim Netzwerk überzeugt. Einerseits, weil die Behandlung einer akuten Krankheit wesentlich teurer sei als die Präventionsbehandlung, andererseits, weil ein Betroffener das Recht auf Kostenerstattung haben sollte. Deswegen sollen auch die Krankenkassen ins Boot geholt werden. "Einem Netzwerk im Münsterland ist das gelungen", ist Nadja Oster optimistisch, dass dies auch in Waldshut klappt.
Autor: Jörn Kerckhoff


