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26. Juli 2012 08:19 Uhr

Wohnkunst

Künstler Ben Hübsch verleiht Studentenwohnheim Farbe

Im im Foyer eines Freiburger Studentenwohnheims greifen die Farben an: Ben Hübsch, Maler aus Freiburg, ist verantwortlich für das Farbkonzept des ökonomisch gestalteten Zweckbaus.

  1. Ein Blick in den Neubau – da wo die Kontraste am lautesten sind Foto: bernhard strauss

"Haben Sie auch ihre Sonnenbrille auf?", warnt der Architekt Max Munkel scherzend, als es durch die Eingangstür der aluminiumhellen Fassade in den fast fertiggestellten Neubau des Studentenwohnheims geht. Denn hier im Foyer greifen die Farben an: Große Wandflächen von kaltem Rosa, abgetöntem Orange, Türkis, Himmelblau, Ochsenblutrot und Gelb prallen am braunen Anstrich der Fensterwand ab, der sich vier Stockwerke hoch in einem engen Treppenschacht fortsetzt. Aber auch Pink und Mauve begleiten die schwarzweiß gehaltenen Treppenwangen bis ins Dachgeschoss – der Blick nach oben lässt einen taumeln.

Wo man hinschaut, begehbare Bilder

"Hier sind die Farbkontraste am lautesten", gibt Ben Hübsch zu. Er, der Maler aus Freiburg, ist verantwortlich für das Farbkonzept der Innengestaltung des ökonomisch gestalteten Zweckbaus. Architekt und Künstler fanden sich zusammen, um die Anonymität aus den Fluren und Wohnbereichen heraus zu nehmen und den jungen Nutzern mit farbiger Innengestaltung zu einem Wohn- und Wohlgefühl zu verhelfen. Ein Glück, dass Farbe immer die billigste Form der Innengestaltung ist, denn das Studentenwerk muss ja aufs Geld schauen. Ihnen beiden ist ein zauberhaftes Werk gelungen, das sogar den Anstreichern, die mit der weiß abgetönten Brillux Dispersionsfarbe in 22 Farbschattierungen klarkommen mussten, Spaß gemacht hat.

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"Wir wollten hier dem Trend, Stimmungen zu schaffen, nachkommen", sagt der Architekt. Nach jedem Treppenabsatz empfängt einen ein begehbares Bild von Ben Hübsch, ohne dass man tatsächlich von einem "Wandbild" oder gar von "Kunst am Bau" sprechen könnte. Hübsch interpretiert den Bau, choreografiert den Nutzerstrom: Grün steht für alle öffentlichen Bereiche, jede Tür zu einer der 64 Wohngemeinschaften oder zu einem der 40 Appartements umgibt, verteilt über vier Stockwerke, ihr eigenes Farbfeld, lediglich die Abfolge rotiert von Etage zu Etage. So haben die Flure in jedem Geschoss ihre eigene farbliche Anmutung und Wirkung, mal kühl durch den mineralischen Klang abgetönten Grüns, pudrigen Lilas oder zarten Mauves, mal ansprechend warm, wenn Orange und Rosa über die Ecken wandern.

Alle Zimmer sind in neutralem Weiß gehalten – genug gestalterischer Spielraum für die zukünftigen Nutzer, wohl meist Technik-Studenten. Auch die "Filmfarbe", wie Josef Albers es nannte, wenn eine Farbe in die benachbarte hineinleuchtet und so wieder neue Töne erzeugt, hat Hübsch bedacht: Eine weiße Tür in einer grünen Wand wechselt durch Komplementärwirkung plötzlich zu Rosa. Farbpsychologische Überlegungen flossen noch direkter bei dem Farbkonzept der Campus-Kita im Erdgeschoss mit ein. Hier ist das Wiesengrün des Linoleums, das das Gras von draußen optisch fortsetzt, leitmotivisch in vielerlei Facetten zu finden, von Quietschgrün über Maigrün zu stumpfem Chromoxidlindgrün. Und schmutziges Moosgrün schafft dunkle Kuschelecken.

Dass Maler und Architekt beides junge Väter sind, hat die Zusammenarbeit der Freunde befruchtet. "Das Senfgelb hier ist meine Lieblingsfarbe", gesteht Max Munkel. Aber Ben Hübsch kontert: "Dieses Löwenzahngelb?" Farben sind durch Sprache einfach nicht objektiv benennbar, die Fantasie des einzelnen generiert den subjektiven Farbeindruck – und das ist das Spannende an diesem Farbmammutwerk, da draußen im Noch-Niemandsland des Freiburger Flughafengeländes!


– Ben Hübschs Farbkonzept im Neubau Studierendenwohnheim und Kita Campus I, Georges-Köhler-Allee 73, Freiburg.

Autor: Eva Schumann-Bacia