"Da weht ein frischer Wind"

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Di, 07. Februar 2017

Lahr

BZ-INTERVIEW mit dem Lahrer SPD-Vorsitzenden Mark Rinderspacher über den Schulz-Effekt.

LAHR. Seit Martin Schulz als Kanzlerkandidat der SPD feststeht, schnellen Umfragewerte in ungeahnte Höhen. In den sozialen Medien wird Schulz schon mal zum Superhelden. BZ-Redakteur Mark Alexander hat beim Lahrer Ortsvereinsvorsitzenden Mark Rinderspacher nachgefragt, ob der Hype auch in der Ortenau angekommen ist.

BZ: Hätten Sie noch ein Parteibuch übrig, falls ich in die SPD eintreten möchte?
Rinderspacher: (lacht) Im Augenblick hätte ich keines für Sie. Im Regionalzentrum sind die Parteibücher ausgegangen und müssen frisch gedruckt werden. Mitte März gibt es neue. Die elektronische Erfassung läuft aber weiter, binnen vier Wochen bekommen Sie einen Ausweis.
BZ: Dann sieht es ähnlich aus wie in München. Dort sind der SPD die roten Büchlein ausgegangen. 90 Menschen haben sich innerhalb weniger Tage gemeldet.
Rinderspacher: Zulauf gibt es auch hier in der Region. Deutlich mehr als 100 Neumitglieder sind es in Südbaden allein im Januar. In der Ortenau sind es bislang elf, im Vorjahreszeitraum war es nur ein einziges Neumitglied.
BZ: Sie spüren den Schulz-Effekt?
Rinderspacher: Da überlagern sich zwei Effekte. Der Trump- und der Schulz-Effekt. Zum einen hat die SPD nach den Wahlen in den USA festgestellt, dass die Mitgliederzahlen leicht angestiegen sind. Und als nun klar war, dass Martin Schulz Kanzlerkandidat wird, sind die Zahlen explodiert.
BZ: Auch in Lahr?
Rinderspacher: In Lahr haben wir bisher noch keine Neueintritte. Aber die Stimmung im Ortsverein ist sehr gut. Wir merken, dass da ein frischer Wind weht. Es gibt eine Aufbruchsstimmung.
BZ: In Lahr hat die SPD bei den Landtagswahlen große Verluste hinnehmen müssen. Was wird getan, um das zu ändern?
Rinderspacher: Mein Lieblingsbeispiel ist die "rote Bank". Wir haben immer wieder Vorwürfe gehört wie: "Man sieht euch doch nur, wenn Wahlkampf ist." Jetzt bieten wir diese Gesprächsgelegenheit regelmäßig am Sonnenplatz an. Die Reaktion war am Anfang: Was macht denn ihr da? Sind schon wieder Wahlen? Aber es wird angenommen.
BZ: Und wenn Sie den SPD-Hoffnungsträger nach Lahr holen?
Rinderspacher: Ob er es direkt nach Lahr schaffen wird, das weiß ich nicht. Aber ich sehe durchaus Chancen, dass er in die Gegend kommt.
BZ: Sind sie eigentlich bei Twitter?
Rinderspacher: (lacht) Ich habe mich schon vor einiger Zeit angemeldet, meist aber Facebook bevorzugt. Seit Kurzem verfolge ich Twitter regelmäßiger.
BZ: Dann wissen Sie auch, warum der Kanzler-Dienstwagen von Martin Schulz kein Benzin braucht?
Rinderspacher: Nein, das weiß ich nicht.
BZ: Er fährt aus Respekt. War zumindest so bei Twitter zu lesen, wo es gerade einen Hype um Schulz gab. Satire oder ein Stück weit auch echte Euphorie?
Rinderspacher: Da ist ein bisschen Augenzwinkern dabei. Parteiarbeit und Wahlkampf dürfen doch auch Spaß machen. Bei aller Ernsthaftigkeit schadet es uns allen nicht, wenn wir auch mal lächeln können, zum Beispiel über solche abgewandelten Chuck-Norris-Witze. Und genau das kann auch Martin Schulz. Der geht zum Lachen nicht in den Keller.

Zur Person: Mark Rinderspacher (51) ist seit 2013 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Lahr. Der Diplom-Handelslehrer ist verheiratet und hat zwei Kinder.