KRITIK IN KÜRZE

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Mo, 24. September 2018

Rock & Pop

Philipp Poisel im Haus der Jugend

Philipp Poisel kennt kein Zurückschrecken vor lyrischen Klischees. Dass einem bei Sätzen wie "Mit jedem deiner Fehler lieb’ ich dich mehr" oder "Alles, was ich liebe, hat mit dir zu tun" vor lauter Kitsch nicht die Haare zu Berge stehen, rührt vor allem daher, dass der Singer/Songwriter aus Ludwigsburg sie unverkennbar zaghaft ins Mikrofon nuschelt – sein Markenzeichen. Den ersten Refrain des Konzerts in Freiburg ("Halt mich") darf das Publikum singen. Noch im ersten Drittel geht Poisels Band von der Bühne, damit er allein mit seinen Fans "Im Garten von Gettis" und "Froh dabei zu sein" anstimmen kann. Das wirkt ein bisschen sehr wie das Abfeiern des eigenen Werks: Poisels Show im Haus der Jugend ist Teil einer seit Wochen ausverkauften Clubtour, mit der er sein zehnjähriges Bühnenjubiläum feiert. Als die Band zurückkehrt, lässt sich aufatmen. Die vier überwiegend studierten Musiker begleiten Poisel diszipliniert, beim stadiontauglichen Pop-Rock des aktuellen Albums "Mein Amerika" (2017) durchaus wirkungsstark – und manchmal so kraftvoll, dass Poisels schwankendes Stimmvolumen kaum dagegen ankommt. Die Platte nahmen sie gemeinsam in Nashville auf. Von dort, erzählt so der Sänger, habe man manch neues Gewand für alte Stücke mitgebracht. "Zünde alle Feuer" vom Durchbruchs-Album "Bis nach Toulouse" (2010) kommt mit Slide-Gitarre statt Glockenspiel deutlich weniger niedlich daher. Nach zwei Stunden dürfen sich bei der Zugabe "Liebe meines Lebens" noch einmal die zahlreichen Pärchen in den Armen liegen.