Entwicklung

Modell der Stadt Freiburg soll Planern als wichtiges Werkzeug dienen

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Fr, 02. Oktober 2015 um 07:28 Uhr

Kultur

Anschaulicher und verständlicher: Ein 1:1000-Modell von Freiburg soll Planern und Architekten helfen, die Stadt weiterzuentwickeln – so wie in Basel. Ein erstes Teilstück existiert bereits.

Auch im Maßstab 1:1000 wirkt der im September fertiggestellte 178 Meter hohe Turm des Basler Chemiegiganten Roche wie ein Außerirdischer. Andreas Defuns beugt sich in seinem Atelier direkt am Basler Münsterplatz über die Modellplatte und stellt einen neuen, noch höheren Turm daneben. "Der zweite Roche-Turm wird über 200 Meter hoch. Basel wächst in die Höhe, nicht in die Breite", sagt der Leiter des Modellbauateliers des Planungsamts des Kantons Basel-Stadt. Weiterhin zu sehen sind der grüne Rhein, die Neubauten der Messe Basel, die Wohnquartiere, die Umwälzungen im Erlenmatt-Areal neben dem Badischen Bahnhof. Auch ein Modell des neuen Turms bei der Messe, knapp 100 Meter hoch, ragt da in den Modellbauhimmel. So könnte es in Kleinbasel bald aussehen, doch genehmigt und damit entschieden ist noch nicht jedes Bauvorhaben. Und darum geht es ja.
Seit 55 Jahren leistet sich Basel zwei Stadtmodelle. Eines zeigt den Zustand von 1960, das andere entwickelt sich zusammen mit der Stadt. "Es geht darum, Visionen darzustellen, die Diskussion mit Architekten und Planern anzuregen, und für Fachfremde die Zusammenhänge visualisierbar zu machen", sagt Defuns. Pläne für neue Projekte wie den Roche-Turm müssen im Amt 30 Tage öffentlich ausgestellt werden, das Modell steht dann daneben. Bürger können sich informieren – und natürlich Einspruch erheben.

80 Teilstücke sollen es einmal sein

Was für Andreas Defuns und die Basler Stadtplaner längst Arbeitsalltag ist, davon träumen noch die Freiburger Architekten Benno Burgey und Manfred Sautter, Vorsitzender der Architektenkammer Baden-Württemberg für die Kammergruppe Freiburg. 2012 haben sie und andere den Verein Stadtmodell Freiburg gegründet. "Wir wollen ein Modell im Maßstab 1:1000 der gesamten Stadtfläche Freiburgs errichten, vom Rieselfeld bis Ebnet, vom Vauban bis Zähringen", sagt der Vereinsvorsitzende Burgey. 80 Teilstücke, maximal ein Quadratmeter groß, sollen es irgendwann einmal sein. Freiburg wird auf eine Modellfläche von acht mal zwölf Metern schrumpfen. Ein möglicher Standort ist noch nicht bekannt.

Pro Platte fallen Kosten von 5000 bis 15.000 Euro an – ja nach Komplexität des Stadtteils und je nach Aufwand der digitalen Aufbereitung. Das Projekt soll privat finanziert werden. "Unser Vorbild ist Münster", sagt Burgey. "Dort ist durch Spenden und bürgerschaftliches Engagement ein interessantes Modell entstanden."

Hoffen auf eine lebhafte Debatte

Das erste Teilstück, das die Stadtteile Stühlinger und Sedanquartier mit insgesamt 800 Gebäuden zeigt, sieht aus wie eine Spielzeuglandschaft, Erhebungen wie der Colombi-Park sind leicht auszumachen, an der Bahnhofsachse sieht man, wie Freiburg zuletzt in die Höhe gewachsen ist. Entstanden ist die Platte aus Birkensperrholz im Freiburger Architekturbüro Horbach. Im zweiten Stock dort stellt Martin Hermel, Leiter der Abteilung Modellbau, kleine Häuser aus Birnenholz her und pflanzt Miniaturbäume aus Schaumgummi. "Die Plandaten, also die Höhenlinien, die Höhe der Gebäude, die Neigung der einzelnen Dächer, bekommen wir vom Vermessungsamt der Stadt", berichtet Burgey. Er hofft, dass mit dem Modell eine lebhafte kulturelle und öffentliche Debatte über die Entwicklung der Stadt beginnt.

"Das Modell hilft Bürgern und auch Fachleuten, die räumliche Wirkung neuer Bauvorhaben im Vorfeld besser abzuschätzen. Es ist anschaulicher und verständlicher als das reine Zahlenwerk. Insofern hat es sicherlich eine positive Auswirkung auf die Qualität der Entscheidungen", sagt auch Manfred Sauter. "Im Falle des neuen Stadions etwa hätte das Modell zu einer stärkeren Versachlichung der Standortdebatte beitragen können." Er ist sich sicher: "Städtebauliche Chancen lassen sich besser darstellen, aber auch Fehlplanungen werden schonungslos aufgedeckt."
Erste Präsentation

Samstag, 10. Oktober, 10 bis 14 Uhr, Café Hermann (Radstation beim Hauptbahnhof), Wentzingerstraße 15

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