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05. Juni 2015

Kunsthandwerk aus dem Koffer

Die Esther-Weber-Schule will Schülern Wirtschaft nahebringen.

  1. Ulrike Brandt-Frank und Stephanie Diehr organisieren den Koffermarkt auf dem Gelände der Esther-Weber-Schule Foto: Patrik Müller

EMMENDINGEN-WASSER. Bei Reisenden sind Koffer aus der Mode gekommen, bei Kunsthandwerkern liegen sie im Trend – die veranstalten immer häufiger Märkte, bei denen die Aussteller Babysöckchen und Bronzeschmuck in alten Koffern drapieren. Zwei Lehrerinnen der Esther-Weber-Schule für Körperbehinderte in Wasser sind auf den Geschmack gekommen und planen den "Wasserstand-Koffermarkt". Um Inklusion soll es dabei nur am Rand gehen.

Sie wollen kein Mitleid. Sie wollen nicht, dass die Leute kommen, weil Behinderte etwas gebastelt haben, weil der Erlös an den Förderverein der Schule geht, weil davon Tablets für den Unterricht gekauft werden sollen. "Das ist nicht irgendwelches gebasteltes Zeug, wir öffnen die Schule für einen Kunsthandwerkermarkt,", sagt Lehrerin Ulrike Brandt-Frank. "Und zufällig", ergänzt ihre Kollegin Stephanie Diehr, "sind da halt noch Rollstuhlfahrer."

45 Aussteller haben zugesagt. Einer kommt aus dem Schwäbischen, einer aus der Schweiz, die meisten aus der Region. Sie verkaufen Stofftaschen, Babyspielzeug, Schmuck, Gewürze im Reagenzglas. Auch dabei: Vier Schülerfirmen der Esther-Weber-Schule – die haben aus alten Golfbällen Massageroller gebastelt, Kunstkarten bedruckt, bunte Gipsskulpturen angefertigt und Stoffpostkarten genäht. "Die Schüler müssen mit der Wirtschaft konkurrieren", sagt Lehrerin Brandt-Frank.

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Eine Schülerfirma hat die Plakate entworfen, eine andere hat sie gedruckt. "Die Schule ist ein Schonraum, das wirkliche Leben aber nicht", sagt Diehr. "Wir wollten nicht, dass sich die Schüler monatelang mit dem Plakat beschäftigen. Wir haben gesagt, wir brauchen es schneller." Rund 500 Stück haben sie schließlich gedruckt. "Die Identifikation der Schüler ist aber viel größer als bei anderen Projekten, weil die Plakate jetzt tatsächlich überall hängen."

Die externen Aussteller zahlen Standgebühr und müssen, auch das ist Bedingung, einen Kuchen mitbringen. Ihre Verkaufserlöse dürfen sie behalten. Einige Schüler wollen sich mit dem Markt die Klassenfahrt finanzieren, der Gewinn aus Standgebühren und Bewirtung geht an den Förderverein.

Und ein bisschen geht es doch um Inklusion. "Jeder weiß: In Wasser gibt es zwei Sonderschulen. Man weiß aber nicht, welche welche ist – und man geht nicht hin", sagt Stephanie Diehr, die aus Reute stammt und über ein Freiwilliges Soziales Jahr zur Spnderpädadogik kam. "Wir haben so ein tolles Gelände – und wollen das den Leuten auch mal zeigen", sagt Ulrike Brandt-Frank.

Termin: Koffermarkt, Esther-Weber-Schule Wasser. Samstag, 20. Juni, 11 bis 17 Uhr. Nachmeldungen für Aussteller: wasserstand@esther-weber-schule.de

Autor: Patrik Müller